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„Bühne frei!“ mit vier Programmpunkten

Rundlauf ums Wohnzimmer-Sofa

Everswinkel

Im Vorfeld der Ausstrahlung mag sich der eine oder die andere gefragt haben, ob eine Offene Bühne, die von der Live-Atmosphäre und dem direkten Kontakt zu den Künstlern lebt, in ein Streaming-Format übertragen werden kann. Doch die Ausstrahlung dieses bunten Abends vermittelte zeitweise beinahe das Flair einer Live-Veranstaltung, hatte der für die technische Umsetzung verantwortliche Michael Brandt doch immer wieder Applaus und Hintergrundgeräusche eingefügt. Schloss man die Augen für ein paar Minuten, fühlte man sich fast wie im Saal Diepenbrock.

Susanne Müller

Thomas Kraß und Maren Stockmann hatten für ihre Aufzeichnung Foto: Screenshot

Vier Programmpunkte von jeweils etwa 20 Minuten gab es. Der erste Gast kam aus Telgte. „Wie schnell ist nichts passiert – zum Glück mit Anne-Marie Grage“. Die Akkordeonistin und Sängerin schlug einen großen Bogen von rein instrumentaler Klezmermusik („Jankele“) über „Wennze Meins“ von den Missfits aus den 1990er Jahren zu ihren Eigenkompositionen. Auf „Einmal so mutig sein!“ folgte der „Jogging-Song“, verbunden mit der Aufforderung an ihre Zuschauer zum Rundlauf um das heimische Sofa. „Ein Muss in jedem Programm“ ist laut Grage der plattdeutsche Klassiker „Dat Du Min Leevsten Büst“, dessen Verfasser und Komponist unbekannt sind. Zu den prominenten Interpreten dieses bekanntesten plattdeutschen Liedes gehörten übrigens schon Lale Andersen, Hannes Wader, Godewind, Knut Kiesewetter und Konstantin Wecker.

Weiter ging es mit Bernard Lammerding aus Münster. Der Musiker hatte eine Aufzeichnung seines Auftritts vom Rhine Side Festival in Krefeld 2019 beigesteuert. Auf seiner Gitarre spielte Lammerding zunächst den durch Judy Garlands Interpretation berühmt gewordenen Klassiker von 1939 „Somewhere Over the Rainbow“. Anschließend verführten verschiedene spanische Improvisationen zum Träumen von Sonne, Sand und Meer. Den Abschluss bildete Stevie Wonders 1973 veröffentlichtes „You are the Sunshine of My Life“ als akustisches Solo.

Mit den beiden nächsten Musikern stiegen die ohnehin guten Klickzahlen deutlich an, schließlich waren nun Thomas Kraß (Klavier) und Maren Stockmann (Gesang) an der Reihe. Sie hatten sich für ihre Aufzeichnung ein farbenreiches Programm aus langsamen bis fetzigen Popsongs mit durchaus bedeutsamem Hintergrund zusammengestellt. Den Beginn und das Ende markierte „Heal the World“ von Michael Jackson – sein zeitloser Aufruf an uns alle, die Welt besser zu verlassen, als wir sie vorgefunden haben - heute so wichtig wie schon lange nicht mehr. Auf „Arthur’s Theme“ folgten „You’ve Got a Friend“ und „Son of a Preacherman“. Bei „Proud Mary“ von Tina Turner stimmte sogar Thomas Kraß gelegentlich ein und bildete dadurch einen wunderbaren Kontrast zu dem klaren Sopran von Maren Stockmann. Die beiden kamen bei den Zuschauern so hervorragend an, dass ein begeisterter Kommentar nach dem anderen eintrudelte, sich die Besucher geradezu überboten mit klatschenden Händen.

Jay Minor hatte es für seinen Auftritt den Menschen vor den Bildschirmen gleichgetan, er saß entspannt auf seinem Sofa, spielte gleichsam von Wohnzimmer zu Wohnzimmer. Der große Meister des Fingerstyle auf der Gitarre beeindruckte – wie schon im März 2019 bei „Bühne frei!“ – mit seiner Technik, Melodie und Rhythmus gleichzeitig zu spielen. Den Auftakt bildete der Bee-Gees-Titel „How Deep is Your Love” in einer wundervollen Bearbeitung. Ihm folgten zwei Eigenkompositionen: „Lullaby for Julius“, ein zartes Wiegenlied, und „Loops“ mit reizvollen harmonischen Schleifen. Als letztes Stück trug Minor John Lennons Hymne an die Hoffnung vor: „Imagine“.

Eine Besonderheit dieses Abends war ganz gewiss etwas, dass bei „Bühne frei!“ mit echten Begegnungen im Saal eher zu erwarten gewesen wäre, aber zur großen Freude der Musiker und des Kulturkreises auch digital funktioniert. Der Funke sprang über, zwischen Thomas Kraß, Maren Stockmann und Jay Minor entwickelte sich im Chat spontan die Idee eines gemeinsamen Konzertes in Everswinkel. Darauf darf man gespannt sein . . . dann, wenn die Pandemie überstanden ist.

  • Wer „Bühne frei!“ verpasst hat und das noch nachholen möchte:
  • https://www.youtube.com/watch?v=Is5l1M1Kdr4
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