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Wegfall von Lehrern aus Risikogruppen

Massiver Unterrichtsausfall in NRW auch nach den Ferien befürchtet

Münster

Es zeichnet sich ab, dass auch nach den Sommerferien 15 Prozent aller Lehrkräfte nach ärztlicher Begutachtung keinen Präsenzunterricht erteilen würden. Deshalb werden jetzt an den Schulen in NRW 20.000 weitere Lehrer-Stellen gefordert.

Claudia Kramer-Santel

In Nordrhein-Westfalen könnte die Zahl der verfügbaren Lehrerinnen und Lehrer nach den Sommerferien deutlich sinken. Grund: Viele gehören zur Risikogruppe. Foto: Caroline Seidel/dpa

Läuft das Land in ein Schuljahr, das von Lehrermangel geprägt wird? Die Lehrer jedenfalls schlagen Alarm und befürchtet massiven Unterrichtsausfall: Der Nordrhein-Westfälische Lehrerverband (NRWL) fordert 20.000 Neueinstellungen ab sofort an den Schulen in Nordrhein-Westfalen. Sein Anliegen: Wegen der Corona-Krise werden dort auch nach den Sommerferien 15 Prozent der Lehrkräfte fehlen.

Der Grund: Schon in der Corona-Krise fehlten im Unterricht in NRW rund 20 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer, weil sie zu Corona-Risikogruppen gehören, also beispielsweise älter waren oder vorerkrankt. Seit dem 3. Juni werden diese Lehrkräfte nicht länger grundsätzlich vom Präsenzunterricht ausgenommen. Es zeichnet sich laut NRWL aber ab, dass auch nach den Sommerferien 15 Prozent aller Lehrkräfte – nach ärztlicher Begutachtung – keinen Präsenzunterricht an den Schulen erteilen werden.

„Damit ist Unterrichtsausfall programmiert. Das darf nicht sein“, warnt NRWL-Präsident Andreas Bartsch. Seine Forderung: „Nur mit 20 000 neuen Stellen wird der Normalbetrieb ab Mitte August gelingen. Wir brauchen dringend neue Lehrerinnen und Lehrer. Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung ist zwar breit aufgestellt, es ist allerdings sehr enttäuschend, dass Bildung dort fast nicht vorkommt“, kritisiert Bartsch.

Krise offenbarte Mängel im Schulsystem

Die Corona-Krise habe die Schwächen des Bildungs­systems ohnehin unmissverständlich offengelegt: Die mangelhafte digitale Ausstattung der Schulen in NRW sei für alle offensichtlich geworden. „Ohne neue Stellen wird es nach den Sommerferien erheblichen Unterrichtsausfall in NRW geben –und zwar zusätzlich zum sowieso bestehenden Lehrkräftemangel an vielen Schulen. Das darf nicht passieren, unsere Schülerinnen und Schüler dürfen nicht noch mehr Lernstoff versäumen“, so Bartsch. Nordrhein-Westfalen müsse hier gegensteuern.

Sein Vorschlag: „In den nächsten Wochen könnte das Land NRW problemlos Einstellungen über ein zen­trales Bewerbungsverfahren organisieren. Wir brauchen jetzt den politischen Willen, schnell und unbürokratisch Bildung zu sichern. Der Bedarf an Neueinstellungen ist riesig groß“, so der NRWL-Präsident.

Höhere Ausgaben für Bildung

Auch in ihrem Sondergutachtendes Sachverständigenrates zur Corona-Pandemie haben die Wirtschaftsweisen höhere Ausgaben für Bildung empfohlen, weil diese nicht nur kurzfristig, sondern nachhaltig eine positive Wirkung entfalten würden. „Die Baustellen an den Schulen sind offensichtlich: Neben dem Lehrkräftemangel sind das Digitalisierungsstau und marode Schulgebäude. Der NRWL fordert darum ein Konjunkturprogramm für Schulen. „Es gibt viel zu tun“, betont Andreas Bartsch.

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