Kinostart von „Der Aufstieg Skywalkers“

Vader und Wookie im Wohnzimmer - Faszination Star Wars

Ascheberg

Mit dem Start der letzten Episode am 18. Dezember endet das nächste Kapitel der „Star Wars“-Saga. Für Fans wie Stephan Müller geht die Begeisterung für Jedi und Droiden aber über den Kinosessel hinaus.

Anna Spliethoff

Neben der Weihnachtsdeko steht Stephan Müller ein originalgetreuer Darth-Vader-Helm. Foto: Jürgen Christ

Als der erste Film der „Star Wars“-Saga über die Kinoleinwände flimmerte, war Stephan Müller noch nicht einmal geboren. Trotzdem hat ihn die Leidenschaft für die Filmreihe gepackt. Angefangen hat alles noch im Kindesalter: „Mein Vater hat Schuld daran.“ Als Kind durften er und seine Schwester jeden Samstag einen Film gucken. „Da hatte ich meinen ersten Kontakt zu ‚Star Wars‘“, sagt der heute 41-Jährige. Die vierte Episode – also der erste Film, der erschienen ist – hat seine Leidenschaft entfacht. Es folgte jede Menge Spielzeug: Luke Skywalker, seine Gefährten und Feinde hielten Einzug ins Kinderzimmer. „Und dann hat es mich nie wieder losgelassen.“

Bis heute ist diese Leidenschaft ungebrochen – und in der Wohnung in Ascheberg gut sichtbar. An der Schlafzimmer-Tür hängt ein großes Poster von Darth Vader, in einer ­Vitrine im Flur und auf vielen Regalen stehen zahlreiche Figuren. Und das, obwohl die Begeisterung bei seiner Lebensgefährtin Britta Lube nicht so stark ausgeprägt ist. „Ich mag die Filme“, sagt sie. Aber zu Beginn der Beziehung habe sie sich nicht vorstellen können, mal in ein Kostüm zu schlüpfen oder einen kleinen Nachbau des Droiden R2-D2 im Schlafzimmer stehen zu haben.

Ein Hund namens Wookiee

Stephan Müller hat seit seiner Kindheit Figuren gesammelt. Doch aus Platzgründen hat er sich zu Beginn des Jahres von vielem getrennt: „Ich habe etwa 800 Figuren und Raumschiffe verkauft.“ Erst sei ihm das schwer­gefallen, jetzt vermisst er die Sammlerstücke aber nicht mehr. Denn eingezogen sind dafür zwei Hunde. Der große Rüde trägt den Namen „Wookiee“, eine Spezies aus dem „Star Wars“-Universum. Der bekannteste Wookiee ist Chewbacca. Die Hündin heißt „Mala“. „Die Frau von Chewbacca heißt so“, erklärt Müller.

Für Stephan Müller war es ein großes Highlight, als die Filme der Original-Trilogie Mitte der 1990er Jahre neu aufgelegt wurden. „Da habe ich sie dann endlich im Kino gesehen“, sagt er. Die fünfte Episode – „Das Imperium schlägt zurück“ – ist bis heute sein Lieblingsfilm. Vor allem wegen des wohl berühmtesten Satzes, den Darth Vader spricht: „Ich bin dein Vater.“ Aber auch die „Star Wars“- Story „Rogue One“ (2016) hat es ihm angetan. „Ich mag die neuen Filme, die ohne Lichtschwerter und Jedis auskommen“, sagt der Mitarbeiter des Universitäts­klinikums Münsters (UKM).

Der Schöpfer - George Lucas

Ohne ihn hätte es „Star Wars“ nie gegeben: George Lucas. Mittlerweile ist der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur 75 Jahre alt. Geboren wurde er 1944 in Kalifornien (USA). Der „Star Wars“-Schöpfer wollte ursprünglich gar nicht in der Filmbranche arbeiten, sondern Rennfahrer werden. Nach einem schweren Rennunfall änderte er jedoch seine Pläne. Er schrieb das Drehbuch für sechs Episoden der „Star Wars“-Saga, bei vier Filmen führte er zudem Regie. 2012 hat sich Lucas von dem Film­projekt verabschiedet. Bereits 1980 verschaffte sich Lucas für Lucasfilm einen stattlichen Unternehmenssitz – die Skywalker-Ranch in Kalifornien. 2013 heiratete er dort zudem seine zweite Ehefrau, Mellody Hobson.  (anf)

Stephan Müller

Gerade deshalb tut er sich mit den schon zwei erschienenen Episoden der Sequel-Trilogie schwer. Stephan Müller möchte nicht behaupten, dass Disney die Sache schlecht mache: „Disney hat den Fans einen großen Gefallen damit getan, dass es weitergeht.“ Seinen Geschmack habe das Unternehmen allerdings nicht getroffen. Stephan Müller und Britta Lube kritisieren vor allem, dass sich der Humor verändert habe. Der 41-Jährige findet: „Früher war ‚Star Wars‘ein Genre-Film, seit Disney soll es aber der breiten Masse gefallen.“

Auch deshalb haben die beiden noch keine Kino­karten für die letzte Episode gekauft. „Beim letzten Film habe ich zwischendurch überlegt, rauszugehen“, fällt Müllers Urteil hart aus. In seinem Regal steht der Film trotzdem: „Ohne geht es irgendwie auch nicht.“ Etwa einmal im Vierteljahr schauen die beiden die „Star Wars“- ­Filme. Der 41-Jährige schätzt, dass er die Original-Trilogie sicher schon 200 bis 300 Mal gesehen habe: „Ich gucke mir die Filme an, um neue Details zu entdecken.“

Epische Filmmusik - John Williams

Seit das Filmunternehmen Disney die Rechte an „Star Wars“ erworben hat, bleibt es nicht mehr nur bei den klassischen Episoden. Mit „Rogue One“ und „Solo“ sind bereits zwei weitere Filme erschienen. Disney fügt den Spin-offs den Zusatztitel „A Star Wars Story“ hinzu. Beide spielen chronologisch zwischen der dritten und vierten Episode – also nachdem sich Anakin Skywalker in Darth Vader verwandelt hat und bevor Luke Skywalker zum Jedi ausgebildet wird. Der Film „Rogue One“ startete 2016 in den Kinos und handelt von einer Gruppe von Rebellen. Unter Aufopferung ihres Lebens stehlen sie die Bau-pläne einer Superwaffe des Imperiums – des Todessterns. „Solo“ folgte im Jahr 2018. Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Han Solo, einer von George Lucas erdachten Figur. Solo spielt bereits in der Original-Trilogie eine wichtige Rolle – gemeinsam mit dem Wookiee Chewbacca. Anf

Das Interesse für „Star Wars“ geht bei den beiden aber über die Couch und die eigene Wohnung hinaus. Vor zwei Jahren haben sie in Münster einen Stammtisch für Fans gegründet – die „Cantina Base 7-17“. Etwa 30 Teilnehmer kommen zu den monat­lichen Treffen. „Bei uns darf jeder mit­machen“, sagt Britta Lube. Und bei den Treffen geht es längst nicht nur um ­Droiden, Macht und Jedis. Manchmal aber eben auch: Zusammen mit anderen Fan-Gruppen sind Müller und Lube auch oft in Kostümen unterwegs – und das längst nicht nur auf Conventions.

„Galaktischer Tag“ im Allwetterzoo

Kurz vor der Gründung der „Cantina Base“ im Juli 2017 hatten Lube und Müller ihren ersten Auftritt im Kostüm im Duisburger Zoo. „Man lernt ganz schnell ganz viele nette Leute kennen“, erzählt Britta Lube von den Auftritten. Sie verkleidet sich unter anderem als Jawa – eine menschenähnliche Spezies, die auf dem Planeten Tatooine lebt. Auf den ersten Auftritt folgten zahlreiche weitere. Unter anderem haben die beiden den „Galaktischen Tag“ im münsterischen Allwetterzoo ins Leben gerufen, der 2020 zum dritten Mal stattfinden soll. Damit im Zoo mehr als 100 Fans in Kostümen auf­treten, hat Stephan Müller viele Fangruppen mobilisiert.

Aber die beiden treten nicht nur für den Spaß auf, sondern auch für den guten Zweck. Sie werden für keinen der Auftritte bezahlt, erzählt Müller, oft sammeln sie Spenden für gemeinnützige Organisationen. Um einem kleinen Jungen einen großen Wunsch zu erfüllen, ist Müller sogar schon als Darth Vader inder Kinder-Krebsstation des UKM aufgetaucht.„Es ist so schön, wenn man Kindern damit eine Freude machen kann“, sagt Britta Lube.

Stephan Müller und Britta Lube verkleiden sich gerne als Charaktere aus den "Star Wars"-Filmen. Foto: privat

Die beiden haben gleich mehrere Kostüme. Vieles wird dafür selbst gebastelt, genäht und gebaut. Das Lieblings­kostüm von Stephan Müller ist aber seit jeher der Darth Vader. „Es ist ein cooles Kostüm, aber auf Dauer kann es auch echt nerven“, sagt er. Es wiege 15 Kilogramm und gebe wegen eines Unteranzugs aus Kunstleder wenig Bewegungs­freiheit. Aber der 41-Jährige sagt: „Wenn ich damit ein Kind glücklich mache, ziehe ich das Kostüm immer wieder gerne an.“

Kultstatus seit 1977: "Star Wars" ist in Bewegung

Wohin man im Kino auch schaut: überall Sequels, Prequels und Spin-offs. Doch von all den Erzähluniversen, die unsere Multiplex-Säle derzeit im Klammergriff halten, ist „Star Wars“ noch immer das größte. Nimmt man das ganze sogenannte Franchise zusammen –  also all die Filme, Serien, Bücher, Freizeitpark-Attraktionen, Spielzeugfiguren und was es um diese epischen Weltraumopern herum sonst noch so gibt – dann kommt man auf einen Gesamtwert von 68 Milliarden Dollar. Das haben die US-Branchenblätter im vergangenen Jahr ausgerechnet. Das „Marvel Cinematic Universe“ kommt da noch lange nicht heran. Von Harry Potter, den Tolkien-Filmen oder 007 ganz zu schweigen.

Dabei kam die Popularität von „Star Wars“ aus dem Nichts. Kein Buch, kein Comic diente als Vorlage. Die kultische Verehrung der Skywalker-Saga wurzelt also ganz allein im ersten Film von 1977, den George Lucas mit gerade mal 32 Jahren selbst schrieb und inszenierte. Und das nur, weil er die Rechte für einen Film über den ­Comic-Helden Flash Gordon nicht erhielt. Lucas verzichtete nach dem Dreh auf einen Großteil seiner Gage und tat stattdessen den Glücksgriff seines Lebens: Er sicherte sich die Merchandisingrechte. Die Kasse klingelt bis heute.

Das Imperium "Lucasfilm"

Als George Lucas 1971 seine eigene Produktionsfirma gründete, war dem 26-jährigen Jungregisseur sicher noch nicht klar, was daraus mal erwachsen würde: Unter dem Dach von Lucasfilm entstanden später die Reihen „Star Wars“ und „Indiana Jones“, die bis heute einflussreiche Trickschmiede Industrial Light & Magic sowie die stilbildende Computerspielfirma LucasArts („Monkey Island“). 2012 kam die große Übernahme: Lucas ging offiziell in Rente und verkaufte sein Imperium an Disney – für etwa vier Milliarden Dollar. Bis 2017 schluckte der Mäusekonzern außerdem Pixar, Marvel und die 20th Century Fox – womit er nun die Rechte an so ziemlich jeder erfolgbringenden Blockbustermarke der Jetztzeit hält, von „Avatar“ über „Iron Man“ bis „Toy Story“ und „X-Men“. Und mit dem Streamingdienst Disney+ ist der Grundstein gelegt, diese Inhalte in Zukunft exklusiv anbieten zu können. Mal abwarten, was das fürs Kino bedeutet. (gpa)

Die Filme schlugen voll ein, vor allem wohl, weil sie das Nischengenre Science-Fiction in den Mainstream hievten, indem sie es als Abenteuermärchen aufbereiteten. Formal klappte das gut, weil die Zukunft dieser Erzählwelt, die ja eigentlich Geschichte ist („Es war einmal“ heißt’s im Vorspann), zumindest in der Original­Trilogie eine abgenutzte, räudige ist, die sich trotz Raumschiffen, Todesstern und seltsamen Wesen ästhetisch kaum von unserer eigenen Welt unterschied und in der man sich fast heimisch fühlt.

Foto: Lucasfilm Ltd.

Inhaltlich funktionierte es auch, da „Star Wars“ alle möglichen Erzählschablonen (Sci-Fi, Ritter- und Abenteuerfilm, Western, Heldenreise) kombinierte, Anspielungen auf den christlichen Erlösungsgedanken mit Parallelen zur römischen Geschichte verquickte und durchaus ernsthaft den Gegensatz zwischen Demokratie und faschistischer Diktatur verhandelte, ohne dabei je das Märchenhafte zu verlieren.

Epische Filmmusik - John Williams

John Williams bereitet den „Star Wars“-Fans auch Jahrzehnte nach dem Erscheinen der Original-Trilogie noch Gänsehaut. Der US-amerikanische Komponist hat den epischen Soundtrack für die Filmreihe geschrieben. Williams, inzwischen 87 Jahre alt, ist für die Filmmusik aller Episoden verantwortlich. Die Musiken zu „Rogue One“ und „Solo“ hat er nicht komponiert, sie verwenden aber von Williams komponierte Themen. Für seine Arbeit wurde der 87-Jährige bereits mit fünf Oscars ausgezeichnet – auch für „Star Wars“. Insgesamt wurde er 51 Mal für den Oscar nominiert. Williams schrieb unter anderem auch die Musik für die ersten drei Filme der „Harry Potter“-Reihe.  (anf)

Ab den späten Neunzigern stellte Lucas seine Fans dann auf die Probe, mit ewiger Herumdoktorei an den alten Filmen und einer Prequel-Trilogie, die in ihrer gülden glänzenden Optik nicht allen gefiel. Der ­Erfolg blieb bestehen. In den ganz neuen Filmen versucht Disney nun, die Zielgruppen zu verbreitern, mit mehr Humor und Diversity in der Besetzung – was den mittlerweile üblichen Groll alternder Fans provoziert, die am liebsten alles so vorgesetzt bekommen wollen, wie es früher mal war. Doch „Star Wars“ ist eben in Bewegung und wird das auch bleiben: Gleich zwei weitere Trilogien (und Serien) sind in Planung. (von Gian-Philip Andreas)

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