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Bauernkönige Alfred Graf von Looz und Theo Moddick blicken zurück und in die Zukunft

„Wird Zeit, dass es wieder losgeht“

Drensteinfurt

Ihr Platz wäre heute normalerweise das Festzelt im Schlosspark. Doch auch im „Corona-Jahr Nummer zwei“ ist an Schützenfest noch nicht zu denken. Im Gespräch blicken die ehemaligen Bauernkönige Theo Moddick und Alfred Graf von Looz zurück und in die Zukunft.

Dietmar Jeschke

Wären heute lieber im Festzelt als auf ihren Höfen: Die beiden „Urgesteine“ und Ex-Majestäten der Bauernschützen, Theo Moddick (l.) und Alfred Graf von Looz. Foto: Dietmar Jeschke

Es ist ein Wochenende, das dick im Kalender markiert ist. Und das seit frühester Jugend. Denn so lange sind Theo Moddick und Alfred Graf von Looz buchstäblich „bei der Stange“, wenn es gilt, einen neuen Regenten der Bauernschützen zu finden. Doch seit 2020 ist bekanntlich alles anders. Geschossen wird coronabedingt nicht. Und auch nicht gefeiert. Wobei die beiden „Urgesteine“ des Bauernschützenvereins „St. Michael“ die Hoffnung noch nicht so ganz aufgegeben haben, dass irgendetwas in den nächsten Monaten doch noch möglich sein wird. „Es wird ja auch Zeit, dass es wieder losgeht“, sagt Alfred Graf von Looz. Aus gutem Grund, hat er doch in diesem Jahr eigentlich ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern. Exakt 25 Jahre ist es nämlich her, dass er dem hölzernen Federvieh nach zähem Ringen den Garaus gemacht und zum König der Bauernschützen gekürt wurde.

Das aber nicht unbedingt geplant, erzählt von Looz. Zwar hatte der Kampf um die Königswürde recht zügig begonnen. Doch nachdem die Insignien verteilt waren, wollte sich niemand mehr so recht trauen, auf den Vogel anzuhalten. Als Vorstandsmitglied war für von Looz dann irgendwann klar: „Jetzt mach ich es.“ Gesagt – getan. Nach kurzer Schießpause ging es gemeinsam mit Bernhard Westhues und Josef Waldmann zum damals noch üblichen Salvenschießen. Und als am Ende nur noch ein kleiner Holzklotz im Kugelfang übrig war, setzte Alfred Graf von Looz zum „Fangschuss“ an. Zu den ersten Gratulanten gehörte Theo Moddick, der nur zu gut wusste, wie sich der erste Moment nach dem Königsschuss anfühlt. Denn elf Jahre zuvor, im Jahr 1985, war er es, der sich zum Regenten gekrönt hatte.

Lange Vereinslaufbahn

Aber nicht nur deshalb wissen die beiden „Altkönige“ so einiges zu erzählen. Denn beiden gemeinsam ist auch eine lange Laufbahn durch die Gremien des Traditionsvereins. „Ich habe alle Posten durchlaufen – von der Fahne bis hin zum Oberst“, blickt Alfred Graf von Looz zurück. Auch Theo Moddick war viele Jahre lang im Vorstand aktiv – bis hin zum Vorsitzenden. Ein Amt, das er 2004 an Heinz-Josef Voß abgegeben hat.

Der Verein selbst, erzählen beide einmütig, hat während ihrer Amtszeiten zahlreiche Höhen, aber auch einige Tiefen durchlebt. Als beide noch in jungen Jahren waren, wurde zunächst auf dem am unmittelbaren Stadtrand gelegenen Hof Weißen in der Bauerschaft Eickendorf gefeiert. „Das war schon eine tolle Atmosphäre“, blickt von Looz heute zurück. 1979 dann wechselten die Bauern nach einigen Diskussionen zum Hof Graute, was in den Anfangsjahren auch zu einem spürbaren Aufschwung bei den Besucherzahlen geführt habe. „Vor allem die Frühschoppen bei Graute waren bombig“, erinnert sich Alfred Graf von Looz noch heute gerne. Dann stellte man jedoch irgendwann fest, dass die Mitglieder beim Fest mitten in der Bauerschaft zwar viel Freude hatten. Die berühmte „Laufkundschaft“ jedoch bleibt zusehends aus.

Dass es auch anders geht, erlebten die Vorstandsmitglieder der Bauern im Jahr 1993, als die Bürgerschützen zum großen Jubiläumsfest anlässlich ihres 400-jährigen Bestehens in den Schlosspark eingeladen hatten. „Das war ein joveles Fest im Zelt“, schildert Alfred Graf von Looz. Die Idee, auch das Bauernschützfest quasi mitten in den Ort zu verlagern, war geboren. Bis sie allerdings umgesetzt wurde, sollte es jedoch noch einige Jahre dauern.

Umzug in den Schlosspark

Erinnern können sich Moddick und von Looz noch gut daran, dass sie zuvor erst im persönlichen Gespräch das Okay der Eigentümerfamilie von Landsberg einholen mussten – bei einigen Glas Bier auf Haus Steinfurt. Der im Jahr 2009 verstorbene Baron Ignaz Wessel Freiherr von Landsberg-Velen habe dem Ansinnen jedoch rasch positiv gegenübergestanden. „Wir sollten es nur nicht zu dolle treiben, sagte er“, lacht Alfred Graf von Looz. Fehlte also nur noch das „grüne Licht“ der Stadt. Doch auch das sollte sich nicht als Hürde erweisen: Der damals noch ehrenamtliche Bürgermeister Albert Leifert war schließlich im Jahr 1968 selbst König der Bauernschützen und konnte den seinerzeitigen Stadtdirektor und späteren hauptamtlichen Bürgermeister Werner Wiewel schnell von der Idee überzeugen.

„Das wir zurück in den Schlosspark gekehrt sind, hat dem Ansehen des Vereins gut getan“, ist Theo Moddick bis heute überzeugt. Nach dem Umzug in den Schlosspark ging es auch mit der Zusammenarbeit der Schützenvereine in der Stadt spürbar voran – auch wenn es nicht zur zwischenzeitlich offen diskutierten „Fusion“ von Bürger- und Bauernschützen kommen sollte. Am Ende beließ man es bei fest vereinbarten Schützenfestbesuchen. Feiern „die Bürger“, so sind seitdem auch „die Bauern“ und die Junggesellenschützen samt Vorstand und Hofstaat dabei. Andersherum ist das natürlich genauso. Eine Institution, die sich überaus bewährt hat, sind Moddick und von Looz überzeugt. Ebenso übrigens wie die normalerweise ein Mal im Jahr stattfindenden gemeinsamen Vorstandsabende aller Schützenvereine in der Stadt.

Zweiter Festball wurde gestrichen

Wie in den übrigen Vereinen, so gab es auch bei den Bauern in den vergangenen Jahren manche Diskussionen über die Festfolge. Vor allem, als der zweite Festballabend am Sonntag mangels Besuchern gestrichen und das Fest mit dem Frühschoppen ausklingen sollte. Ein nach langer Debatte in der damals gut besuchten Hauptversammlung mit großer Mehrheit gefasster Beschluss, mit dem er sich anfangs gar nicht anfreunden konnte, räumt Theo Moddick ein. „Aber Mehrheit ist nun mal Mehrheit“, sagt er. Und am Ende habe es sich dann doch alles so einspielt, dass man mit der Neuregelung, die danach auch die Bürgerschützen getroffen haben, nun bestens leben könne.

Eine ähnlich intensive Debatte, blickt der ehemalige Vorsitzende zurück, hatte es bereits einige Jahrzehnte zuvor gegeben. Denn bis in die 1970er Jahre hinein war das Hofstaatswesen schon recht reglementiert. In die Throngesellschaft durfte nur, wer auch Mitglied des Vereins war. „Ich habe schon damals gesagt: Was für ein Unsinn!“, schildert Theo Moddick. „Denn wenn jemand einen guten Kumpel aus dem Kegelclub hat: Warum sollte der nicht Mitglied im Hofstaat werden dürfen?“ Eine Meinung, mit der er und einige andere Unterstützer sich schließlich durchsetzten. Und auch das mit Erfolg. Denn so mancher „Hofstaatsgast“ hatte nach dem rauschenden Fest eine eigene Mitgliedskarte.

Apropos Mitglieder: Deren Betreuung war bei den Bauernschützen über viele Jahrzehnte hinweg eine recht persönliche Angelegenheit. Denn die Vereinsbeiträge wurden nicht etwa vom Konto abgebucht, sondern von den Vorstandsmitgliedern ein Mal im Jahr persönlich eingesammelt. „Es gab aber einige, die schafften nicht mehr als zwei Schützen pro Abend“, lacht Alfred Graf von Looz mit Blick auf die mitunter doch recht feuchtfröhlichen Runden, die sich bei den spontanen Hofbesuchen ergeben haben.

Für die Zukunft wünschen sich die beiden Ex-Majestäten vor allem, dass die Corona-Pandemie bald vergessen sein und keine negativen Auswirkungen auf das Vereinsleben hinterlassen wird. Denn: „Wir hatten es in den vergangenen Jahren wirklich gut am Laufen“, schildert Alfred Graf von Looz mit Blick auf die vielen jungen Gesichter, die er bei den jüngsten Festen gesehen hat. Und das sei überaus positiv, betont er. „Schließlich lebt der Verein vom Nachwuchs“, weiß der „Oberst a.D.“ aus eigener Erfahrung.

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