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Heiraten in der Pandemie

Trauzimmer bleiben oft leer

Ahlen

Hochzeit ohne große Feier? Das können sich viele Heiratswillige nicht vorstellen und verschieben ihre Trauungen lieber.

Martin Feldhaus

2019 war noch Hochzeits-Rekordjahr in Ahlen. Im vergangenen und in diesem Jahr werden die meisten Trauungen dagegen abgesagt und verschoben, teils sogar mehrere Jahre in die Zukunft. Foto: dpa

Eine Hochzeit mitten in der Pandemie – das gleicht für viele Ahlener einem unmöglichen Balanceakt zwischen dem großen Glück und purer Enttäuschung. Sind Gäste bei meiner Hochzeitsfeier erlaubt? Und was kann man bei erneuten Verschärfungen überhaupt noch machen? Fragen, die sich heiratswillige Paare stellen und oft nur eine Option sehen: Die Absage. Sie verschieben ihre Hochzeit lieber, teils sogar um mehrere Jahre. In der Hoffnung, dann wieder mit vielen Freunden und Bekannten feiern und anstoßen zu können.

War 2019 in Ahlen noch ein Hochzeits-Rekordjahr, blieben die sechs Trauzimmer des Standesamtes seit Beginn der Pandemie weitgehend leer. Eine Entwicklung, die sich im Jahr 2021 noch verstärkte. „Es finden zwar Trauungen statt, aber noch weniger als im letzten Jahr“, schildert Standesamtsleiter Ralf Feldmann. Seit dem Herbst 2020 seien es nur noch sehr wenige Paare, die sich das Jawort geben. Oftmals erhielte er kurzfristige Absagen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Nur insgesamt zehn Personen und das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sind für viele Heiratswillige kein adäquater Rahmen. Zumal auch der traditionelle Umtrunk in größerer Runde und ein Restaurantbesuch ausfallen müssen.

Zahlreiche kurzfristige Absagen

Diese Corona-Beschränkungen führen dazu, dass Verlobte ihre Hochzeitspläne aufschieben. Das gilt nicht nur für die standesamtliche Trauung. Auch die Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus hat einen starken Rückgang der Trauungen ausgemacht. „Normalerweise habe ich 40 Hochzeiten pro Jahr“, erinnert sich Pfarrer Willi Stroband an die Zeit vor der Corona-Pandemie. Die standen zwar für das Jahr 2021 auch auf Strobands Agenda, nur sind davon bis jetzt nicht viele Trauungen übrig geblieben. „Bis einschließlich Mai sind alle Hochzeiten bereits abgesagt“, betont Stroband im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Paare warteten lange und zögen dann relativ kurzfristig die Bremse.

Der Grund dafür? „Die nicht mögliche Feier“, berichtet Stroband von seinen Gesprächen mit den Paaren. Da mag dann auch nicht als Trostpflaster dienen, dass bei der Zeremonie in der Kirche selbst die Regeln für Gottesdienste gelten. So könnten in der Marienkirche immerhin bis zu 120 Gäste mit dabei sein. In der äußerst beliebten, aber engen Kapelle Borbein sind hingegen derzeit gar keine Trauungen möglich.

Verschoben ins Jahr 2024

Die nächste Hochzeit, welche noch nicht abgesagt ist, steht für ihn am 12. Juni an. „Die hoffen noch“, so Stroband. Andere hingegen haben die Hoffnung auf eine kirchliche Trauung mit anschließender großer Feier längst aufgegeben. „Ich traue dem gar nicht mehr“: Diesen Satz hört Stroband derzeit oft. Verbunden hiermit sind dann Verschiebungen der Hochzeiten bis teilweise sogar ins Jahr 2024, für das Strobands Plan bereits Hochzeiten vorsieht. Für ein Paar aus Beckum, das seine Hochzeit schon zum zweiten Mal verschieben musste, gab es aber immerhin schon einen „kleinen Vorschuss“, als Stroband die Trauringe segnete.

Ähnlich ernüchternd fällt der Befund auch bei der Evangelischen Kirchengemeinde Ahlen aus. „Ein paar Hochzeiten stehen bei uns schon noch im Kalender“, blickt Pfarrer Markus Möhl auf die kommenden Wochen und Monate. Doch ob die tatsächlich stattfinden? Mehr als unklar. Erst jüngst verschob ein Paar die für Mai geplante Hochzeit auf Oktober. Geleitet vom Prinzip Hoffnung. Neue Hochzeiten kommen bei den Protestanten derzeit so gut wie keine hinzu. „Im Moment meldet sich niemand an“, sagt Markus Möhl. Zu groß sei wohl die Unsicherheit bei den Heiratswilligen. Eine Unsicherheit, die erst dann enden dürfte, wenn die Infektionszahlen sinken und größere Feiern wieder erlaubt sind. Dann könnten die Hochzeitsglocken in den Kirchen wieder häufiger läuten.

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