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Mit ihren Spielgeräten bereiten Britta und Christoph Huil anderen Menschen Freude

Sockenkönig macht die Tage heller

Warendorf

Etwas Kindliches haben sich Britta und Christof Huil bewahrt. Beide basteln und spielen leidenschaftlich gerne. Im Laufe der Jahre haben sie eine ganze Reihe von Spielgeräten ersonnen, die sie unter dem Namen „Sockenkönig“ an gute Freunde und Bekannte, an Kindergärten und Schulen verleihen. Nicht verliehen wird allerdings das Kasperltheater, mit dem die Huils in Nicht-Corona-Zeiten unterwegs sind.

Joke Brocker

Britta und Christof Huil mit einer kleinen Auswahl ihrer Spiele, die sie an gute Freunde und Bekannte verleihen. Foto: Joke Brocker

„Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“, hat der Schriftsteller Erich Kästner einmal gesagt; und damit womöglich Menschen wie Britta und Christof Huil im Sinn gehabt, die sich beide etwas Kindliches bewahrt haben. „Wir haben uns nicht gesucht und doch gefunden“, bemerkt Britta Huil schmunzelnd. Bei dem vergeblichen Versuch, ihre beiden besten Freunde per Annonce miteinander zu verkuppeln, stellte sich schon während des „Blind dates“, zu dem beide ihre Freunde begleiteten, rasch heraus, dass nicht diese, wohl aber sie selbst diejenigen waren, die auf einer Wellenlänge schwammen. Die Erzieherin aus Bocholt und der Diplom Ingenieur aus Warendorf wurden ein Paar, heirateten, wurden Eltern. Tochter Nikola ist heute 22, Sohn Stefan 20 Jahre alt.

„Meine Frau ist hochgradig kreativ“, stellt Stefan Huil bewundernd fest, während sie beeindruckt davon ist, dass er ihre Ideen mit seinem basteltechnischen Talent direkt realisiert. Kaum hatte sie sich eine Seifenblasen-Maschine gewünscht, hatte er sie schon konstruiert. „Wir ergänzen uns top“, finden die beiden, die sich in der Garage ihres Hause In der Feldmark gerade der Serien-Produktion dekorativer Fliegenpilze für den Garten widmen.

Viele Jahre lang hat das Paar in seiner Freizeit Kreativ-Wochenenden für junge Familien und Singles in der Eifel veranstaltet, Gruppenleiterschulungen betreut und gemeinsam Spiele optimiert oder gleich ganz neue erfunden. „Das hat unser Leben bereichert und wahnsinnig viel Spaß gemacht“, versichern die Huils, die inzwischen einen ganzen Fundus an Spielgeräten besitzen, die alle das von einem bei Disney beschäftigten Freund der Familie kunstvoll gestaltete Logo des „Sockenkönigs“ tragen. Namensgeber ist der Stammhalter der Huils. Als Baby zog er sich immer wieder die Socken aus, was ihm den Namen „Sockenkönig“ einbrachte.

Als Vorsitzender eines großen Sportvereins und Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Josef war Christof Huil, der bei einem großen Energieversorger beschäftigt ist, eigentlich rund um die Uhr verplant, als ihn vor 13 Jahren ein Schlaganfall ereilte. „Das war ein Schuss vor den Bug“, blickt der 57-Jährige zurück. Auf Geheiß seiner Logopädin zog er sich in jenen Raum des Hauses zurück, in dem er sich besonders wohlfühlte, in seinen Bastelkeller. Dort sei dann das erste große Spiel entstanden. „Get the Sticks“ heißt es. Eine Herausforderung in Sachen Konzentration und Reaktionsvermögen. Als seine Frau vom Jahrmarkt-Pferdederby schwärmte, für das sich ihre Mutter immer begeistert hatte, entwickelte Christof Huil kurzerhand ein Schneckenrennen, bei dem Playmobil-Schnecken zum Einsatz kommen. Beim Schützenfest im Ostbezirk ist es die Attraktion. Nicht selten drängen dort erwachsene Schützen die Kinder beiseite, um auch mal spielen zu dürfen. Einige ihrer Spielgeräte, darunter das Glücksrad, „Get the sticks“, eine Fotobox, die nach dem Venturi-Prinzip funktionierende, überaus beliebte Mäuseschleuder oder die Popcornmaschine verleihen die Huils an „an gute Bekannte und andere nette Leute“ für Events wie Schul- und Kindergartenfeste oder Erstkommunionen. Wer die Spiele ausleiht, bekommt eine kurze Einweisung. Die weitere Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr, getreu dem Motto „Erfahrungen sind die Summe der Fehlschläge“. Natürlich könne immer mal etwas kaputt gehen, sagt Christof Huil, der allergisch auf Reparaturversuche reagiert, die mit dem Satz „Ich hab‘ Sekundenkleber genommen“ eingeleitet werden: „Bloß nicht!“ Seine Spielgeräte repariert er lieber selbst.

„Man kann uns nicht buchen. Wir sind kein Dienstleister, keine Event-Agentur“, stellt Britta Huil klar, dass der „Sockenkönig“ ein reines Familien-Hobby ist, worüber sie auch sehr froh sei: „Wenn ich mir vorstelle, dass das unser Hauptjob wäre, dann würde es uns jetzt ergehen wie den Schaustellern“, überlegt die 52-Jährige.

Auf gar keinen Fall verliehen wird das selbst gebaute Kasperltheater mit der großen Bühne und den original Hohnsteiner Kasperlfiguren. Regelmäßig lassen Britta Huil und einige Freundinnen die kostbaren Puppen „tanzen“. Bei den Ferienaktionstagen in Milte und Warendorf, den Ranzenfeiern der Josefschule oder zum Buchsonntag im Pfarrheim St. Josef. „Bis vor zwei Jahren haben wir auch im Münsterfeld-Kindergarten zu den Verabschiedungen der Schulkinder gespielt, die im Kindergarten übernachten durften. Da hat der Sandmann die Geschichte gebracht“, berichtet die Erzieherin. Auch beim Weihnachtswäldchen 2019 traten Kasper und Co. in einem klassischen Stück auf, das Britta Huil lediglich etwas weihnachtlich „verpackt“ hatte. Die Puppenspieler hatten sich auf eine Wiederholung gefreut, die wegen der Pandemie allerdings im vergangenen Jahr ausfallen musste.

Vor allem Christof Huil, zuständig für die Technik und die „special effects“, hat riesigen Spaß am Kasperltheater und amüsiert sich jedes Mal (socken)-königlich, wenn die Puppenspielerinnen nach einem Hänger Blut und Wasser schwitzen, weil sie Dialoge improvisieren müssen; und das so geschickt anstellen, dass die mitfiebernden Kinder vor der Bühne, die den Kasper schreiend vor dem nahenden Krokodil warnen, die Panne gar nicht bemerken.

„Man muss auch geben im Leben“, findet Christof Huil und versichert glaubhaft, dass er, genau wie seine Frau, großen Spaß daran hat, anderen Menschen mit Spielen und kleinen Überraschungen eine Freude und die Tage heller zu machen.

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