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Umtauschaktion

Wie der Umtausch der Führerscheine die Kreise stresst

Münsterland

Der Abschied vom alten Führerschein steht bevor. Die Kreise im Münsterland rotieren und drängeln bereits. Denn: Auf sie kommt jede Menge Arbeit zu. Was Autofahrerinnen und Autofahrer beachten müssen, erfahren sie hier.

Stefan Werding

Foto: picture alliance/dpa | Marius Becker

Wer kennt sie nicht: die Lacher über die Passbilder aus den alten Führerscheinen, die Aahs und Oohs, wenn jemand den grauen Lappen aus der Tasche zieht, der sich anfühlt, als wenn er noch auf Kuhhaut gedruckt worden wäre. Doch mit den Lachern und dem Schenkelklopfen ist es bald vorbei. Und die besten – weil ältesten – Bilder werden als erstes verschwinden. Verantwortlich ist – mal wieder – die EU. Ab dem 19. Januar 2033 gelten nur noch EU-Führerscheine.

  • Wer ist als erstes dran?

Am meisten müssen sich die Autofahrerinnen und -fahrer beeilen, die zwischen 64 und 68 Jahre alt sind. Sie müssen ihren Lappen bis zum 19. Januar 2022 umtauschen. Wer älter ist, hat elf Jahr mehr Zeit. Das soll allen Autofahrern über 68 die Rennerei ersparen, die 2033 vielleicht gar nicht mehr Auto fahren wollen oder können.

  • Warum ist eine Staffelung nach Geburtsjahr nötig?

Das Bundesverkehrsministerium erklärt das damit, dass das Ausstellungsdatum auf den alten Papierführerscheinen häufig nicht mehr erkennbar ist.

  • Gibt es so etwas wie eine Priorisierung?

Nein, anders als beim Corona-Test können Autofahrer ihren Schein umtauschen, wann sie wollen. Ein freiwilliger Umtausch ist immer möglich.

  • Wo lassen sich die Führerscheine umtauschen?

Bei den Kreisen und der Stadt Münster. Alles, was bislang als Lappen oder Fleppen grau oder rosa in Brieftaschen und Portemonnaies herumgelegen hat, soll knackigen Karten (fälschungssicher und der EU-Norm entsprechend) weichen. Dafür muss allein der Kreis Steinfurt bis 2033 jedes Jahr rund 25 000 Führerscheine tauschen – und drängelt, den Antrag rechtzeitig zu stellen.

Ellen Bulten vom Kreis Borken erwartet, dass zusätzliches Personal nötig sein wird, um die Arbeit zu bewältigen. Wie viel, werde sich noch herausstellen, erklärt sie. Hinzu kommen Scanner, Drucker und eine besondere Software. Und der Bundesdruckerei und dem Kraftfahrtbundesamt muss der Kreis die Kosten für die Erfassung der Führerscheindaten erstatten. Auch die Stadt Münster hat 2020 eine zusätzliche Stelle geschaffen, die entstehenden Kosten bezahlen Autofahrer mit der Verwaltungsgebühr.

Foto:
  • Wieso ausgerechnet am 19. Januar?

Das krumme Datum erklärt der Kreis Steinfurt unter anderem mit der ohnehin schon enormen Belastung der Fahrerlaubnisbehörden zum Jahreswechsel. Zusätzliche Erleichterungen erhofft sich Kirsten Weßling vom Kreis Steinfurt von dem Versand des fertiges Scheins per Post. So werde ein Extragang zur Behörde überflüssig.

Fahrschulen könnten zudem seit etwa zwei Monaten Führerscheinanträge digital einreichen. Außerdem hat der Kreis getestet, wie Führerscheinen auch per Zoom getauscht werden können. „Die Pilotphase lässt erwarten, dass ein Teil der Anträge auch digital gestellt werden kann“, sagt Weßling.

  • Wie viele Autofahrer brauchen einen neuen Führerschein?

Das ist nicht ganz klar. Bundesweit vermutlich 42 Millionen. Die Zahl der Bewohner mit Führerschein ist aber unklar. Nach den Worten von Hartmut Levermann sind im Kreis Coesfeld 217 000 Führerscheine ausgestellt. „Diese Zahlen sind jedoch nicht valide. Die Summe der gültigen Führerscheine müsste eigentlich deutlich unter der Einwohnerzahl des Kreises Coesfeld von rund 220.000 liegen“, erklärt der Pressesprecher. Er begründet das mit verwaisten Daten, die durch Umzug, Ummeldungen oder anderen Ursachen entständen. Eine zentrale Meldestelle, die solche Informationen speichert, fehle.

  • Auf welchem Weg ist der Umtausch möglich?

Deutlich unterscheiden sich die Möglichkeiten, den Antrag zu stellen. So schließt der Kreis Borken kategorisch aus, Anträge persönlich einzureichen, während die Stadt Münster auf einem persönlichen Besuch besteht, weil „eine eigenhändige Unterschrift unverzichtbar ist“. So halten es auch die anderen Kreise im Münsterland. Steinfurt bietet noch eine Online-Variante an.

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