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Irmgard Pelster und Anne Papenbrock haben Buch zu Anton Weskamp erstellt

Ein fast vergessener Maler

Westbevern

Irmgard Pelster und Anne Papenbrock haben ein Buch über den Maler Anton Weskamp erstellt. 152 Seiten umfasst das Werk, das nun bestellt werden kann.

Bernhard Niemann

Foto: Bernhard Niemann

Bei Malerei geht es unter anderem um die Art der Darstellung, die künstlerische Ausdrucksweise und die Gedanken, die der Maler dem Betrachter mit dem Werk näher bringen will. Der Interessierte geht oft noch einen Schritt weiter und möchte zudem wissen, wer der Maler ist, der das Kunstwerk geschaffen hat, was seine bevorzugten Themen waren und wie er sie umgesetzt hat.

Irmgard Pelster und Anne Papenbrock gehören zu genau dieser Spezies. Sie wollten es, nachdem sie das erste Werk entdeckt hatten, genau wissen und beschäftigten sich daher seit 2018 mit dem Maler Anton Weskamp.

Und das war nicht ganz einfach. Denn zunächst war es nur eine vage Idee, die daraus resultierte, dass sie aufgrund von Erzählungen und Berichten Westbeverner Bürger von einem Maler gehört hatten, der viele Bilder von Haus Langen gemalt hatte. Auf Nachfrage erfuhren sie dann, dass es sich um Anton Weskamp handelt. „Das machte uns neugierig und ließ uns nicht mehr los“, erzählen Irmgard Pelster und Anne Papenbrock.

Als die beiden Frauen dann sogar den Entschluss fassten, mehr über den Maler Anton Weskamp aus ihrem Heimatort Westbevern zu erfahren, hätten sie nie gedacht, so zahlreiche Spuren seines künstlerischen Wirkens zu finden.

Der erste Weg führte die beiden zum in Vadrup lebenden Sohn des Malers, Eduard Weskamp, und dessen Frau Regina, die ihnen viel über das Leben und Werk Anton Weskamps erzählten. Mit dem Einverständnis des Sohnes, der nicht nur viele Einblicke in das Leben seines Vaters und der Familie gab, sondern zugleich auch die ersten Bilder für Fotos zur Verfügung stellte, war der Anfang einer spannenden Reise zu vielen Westbeverner Familien gemacht.

„Ein besonderer Dank geht auch an Marianne Niermann, die Tochter von Anton Weskamp, und deren Tochter Petra Laumann, die mit ihrem Wissen ebenfalls sehr zum Gelingen des Buches beigetragen haben“, sagen die beiden Forscherinnen.

Danach ergab es sich dann, dass Irmgard Pelster und Anne Papenbrock insgesamt 51 Haushalte aufsuchten, um Gemälde von Anton Weskamp zu fotografieren und zu vermessen. „Unser weiterer Dank gilt allen, die so bereitwillig Gemälde des Künstlers zur Verfügung gestellt haben“, betonen die beiden Autorinnen. „Und zu erzählen wussten viele von ihnen auch einiges, was wir für die Texte verwerten konnten“, sagen sie. Hinzu kamen auf der Suche nach Malereien des Westbeverners auch weitere Besuche in der Region. Allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda gelang es, mehr als 126 Gemälde zu finden, die in den Dielen von Bauernhäusern und Gaststätten hingen oder noch hängen oder teilweise bereits ein staubiges Dasein auf Dachböden fristen.

Doch nicht nur um die Gemälde ging es, sondern auch um das Leben des Künstlers. Anton Weskamp wurde am 22. September 1889 als zweitältester von sechs Brüdern in Lemgo geboren. Sein Vater war Bildhauer, von ihm hat er wohl die künstlerische Ader geerbt. Nach der Schulzeit begann Anton Weskamp mit 14 Jahren als Kirchenmaler-Lehrling in Wiedenbrück eine Ausbildung. Während dieser Tätigkeit hat er auch die alte St.-Anna-Kapelle mitgestaltet. Kirchenmaler, dieser Beruf war schnell überholt, denn viele Malereien in Gotteshäusern wurden in dieser Zeit weiß übertüncht, wie es dem Geschmack der damaligen Zeit entsprach.

Also erlernte Anton Weskamp den Beruf eines Malers und Anstreichers. Seine Passion war aber seit früher Kindheit die Landschaftsmalerei. Seine künstlerischen Fähigkeiten, deren praktische Grundlagen er sich durch die beiden Ausbildungen erworben hatte, setzte er vor allem in Form von Ölgemälden um. So malte er viele Porträts, Heiligenbilder, Landschaften, Waldansichten und Heidelandschaften sowie Stillleben.

In Westbevern malte er immer wieder in vielen Abwandlungen die Landschaften an Ems und Bever. Dabei kommt den Emslandschaften heute eine besondere Bedeutung zu, weil er sie noch so festgehalten hat, wie sie sich vor den Flussbegradigungen darstellten. Auch die Doppelmühle bei Haus Langen war eines seiner Motive.

Für die Westbeverner Geschichte außerordentlich interessant sind die Gemälde von zwölf Bauernhöfen, die Anton Weskamp auf Wunsch der Besitzer erstellte. Denn immer malte er die Höfe wirklichkeitsgetreu, fast wie Fotos. Zahlreiche Porträts, unter anderem vom in Westbevern bekannten und beliebten Gastwirt Antonius Holtmann, von vielen „Onkel Tonius“ genannt, gibt es zudem.

Als Anton Weskamp 1921 nach Westbevern-Vadrup zog, engagierte ihn die Laienspielschar des MGV Eintracht sofort als Bühnenmaler. Das war eine kluge Entscheidung, denn er schuf nach Meinung der Verantwortlichen „wunderbare Bühnenbilder“ für die jährlichen Aufführungen. Für sein Wirken als Bühnenbildner erhielt er am 8. Januar 1961 die Goldene Vereinsnadel des MGV.

42 Jahre wohnte Anton Weskamp in Westbevern. Am 19. Juli 1964 starb er im Alter von 74 Jahren.

Um keinen Katalog des künstlerischen Schaffens im üblichen Sinn zu erstellen, haben die Autorinnen passend zu den Gemälden diverse Themen aufgegriffen, so dass etwas über die Geschichte der Region, die Entstehung einiger Ortsbezeichnungen aber auch Anekdoten und das eine oder andere Gedicht mit in das Buch eingeflossen sind. Die beiden Autorinnen hoffen so, eine gewisse Kurzweil beim Lesen und Betrachten zu erzielen.

Das Buch von Irmgard Pelster und Anne Papenbrock mit dem Titel „Der Maler Anton Weskamp und sein umfangreiches Werk“ umfasst 152 Seiten. Es soll ein Beitrag dazu sein, dass Anton Weskamp die Bedeutung zukommt, die ihm dank seines künstlerischen Wirkens zusteht, so die Intention der Frauen.

Bestellen können Interessierte das Werk zum Preis von 25 Euro bei Anne Papenbrock,   82 97, und Irmgard Pelster,   66 51.

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