Traditionelle Chinesische Medizin hält Einzug ins Josephs-Hospital

Mit Nadelstichen gegen Schmerzen

Warendorf

Gesundheit ist Gleichgewicht. Für eine Diagnose muss Dr. Chengwu Wang alle Beschwerden seiner Patienten kennen, auch, wenn sie Jahre zurückliegen. Nur so könne „Yin“ und „Yang“ in Einklang gebracht werden. Wang, der seit 1991 in Münster das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin leitet, unterstützt ab Mitte nächster Woche die multimodale Schmerztherapie sowie die Palliativmedizin im Josephs-Hospital.

Joachim Edler

TCM betrachtet den Körper als Ganzheit und deutet Krankheiten als Muster von Disharmonie zwischen einzelnen Teilen. Ihr Kern ist die Kräuterheilkunde, weiter verbreitet hierzulande ist aber die Akupunktur. Foto: dpa/Mark

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hält Einzug ins Warendorfer Josephs-Hospital. Am Mittwoch unterzeichnete das Krankenhaus einen Kooperationsvertrag mit dem TCM-Zentrum Münster (Inhaber und Leitung Dr. Wang).

Gesundheit ist Gleichgewicht. Für eine Diagnose muss Dr. Chengwu Wang alle Beschwerden seiner Patienten kennen, auch, wenn sie Jahre zurückliegen. Nur so könne „Yin“ und „Yang“ in Einklang gebracht werden. Wang, der seit 1991 in Münster das Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin leitet, unterstützt ab Mitte nächster Woche die multimodale Schmerztherapie sowie die Palliativmedizin im Josephs-Hospital. Oberärztin Stephanie Rogge-Wiewel (Leitung Schmerztherapie) und Prof. Dr. Dirk Domagk (Chefarzt Innere Medizin) freuen sich auf die Zusammenarbeit und sehen in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine sehr gute Ergänzung zur Schulmedizin. „Die traditionelle chinesische Medizin kann die Schulmedizin nie ersetzen, sondern nur ergänzen“, betont Wang.

TCM betrachtet den Körper als Ganzheit und deutet Krankheiten als Muster von Disharmonie zwischen einzelnen Teilen.

Ihr Kern ist die Kräuterheilkunde, weit verbreiteter hierzulande ist aber die Akupunktur. Genauso wichtig ist die Ernährung. Jede TCM-Behandlung habe das Ziel, Energieblockaden zu lösen. Sie komme bei der Schmerzbehandlung und der Behandlung von chronischen, funktionellen Erkrankungen zum Einsatz.

Hat TCM eine Antwort auf das neuartige Corona-Virus? Mit den Möglichkeiten von TCM schöpft Wang immerhin aus einem Wissen, das seit Jahrtausenden von Generation zu Generation weitergegeben wurde, das in China stets weiterentwickelt und akademisch unterfüttert wurde und mittlerweile auch durch Elemente der Schulmedizin ergänzt wird. „TCM kann als Nachsorge bei einem Corona-Patienten eingesetzt werden“, sagt Wang, der sich auf Dauer eine eigenständige TCM-Klinik – angedockt ans Josephs-Hospital (zweites Gesundheitszentrum) – vorstellen kann. Warendorf als TCM-Hochburg im Münsterland.

Krankenhaus-Vorstandsvorsitzender Peter Goerdeler schloss das nicht aus, begrüßte aber erst einmal, dass die Schulmedizin um eine alternative Heilmethode ergänzt wird. „Das Josephs-Hospital ist bundesweit eines der wenigen Kliniken, die dieses Angebot jetzt vorhalten.“ Zunächst jedoch nur für Patienten und als Fortbildungsangebot für das Klinik-Personal. Mit dem Ziel, dieses Angebot künftig auch für alle Patienten zu öffnen. Diese können sich schon jetzt direkt an das TCM-Zentrum in Münster wenden.

Goerdeler machte keinen Hehl daraus, dass er anfangs skeptisch gewesen sei, wie wohl Ärzte und Pflegepersonal darauf reagieren würden. Und er sei positiv überrascht: „Es gibt durch die Bank eine positive Neugierde.“ So hätten spontan über 90 Mitarbeiter an einer Videoschaltung zu diesem Thema teilgenommen.

Dabei sind dem Krankenhaus, vor allem in der Schmerztherapie, alternative Heilmethoden wie Aromatherapie, Qi Gong, Physiotherapie und Psychotherapie nicht fremd und kommen auch zum Einsatz. Prof. Dr. Dirk Domagk sieht das Angebot der Traditionellen Chinesischen Medizin als eine sehr gute Ergänzung in der Schmerztherapie, bei Tumor- oder anderen unheilbaren Erkrankungen.

Wenn Standardtherapien aus der Schulmedizin nicht weiter helfen, können Akupunktur und fernöstliche Kräuter sinnvoll sein. Als wichtigste therapeutische Methode gilt die Arzneimittel- und Kräuterheilkunde. Wermutstropfen: nicht alle Leistungen der Traditionellen Chinesischen Medizin übernimmt die Krankenkasse. „Für Patienten in der Schmerztherapie und der Palliativmedizin trägt das Krankenhaus die Kosten“, so Goerdeler. „Alle anderen Patienten müssen die Zusatzleistungen selbst tragen.“

Neben Coesfeld und Münster ist Warendorf das dritte Standbein des Zentrums für Traditionelle Chinesische Medizin. Es wurde im Jahre 1991 auf Basis eines Lehrauftrags der Hochschule für Traditionelle Chinesische Tianjin (China) gegründet.

Forschung, Lehre und Therapie unter einem Dach – das ist die Zukunft, so Goerdeler. Kontakte zu chinesischen Unikliniken würden schon jetzt angestrebt, eine telemedizinische Vernetzung. „Die Chinesische Medizin, die auf Jahrtausenden von Jahren fußt, kommt jetzt nach Warendorf.“

Das TCM-Zentrum wird zunächst auf der Station 4A zu finden sein. Später folgt ein Umzug in das Gesundheitszentrum II (die WN berichteten).

Startseite