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Wirtschaftsförderer und Hanse kümmern sich um die Situation

Leerständen Kampf angesagt

Telgte

Die städtische Wirtschaftsförderung und die Hanse arbeiten beim Thema Leerstände in der Innenstadt Hand in Hand. Es gibt bereits verschiedene Ideen und konkrete Erfolge.

A. Große Hüttmann

Barbara Röttgermann liebt es bereits, im Schaufenster an ihren Stücke zu arbeiten und dass Passanten dabei die Möglichkeit haben, ihr coronakonform über die Schulter zu schauen. Auch Udo Prietz (kl. Bild) ist mit seinem neuen Standort sehr zufrieden. Foto: Andreas Große Hüttmann

Der eine oder andere wird sich möglicherweise verwundert die Augen gerieben haben. Denn nach dem Auszug des Drogeriemarktes Rossmann hatte es am der Steinstraße nach einem längeren Leerstand ausgesehen. Doch statt leerer Schaufensterflächen tut sich in den ehemaligen Ladenlokalen vorübergehend wieder etwas, und damit sind nicht nur die Aktivitäten der Kulturnomaden gemeint.

Mit Goldschmiedemeisterin Barbara Röttgermann und Udo Prietz aus Everswinkel sind gleich zwei neue Mieter eingezogen. Sie wollen die Zeit bis zum Abriss nutzen – an dieser Stelle ist ein Neubau geplant –, um mitten in der Fußgängerzone ihre Waren anzubieten und damit zu testen, ob ein Ladenlokal für sie auf Dauer eine Alternative sein könnte.

Ladenlokal wird übergangsweise genutzt

Denn fundierte Erfahrungen mit einem Standort in der Innenstadt haben beide nicht. Barbara Röttgermann hat ihre Goldschmiedewerkstatt in der Bauerschaft Grafhorst und war zwischenzeitlich auf Märkten vertreten, und Udo Prietz ist generell mit seinen Schmuck- und Holzarbeiten zusammen mit seiner Frau vor der Pandemie von Markt zu Markt gereist.

Beide bezeichnen das Ganze als eine Chance, etwas Neues auszuprobieren. Barbara Röttgermann blickt sogar bereits voraus. „Ich kann mir theoretisch dauerhaft ein kleines Ladenlokal in der Innenstadt vorstellen“, sagt sie. Die Erfahrungen der nächsten Monate will sie nutzen, um die Idee reifen zu lassen.

Wirtschaftsförderer Andreas Bäumer hört das gerne. Bereits seit längerer Zeit hat er Leerständen in der Innenstadt den Kampf angesagt. Dabei arbeitet er eng mit der Telgter Hanse und weiteren Akteuren zusammen. „Wir haben ein gut funktionierendes Netzwerk entwickelt“, erläutert er. Er führt eine Datenbank, in der die wichtigsten Fakten leerstehende Ladenlokale erfasst sind, etwa Größe, Schaufensterfläche, Ausstattung und Zahl der Parkplätze, um Interessenten bei Bedarf schnell und umfassend erste Informationen zu liefern. Zudem stünden er und die Hanse in fast allen Fällen in engem Kontakt mit den jeweiligen Eigentümern.

Wirtschaftsförderer Andreas Bäumer

Parallel dazu führt der Verwaltungsmann auch eine Interessentenliste, in der ebenfalls die Wünsche der Suchenden vermerkt sind. Durch diese Fülle an Informationen und den damit verbundenen Überblick über die Lage in der Emsstadt gelinge es oft, schnell und unbürokratisch Hilfe leisten zu können. Das habe beispielsweise nicht nur bei den beiden Ladenlokalen an der Steinstraße funktioniert, sondern in den vergangenen Wochen und Monaten in vier weiteren Fällen auch in anderen Bereichen der Altstadt. Weitere Gespräche – die bereits auf einem guten Weg seien – würden derzeit noch geführt.

Eines ist dem Wirtschaftsförderer dabei besonders wichtig. „Wir sind keine Immobilienmakler und wollen uns in deren Geschäft auch nicht einmischen, sondern wir stellen lediglich die Erstkontakte her und ziehen uns dann zurück“, betont er. Allerdings wird er am Ende noch einmal aktiv. Denn wenn alles erfolgreich gelaufen ist, werden die Existenzgründer, Neu-Ladenbesitzer oder anderen Selbstständigen – wenn gewünscht – vom Wirtschaftsförderer und der Hanse-Vorsitzenden Walburga Westbrock mit einem Blumenstrauß besucht, um sie quasi offiziell in Telgte willkommen zu heißen.

Bezüglich des Sofortprogramms Innenstadt, das derzeit in vielen Kommunen diskutiert wird, um mit einer Landesförderung beispielsweise leer stehende Ladenlokale schnell wieder an den Mann oder die Frau zu bringen, hat sich die Lenkungsgruppe „Masterplan Innenstadt“ nach Angaben des Wirtschaftsförderers darauf verständigt, dieses Mittel nicht quasi nach dem Gießkannenprinzip einzusetzen, sondern mit den subventionierten Mieten dafür zu sorgen, dass Branchen, die in der Innenstadt fehlen, eine neue Chance bekommen. „Wir werden das Ganze als Steuerungsinstrument einsetzen“, sagt er.

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