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Hegering Sendenhorst widmet sich Wildäckern und Aufforstungen

Idealismus fragt nicht nach Kosten

Sendenhorst/Ahlen

Beim Hegering stand in diesem Frühjahr im Hegering wieder eine umfangreiche Ausbringung von Saatgut für Wildacker auf dem Plan. Davon profitieren viele Tierarten. Außerdem wurden an zwei Stellen im Revier Ackerrandstreifen wieder aufgeforstet, damit der Wald erhalten bleibt.

Annette Metz

Christian Quas sät in diesen Tagen wieder einen Teil eines Wildackers neu ein. Der Jäger nutzt dafür Saatgut, das der Hegering gemeinsam mit dem Kreis angeschafft hat, erklärt Georg Hoppe, Vorsitzender des Hegeringes. Foto: Annette Metz

Auch in den Sommermonaten haben die Mitglieder des Hegerings Sendenhorst, Enniger, Vorhelm viel zu tun. In einer kleinen Serie begleitet diese Zeitung den Hegering durch das Jahr.

Hege und Pflege haben sich die Mitglieder des Hegeringes Sendenhorst/Enniger/ Vorhelm auf die Fahnen geschrieben. Und damit sich alles, was kreucht und fleucht, wohl fühlt, braucht es auch ein gesundes und sicheres Umfeld. Und so heißt es für den Jäger nicht nur, sich um die Populationen selbst zu kümmern, sondern auch um die Flächen, in denen die Tiere leben. So stand in diesem Frühjahr im Hegering wieder eine umfangreiche Ausbringung von Saatgut für Wildacker auf dem Plan. Außerdem wurden an zwei Stellen im Revier Ackerrandstreifen wieder aufgeforstet.

Wildäcker nutzen vielen Tieren

In Sendenhorst machte sich Jäger und Landwirt Christian Quas daran, auf einer Fläche seiner Felder eine Wildacker-Mischung auszubringen. Die Kreisjägerschaft hatte diese Mischung, bezuschusst durch den Kreis Warendorf, eigens für die heimischen Anforderungen zusammenstellen lassen. „Wir möchten Landwirte gewinnen, Flächen damit zu bestellen, die sich vielleicht schlecht bewirtschaften lassen, weil sie klein oder schlecht zugänglich sind“, erklärt der Vorsitzende des Hegerings, Georg Hoppe. Es sei sogar sinnvoll, eher viele kleine Ecken dafür zu nutzen, als große, erklärt Christian Quas, der in der Bauerschaft Elmenhorst auf einem halben Hektar etwa zehn Kilo der Mischung ausgebracht hat, von der der Hegering rund 400 Kilo angeschafft hat. In diesem Frühjahr, das wesentlich feuchter ist, als es die vorangegangenen Jahre waren, stehen die Aussichten gut, dass die Saat gut aufgeht. Das sei wichtig, damit die Pflanzen schnell wachsen und somit auch schnell die nicht so erwünschten „Beikräuter“ zurückdrängen, erklärt Quas.

Wildblumen wachsen mehrere Jahre unberührt

Insgesamt hat Christian Quas an dieser Stelle etwa eineinhalb Hektar für Wildblumen eingeplant. Sie stehen jeweils mehrere Jahre unberührt für vielerlei Tiere zur Verfügung. „Im ersten Jahr freuen sich die fliegenden Insekten an den Blühern“, erklärt er. Im zweiten Jahr erobern Käfer und Ameisen die Flächen. Und sobald die Pflanzen eine gewisse Höhe erreicht haben, lassen sich im Frühjahr auch gerne Wildtiere dort mit ihrem Nachwuchs im Schutz der Wiesen nieder. Reihum, Jahr für Jahr einen anderen Streifen, pflügt er dann wieder um und säht neu ein.

„Das funktioniert nachhaltig natürlich nur, wenn es uns gelingt, die Landwirte mitzunehmen“, so Hoppe. Etwa zwei bis drei Jahre lässt Christian Quas jeden eingesäten Streifen in Ruhe. Sicher gehe ihm dabei Ertrag verloren, der bei den momentanen Getreidepreise durchaus benennbar sei. „Das ist eben Liebhaberei und Idealismus“, erklärt er und hofft, gemeinsam mit Georg Hoppe weitere Landwirte für diese Art von Naturschutz gewinnen zu können.

Gemeinsam wurde aufgeforstet

Auch der Vorhelmer Landwirt und Jagdkollege Dirk Schulze Rieping hat sich in diesem Jahr eine Aufgabe vorgenommen, für die eine gehörige Portion Idealismus vonnöten ist. An zwei Randstreifen seiner Felder hatten Fichtenanpflanzungen ihre Zeit hinter sich und mussten im vergangenen Jahr abgeholzt werden. Im Herbst hat er diese Streifen mit Hilfe von Hegeringskollegen – natürlich coronakonform und vom Ordnungsamt genehmigt – wieder aufgeforstet. Dabei räumt der passionierte Waidmann auch ehrlich ein, dass dieser Raum, in dem Wildtiere Schutz zur Aufzucht und Lebensraum bietet, am Ende auch dem Jäger durchaus nutzt.

Dirk Schulze Rieping forstet in Vorhelm auf. Foto: Annette Metz

Damit aus den kleinen Pflänzchen aber auch etwas werden kann, wurden beide Streifen, die etwa 5000 bis 6000 Quadratmeter umfassen, noch mit einem provisorischen Zaun umfasst, der die jungen Bäume und Büsche zunächst vor Wildschaden schützt.

3475 junge Bäume

Die Liste der gesetzten Bäume und Büsche ist ellenlang und umfasst 24 verschiedene Arten. So wurden etwa 800 Stieleichen, 50 Esskastanien, 200 Hainbuchen und Weißbuchenpflanzen, 300 Douglasfichten, 300 Weißtannen, 20 Wildapfelbäume, 20 Birnbäume, Eberesche, Roter Hartriegel, Gemeiner Schneeball, Gemeine Heckenkirsche, Walnuss- und Pflaumenbäume, Winterlinde, Ulme, Rot-Erle und Rot-Eiche gepflanzt. Insgesamt waren es 3475 junge Pflanzen, die er gemeinsam mit der zuständigen Forstbezirksleiterin ausgesucht hat und die in den kommenden Jahren wachsen und gedeihen sollen.

Dirk Schulze Rieping

„Insgesamt hat mich das einen hohen fünfstelligen Betrag gekostet“, erklärt Schulze Rieping schließlich. Ja, das sei sicherlich ein langfristiges Projekt, das er jetzt auch nicht einfach sich selbst überlassen könne, sondern das in den nächsten etwa fünf Jahren weitere Pflegeaktionen benötige, beschreibt er weiter. Es sei eben ein Generationen-Projekt. Jede Generationen habe diese Flächen einmal wieder für die nachfolgenden hergerichtet. „Wenn unsere Eltern nicht ebenso gedacht hätten, dann sähe es hier wohl ganz anders aus“, meint er und verweist damit wohl auch darauf, dass die vielgelobte Münsterländer Parklandschaft auch ein Ergebnis eben solcher privater Initiativen ist.

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