Vorschläge für ein besseres Bus- und Bahnangebot

„Nicht nur auf die WLE warten“

Kreis Warendorf

Über den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs wird zwar geredet, aber es passiert zu wenig. Das ist die Meinung von Thomas Lins aus Freckenhorst. Der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Regionalverband Münsterland, hat Verbesserungsvorschläge an den Landrat und die Fraktionen im Kreistag geschickt.

Beate Kopmann

Foto: Thomas Lins (u.l), Burkhard Beyer (r.), Archiv (o.l.)

Das Auto dürfe nicht verteufelt, Münsters Innenstadt nicht abgeriegelt werden. Dafür machte sich Landrat Dr. Olaf Gericke vergangenes Jahr im Kommunalwahlkampf stark. Einer, der die Diskussion kritisch verfolgte, ist Thomas Lins aus Freckenhorst, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Regionalverband Münsterland.

Denn dass Autos möglichst bis vor die Geschäfte von Münsters Innenstadt fahren können, interpretiert Lins als „eine Politik aus den 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, als Politiker und Verkehrsplaner die autogerechte Stadt planten“.

Fokus auf WLE-Reaktivierung

Aus Sicht von Lins wird über den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs zwar geredet – etwa im Zusammenhang mit dem Kreisentwicklungsprogramm. „Das hat aber oft Alibi-Funktion. Passiert ist viel zu wenig.“ Der Kreis Warendorf setze vor allem auf die Reaktivierung der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) – von Sendenhorst bis Münster. Abgesehen von diesem Projekt, das frühestens in vier, fünf Jahren umgesetzt sei, verändere sich kaum etwas.

Doch schon jetzt könnten viele Angebote für Bus und Bahn deutlich besser sein, so Lins, der seine Vorschläge an Landrat Dr. Olaf Gericke und die Fraktionen im Kreistag geschickt hat. „Der VCD hat in den vergangenen Jahren etliche Vorschläge gemacht, wie der Bus- und Bahnverkehr zwischen dem Kreis Warendorf und der Stadt Münster attraktiver werden kann“, so Lins. Umgesetzt sei davon leider kaum etwas.

„Wir können aber nicht nur auf die WLE warten.“ Weil verkehrspolitisch wenig kreativ gearbeitet werde, entstehe der Eindruck, dass der Kreis an leicht umzusetzenden Verkehrsverbesserungen außerhalb der WLE-Thematik nicht interessiert ist. Lins listet die Anregungen des VCD Regionalverband Münster auf:

Leicht umzusetzende Verbesserungsvorschläge

  • Verlängerung der Schnellbuslinie S20 auch montags bis freitags bis zum Bahnhof Warendorf: Der Schnellbus ende jetzt am Hallenbad, erläutert Lins. Er sollte aber bis zum Bahnhof fahren, um den Fahrgästen so einen Umstieg zu ersparen. „Dass Bus und Bahn keine gemeinsame Endstation haben, ist eine Entscheidung, die noch aus einer Zeit stammt, in der Bus und Bahn als Konkurrenz betrachtet wurden.“
  • Taktverdichtung der Schnellbuslinie S30 Beckum/Münster: „Der Bus sollte nicht stündlich fahren, wie es aktuell der Fall ist, sondern jede halbe Stunde.“
  • Verlängerung der Schnellbuslinie S30 über den Hauptbahnhof Münster hinaus. Optionen sind: Bis zur Altstadt Nord (Wendeschleife Hörsterplatz) eventuell weiter bis zum Zentrum Nord (mit 6000 Arbeitsplätzen). Oder über Bült bis zum Schlossplatz.
  • Einführung eines Klima-Abos (Pendler-Jahresticket) zum stark ermäßigten Preis: „Etwas Vergleichbares ist die RegioKarte in der Stadtregion Freiburg/Breisgau. Das Gebiet ist ähnlich strukturiert wie das Münsterland.“
  • Erweiterung der Preisstufe 0 (Stadtgebiet Münster) auf den ersten Kommunenring mit Telgte, Everswinkel, Sendenhorst, Drensteinfurt im Kreis Warendorf: „Schließlich gibt es nicht nur Pendler, die von Handorf oder Wolbeck nach Münster fahren. Auch viele Telgter oder Drensteinfurter arbeiten in Münster.“

Dass zusätzliche Angebote Geld kosten, ist Lins bewusst. Daran dürfe die Verkehrsverbesserung aber nicht scheitern. Zumal es Fördermittel des Landes gebe – etwa für die Entwicklung des Schnellbus-Angebots.

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