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So beherrscht Corona den Advent: Welche Regeln wo gelten

Münsterland

Die neue Coronaschutzverordnung beeinflusst die unterschiedlichsten Bereiche des gesellschaftlichen Lebens massiv. Ein Überblick. 

Von WN

Die Corona-Schutzverordnung hat auf die verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens Einfluss. Foto: dpa

Weihnachtsmärkte:

Rund 90 adventliche Märkte fanden 2019 in der Region statt. Zwei Jahre später stehen aktuell noch an die 30 Weihnachtsmärkte in den Startlöchern oder haben wie in Münster und Osnabrück begonnen. Und es könnten noch weniger werden. Für eine Handvoll Veranstaltungen wie die in Altenberge und Drensteinfurt, Havixbeck, Telgte und Everswinkel kam während der vergangenen Tage das Aus – meist dort, wo die Kommunen selbst oder Gewerbevereine als Veranstalter auftraten. Gestern zogen Burgsteinfurt, Greven, Warendorf und Gronau nach. Nicht nur wegen der neuen Corona-Schutzverordnung: Vielerorts waren die Beschicker den Veranstaltern zuvorgekommen und hatten schon aus eigenem Antrieb ihre Teilnahme abgesagt. Dagegen betonen gerade private Veranstalter wie die des Velener Waldweihnachtsmarktes sowie der Märkte auf Hof Schulze Beikel in Borken-Marbeck und auf Gut Erpenbeck in Lengerich, dass ihre Veranstaltungen mit 2G-Kontrollen am Einlass stattfinden werden. Sie öffnen alle vier Adventswochenenden.

Gastronomie:

Renate Dölling ist Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Münsterland (Dehoga). Nach ihren Worten sind viele ihrer Kolleginnen und Kollegen genervt, weil sie nicht das sein können, was sie sein möchten. „Wir sind Gastgeber und keine Kontrolleure,“ sagt sie. Ungeimpfte haben in NRW keinen Zutritt zu Gastronomie und Hotels mehr. Vor drei Wochen, als die vierte Welle noch so weit entfernt schien, hätten sich die Gastronomen noch auf Weihnachtsfeiern und volle Bücher gefreut. Seit einer Woche seien die Gäste verunsichert und stornieren. Sie sagt: „Uns ärgert, dass das Gastgewerbe ausbaden muss, was es nicht verantworten muss.“

Sport:

Schwer gebeutelt waren im vergangenen Jahr die Amateur- und Breitensportler. Noch sind sie allerdings guter Hoffnung, dass ihnen kein erneuter Saison-Abbruch und auch keine Unterbrechung droht. Tenor im Grunde aller Vereine – egal, ob Volleyball, Tischtennis oder Handball – ist, dass ein Einhalten der Hygienevorgaben die Wahrscheinlichkeit erhöht, weiterspielen zu dürfen. Wobei zum Beispiel der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen am Mittwoch die A- und B-Jugend-Kicker frühzeitig in die Pause geschickt hat. Die Winterrunde des jüngsten Nachwuchses war schon vor Wochen gestrichen worden. Die meisten Hallenturniere finden ebenfalls nicht statt. Die neuen 2G-Regeln begrüßen die Verantwortlichen in den Clubs ausdrücklich. Den Ausfall eines ungeimpften Mitspielers vermelden nur die wenigsten Teams.

Kultur:

In den 18 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe gilt längst die „2G“-Regel. Ausnahmen gibt es für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Es herrscht Maskenpflicht. In den Kinos gilt jetzt ebenfalls „2G“, wie die Münsterschen Filmtheater-Betriebe mitteilen. Jugendliche unter 16 Jahren fallen allerdings unter die 3G-Regel. Die Kinos in Münster besetzen die Säle zu etwa 60 Prozent. Das Theater Münster empfängt seine Gäste ebenfalls mit der 2G-Regel. Die Platzauslastung beträgt wie bisher etwa zwei Drittel. Am Sitzplatz darf die Maske abgenommen werden. Mittlerweile gibt es unter privaten Kultur-Veranstaltern schon erste Konzertabsagen, zumal sich die Corona-Lage noch zu verschärften droht.

Kirchen:

Weiterhin sind sich die NRW-Bischöfe und Generalvikare einig darin, dass die 2G- oder 3G-Regel nicht grundsätzlich für die Gottesdienste eingeführt werden soll, damit der Gottesdienstbesuch allen möglich ist. Hier geht es um das Recht der freien Religionsausübung. In den Gemeinden und Einrichtungen können zu Weihnachten und Neujahr Gottesdienste mit der 2G- oder 3G-Regel durchgeführt werden. Es soll aber auch ein Angebot an Gottesdiensten vorgehalten werden, das nicht der 2G- oder 3G-Regel unterliegt.

Auch die Evangelische Kirche von Westfalen bleibt flexibel: „Gottesdienste sollen weiter für alle Menschen zugänglich bleiben. Nach den überwiegend positiven Erfahrungen mit der 3G-Regel wird auch weiterhin empfohlen, Gottesdienste mit nachweislich geimpften, genesenen oder getesteten Personen zu feiern und auf dieser Grundlage dazu einzuladen.“ Abstände sollen eingehalten werden. Außerdem werden Masken beim Singen und Bewegen vorgeschrieben. Mit Blick auf die Weihnachtsfeiertage wird empfohlen, Alternativangebote wie Gottesdienste oder Krippenwege an der frischen Luft anzubieten. Die klare Botschaft: Gottesdienste sollen möglichst stattfinden und nicht, wie im ersten Corona-Krisenwinter, abgesagt werden.

Kinder- und Zahnarzt sowie Heilpraktiker:

Ein Passus im bundesweit gültigen Infektionsschutzgesetz hat viele verunsichert. Müssen Begleitpersonen von Kindern beim Arztbesuch einen aktuellen Test vorweisen? „Wenn 80 Patienten am Tag kommen, hat eine Praxis gar nicht Kapazität, alle zu testen“, sagt eine Sprecherin der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe am Mittwoch. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte zeigte sich fassungslos über die „medizinisch unsinnige Neuregelung“, die zur Schließung vieler Praxen führen könne.

Aktualisierung: Nach Empörung bei Kinderärzten zu neuen Testpflichten stellte das NRW-Gesundheitsministerium klar: Begleitende Eltern brauchen keinen Test.

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