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Hauptausschuss kommt nach langer Diskussion zu keiner Entscheidung

Keine Lösung im Streit ums Harzen

Telgte

Die Handballer des TV Friesen wollen auch in der frisch sanierten Dreifachhalle harzen. Die Stadtverwaltung hat etwas dagegen, weil die Halle dadurch stark verunreinigt wird und eine Reinigung sehr teuer ist. In der Sitzung des Hauptausschusses wurde keine Lösung gefunden. Die Entscheidung wurde vertagt.

A. Große Hüttmann

Handballer harzen gern, um ihr Spielgerät besser kontrollieren zu können. Die klebrige Masse sorgt aber nicht für die Verunreinigung des Balles, sondern auch der Sporthallen. Foto: Jan Huebner/Taeger via www.imago

Die politische Entscheidung darüber, ob zukünftig in der frisch sanierten Dreifachturnhalle der Einsatz von wasserlöslichen Haftmitteln, das sogenannte Harzen, erlaubt ist oder nicht, hat der Hauptausschuss am Dienstagabend nach langer Diskussion vertagt. Entweder bei der nächsten Sitzung des Fachausschusses am 15. Juni oder alternativ bei der Ratssitzung am 1. Juli soll abschließend darüber beraten werden. Bis dahin sollen die Handballabteilung des TV Friesen, die in einem Antrag an die Politik um eine Erlaubnis für das Harzen gebeten hatte, die Stadtverwaltung, die Reinigungsfirma und Vertreter der Schulen noch einmal miteinander sprechen und nach Möglichkeit eine Lösung finden.

TV-Friesen-Handballabteilung

Während die Handballabteilung in einem mehrseitigen Schreiben an die Politik davon spricht, dass „Handball ohne Harz wie Fußball ohne Stollen“ ist, hob Bürgermeister Wolfgang Pieper „bei allem Verständnis für das Ansinnen der Sportler“, wie er eingangs betonte, anschließend ausschließlich auf die fachlich-sachlichen Argumente ab. Demnach würden die Rückstände des Harzes, die nicht nur am Hallenboden, Torpfosten oder den Wänden verbleiben würden, von den Akteuren auch in die Sanitär- und Kabinenbereiche weitergetragen und für eine erhebliche zusätzliche Verunreinigung der Halle sorgen. Das wiederum führe zu einem immensen Reinigungsaufwand und letztlich auch zu einer schnelleren Abnutzung. Zudem, so Pieper, habe es aufgrund verbliebener Harzreste immer mal wieder negative Rückmeldungen der Schulen zu diesem Thema gegeben.

Vertagung der Entscheidung gefordert

Während Pieper für eine klare Linie bei dieser Thematik warb, die bereits seit vielen Jahren ein Thema sei, war es vor allem Christoph Boge (CDU), der für seine Fraktion um eine Vertagung der Entscheidung und neuerliche Gespräche zwischen allen Betroffenen warb. Er halte die in dem Antrag angeführten Argumente der Handballer für durchaus nachvollziehbar – vor allem vor dem Hintergrund, dass in der Landesliga nahezu alle Teams harzen würden.

Argumente beider Seiten sind überzeugend

Karin Horstmann (FDP) vertrat eine ähnliche Auffassung. Sie sprach von einem sehr schwierigen Thema, weil sowohl die Argumente der einen als auch der anderen Seite augenscheinlich überzeugend seien. Letztlich war sie es, die einen Modellversuch von einem halben Jahr ins Spiel brachte. Während dieser zeitlich begrenzten Phase solle das Harzen erlaubt sein, so die Idee dabei. Einhergehen müsse das aber mit einer professionellen Reinigung der Halle durch eine Fachfirma nach Spielen. Auf der Basis des Modellversuches, so ihre Argumentation, könnten dann Erkenntnisse gewonnen werden, um letztlich eine bessere Entscheidung zu treffen.

Kostenaufwand von mehr als 20 000 Euro jährlich

Bezüglich der angesprochenen professionellen Reinigung der Halle sprach Bürgermeister Wolfgang Pieper von einem Kostenaufwand von mehr als 20 000 Euro jährlich, der zusätzlich entstehe. Einer Reinigung etwa durch die Sportler erteilte er eine klare Absage, das habe in der Vergangenheit „nicht wirklich gut geklappt“.

Bauchschmerzen bei dem Thema hatte auch Klaus Resnischek (SPD). Er hob vor allem auf die Nutzung der Halle für den Schulsport ab, der Priorität habe. Sein Kenntnisstand sei, dass es in der Vergangenheit immer mal wieder zu Problemen durch das Harzen gekommen sei, etwa indem sich Schüler die Kleidung verunreinigt hätten. Von daher forderte er, die Schulleitungen in die Entscheidungsfindung einzubinden, um wirklich alle Seiten gehört zu haben.

Selbsthaftende Bälle

Da die Handballer im Zuge der Diskussionen rund um das Thema Harzen auch eine mögliche Beteiligung an den Kosten für den erhöhten Reinigungsaufwand signalisiert hatten, soll nach dem Willen der Politik auch dieser Aspekt in den weiteren Gesprächen eine Rolle spielen. Zudem regte Marian Husmann (Grüne) an, über selbsthaftende Bälle nachzudenken, die noch sehr neu am Markt seien.

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