Lockerungen

Modellversuch im Kreis Coesfeld noch ohne Außengastronomie

Kreis Coesfeld

(Aktualisiert) Im Kreis Coesfeld tritt am 1. Mai eine Allgemeinverfügung in Kraft, die 18 Ausnahmen von den geltenden Corona-Regeln beschreibt. Für den Modellversuch wurden aber auch Abbruchkriterien definiert. Die Außengastronomie bleibt weiter geschlossen.

WN

Modellversuch ohne Außengastronomie: Im Kreis Coesfeld wurden 18 Lockerungsprojekte benannt. Gastronomen müssen sich weiter gedulden. Foto: dpa (Symbolbild)

Der Kreis Coesfeld hat am Donnerstag die rechtliche Grundlage für die anstehenden Modellregion-Öffnungen bekannt gemacht (Amtsblatt als pdf). Dezidiert geht die Verfügung des Kreises auf die lokal begrenzten, wenigen Projekte ein, die in etlichen Kommunen im Kreis Coesfeld in den Bereichen Kultur und Sport erprobt werden sollen.

Erlaubt werden sollen:

  • Proben und Aufführungen auf der Freilichtbühne Coesfeld ab 10. Mai
  • Probebetrieb auf der Freilichtbühne Billerbeck ab 17. Mai sowie zwei Kulturveranstaltungen in der Woche davor
  • Torhauskonzert Rosendahl am 30. Mai
  • Veranstaltungen in „Unser Leohaus“ in Olfen ab 10. Mai
  • Eröffnung einer Ausstellung in Dülmen
  • Durchführung von Kulturveranstaltungen in Senden ab Ende Mai
  • Drei Konzerte sowie eine museumspädagogische Veranstaltung für Kinder in der Burg Vischering in Lüdinghausen ab dem 1. Mai
  • Verleihung des Heimatpreises, eine Lyrikvorstellung und eine Lesung mit Jazzkonzert und Picknick unter freiem Himmel in bzw. an der Kolvenburg in Billerbeck
  • Schwimmkurse im Hallenbad Herbern in kleinen Gruppen bis maximal fünf Personen zuzüglich Übungsleiter ab dem 1. Mai
  • Öffnung des Freibads Billerbeck ab der 18. Kalenderwoche (3. Mai)
  • Öffnung des Freibads Coesfeld ab der 19. Kalenderwoche (10. Mai)
  • Öffnung des Klutenseebads Lüdinghausen ab der 19. Kalenderwoche (10. Mai) 
  • Training von Fußballmannschaften und Tennis unter freiem Himmel in der Stadt Billerbeck durch den Sportverein DJK VfL Billerbeck bzw. TC Billerbeck am Sportpark mit maximal 20 Teilnehmenden zuzüglich bis zu zwei Ausbildungs- oder Aufsichtspersonen
  • Ermöglichung des Trainingsbetriebs unter freiem Himmel in den Sportarten Fußball, Leichtathletik, Tennis und Beachvolleyball im Sportpark Senden mit maximal 20 Teilnehmenden zuzüglich bis zu zwei Ausbildungs- oder Aufsichtspersonen ab der 18. Kalenderwoche (3. Mai)
  • Öffnung des Fitnessstudios „Der Sportklub“ in Havixbeck
  • Unterricht und Kurse im Bereich des Pferdesports unter freiem Himmel in der Stadt Dülmen ab der 18. Kalenderwoche (3. Mai)
  • Reitsport für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene in Kleingruppen von fünf bis sechs Personen durch den Reitverein Ascheber
  • Öffnung der Einrichtung der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit „JuNO“ in Form von Veranstaltungen wie „offenen Jugendtreffs, Jugendcafè“ in der Gemeinde Nordkirchen ab der 19. Kalenderwoche (10. Mai)

Entscheidungen über Öffnungen fallen vor Ort

Nach den Rahmenbedingungen des Landes dürfen die Projekte bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 starten (Donnerstag: 85,2). In einer aktuell durchgeführten Bürgermeisterrunde wurde festgelegt, dass die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vor Ort entscheiden, ob sie von der Möglichkeit der Öffnung Gebrauch machen. So könne vor allem den lokalen Besonderheiten Rechnung getragen werden.

Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr

In der kommenden Woche sollen laut einer Mitteilung des Kreises Coesfeld die Vorhaben in Ascheberg, Billerbeck, Havixbeck sowie der Probenbetrieb der Freilichtbühne Coesfeld und der Reitsport in Dülmen beginnen.

Ob etwa das von der Gemeinde Senden angemeldete Projekt (Sport im Sportpark Senden) beginne, werde noch im Laufe der Woche entschieden. Auch die Stadt Lüdinghausen verfolge die Lageentwicklung weiter und werde in der nächsten Woche entscheiden, ob das Klutenseebad ab der 19. Kalenderwoche geöffnet wird.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Digitale Anmeldeverfahren und Abbruchkriterien

Um die Angebote in Anspruch zu nehmen, braucht man einen negativen Corona-Test. Zudem muss man sich digital registrieren bzw. einen Termin buchen. „Ziel ist eine zügige, möglichst medienbruchfreie Kontaktnachverfolgung, sollte es zu einer Infektion kommen“, erläuterte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr.

Der Kreis Coesfeld hat zudem die Abbruchkriterien für das Modellprojekt festgelegt. Liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Kreis an mehr als drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100, werden die Öffnungen zurückgenommen. Es sei denn, die Überschreitung der Notbremsen-Marke kann einer Infektionsquelle zugeordnet werden, die nicht aus dem Modellprojekt resultiert oder der Kreis kann dem Gesundheitsministerium auf andere Weise plausibel darlegen, dass die Überschreitung nicht auf die Öffnungen zurückzuführen ist.

Sorglos werde man mit den Lockerungen aber nicht umgehen, beteuert Schulze Pellengahr: „Es bleibt dabei: das Infektionsgeschehen und dessen Beherrschung bleiben oberste Prioritäten. Daher kann das Gesundheitsamt jederzeit eine Unterbrechung verlangen.“ Das könnte laut Allgemeinverfügung etwa dann geschehen, wenn die Krankenhäuser zu sehr ausgelastet sind oder das Gesundheitsamt beim Nachverfolgen der Infektionsketten nicht mehr hinterherkommt. Auch das Landesgesundheitsministerium hat die Möglichkeit, den Modellversuch zu beenden.

Zahlreiche Kommunen hatten sich beim Land beworben, um bei den Modellprojekten mitzumachen. 14 wurden ausgesucht. Doch durch das hohe Infektionsgeschehen verzögert sich der Start fast überall.

Gastronomie muss noch warten

Neben den Bereichen Kultur und Sport ist der dritte Themenkomplex die Außengastronomie. In den Beratungen des Kreises mit den Städten und Gemeinden wurde Letzteres ebenfalls intensiv diskutiert. „Wir wissen, dass sich viele Menschen nach weiteren Öffnungen, auch im Bereich der Gastronomie sehnen und auch die Gastronomen eine klare Perspektive benötigen. Wir haben uns dennoch gemeinsam dazu entschieden diesen Bereich noch nicht zu öffnen“, erklären nun der Landrat und Bürgermeistersprecher Wilhelm Sendermann (Olfen).

Das derzeitige Infektionsgeschehen und die rechtlichen Rahmenbedingungen würden eine schnelle Lockerung in diesem Bereich erschweren. Die schrittweise Öffnung der Außengastronomie bleibe aber weiter im Fokus des Kreises Coesfeld und der Städte und Gemeinden. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Rahmenbedingungen, unter denen eine Öffnung einiger Außengastronomiebereiche möglich ist, müssen aber noch mit weiteren Akteuren abgestimmt werden“, sind sich Schulze Pellengahr und Sendermann einig.

In einer Mitteilung von Freitag ergänzt der Kreis, dass in einer Arbeitsgruppe derzeit die Bedingungen abgesteckt würden. „Es besteht die Hoffnung, dass erste kleinteilige Schritte der Öffnung der Außengastronomie in den nächsten Wochen gegangen werden können“. Dabei sollen auch schon erste praktische Erkenntnisse aus den übrigen Modellprojekten mit in die Überlegungen zur Gastronomieöffnung einfließen.

Aufruf: Private Kontakte vermeiden

Im Zuge der Lockerungen rufen Landrat  Schulze Pellengahr und die elf Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Kreises Coesfeld dazu auf, sich noch intensiver an die Hygienemaßnahmen zu halten. „Wir müssen leider feststellen, dass viele Infektionen in den Familien geschehen. Nach so langer Zeit ist es verständlich, dass Menschen wieder mehr unternehmen wollen und wegen der zahlreichen Schließungen sich daheim treffen. Wir bitten aber dringend: machen Sie weiter intensiv mit bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen und vermeiden Sie wo es möglich ist zusätzliche private Kontakte, vor allem in geschlossenen Räumen“, appelliert der Landrat.

Gerade die in den Startlöchern befindlichen Projekte in den Bereichen Sport und Kultur böten eine Chance, ein wenig Normalität zu gewinnen. „Wie lange und wie erfolgreich dieses Modell ist, hängt aber von jedem und jeder einzelnen ab“, ergänzt Sendermann.

Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann

In dem Modell gehe es genau darum herauszufinden, was für Auswirkungen kontrollierte Öffnungen mit engen Hygiene-Vorgaben auf die Pandemieentwicklung haben. „Jeder steht in der Pflicht, sich und andere nicht in Gefahr zu bringen und uns als Bürgerschaft insgesamt die Möglichkeit zu geben, eine erfolgreiche Modellregion zu werden“, so Sendermann. „Wir können zwar zunächst nur mit wirklich wenigen, eng begrenzten Einzelmaßnahmen beginnen. Aber auch und gerade hier können wir als ‚Kreis‘ unter Beweis stellen, dass wir verantwortungsvoll mit der gebotenen Chance umgehen“, ergänzt der Landrat.

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