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Förster Jochen Garbe

„Der Wald ist ein Geschenk“

Albersloh

Seit einem halben Jahr ist Jochen Garbe der neue Förster für den Bezirk Sendenhorst, Drensteinfurt und Ahlen bei Wald und Holz NRW. Neben einem Händchen für Flora und Fauna ist dabei manchmal auch Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Waldbesitzern gefragt.

Nicole Evering

Forstbetriebsbezirksleiter Jochen Garbe in einer frischen Pflanzung bei Albersloh: Diese Eichen sind erst im Januar gesetzt worden und müssen noch viele Jahre bis zur Ernte wachsen. Foto: Nicole Evering

Wenn Jochen Garbe so durchs Unterholz stapft, mit festem Schuhwerk und warmer Fleecejacke, dann merkt man schnell: Der Mann ist in seinem Element. Dass nicht nur der Boden matschig ist, sondern es zudem anhaltend von oben tropft, macht dem 38-Jährigen gar nichts aus. „Für jemanden wie mich ist das perfektes Wetter.“ Jochen Garbe ist Forstbetriebsbezirksleiter, seit einem halben Jahr betreut er das Revier Sendenhorst, das auch das Drensteinfurter und das Ahlener Stadtgebiet umfasst.

Und Garbe weiß: Den Regen können Boden und Bäume immer gut gebrauchen. Dass die vergangenen Jahre zu trocken und die Sommer zu heiß waren, ist kein Geheimnis. Für den studierten Forstwirt gilt, wie für alle seine Kollegen bei Wald und Holz NRW: „Wir müssen uns Gedanken machen und Konzepte entwickeln, wie wir am besten auf die klimatischen Veränderungen reagieren können.“ Dabei geht es dem Wald im Münsterland zumindest nicht ganz so schlecht wie beispielsweise dem im Sauerland. Das hängt in erster Linie mit dem Baumbestand zusammen.

Hauptbaumart ist die Eiche

Arg gebeutelt sind vor allem die Fichten – die hier allerdings gar nicht so häufig vorkommen. Jochen Garbe zieht sein „Toughpad“ zurate, das Navi und digitales Kartenwerk zugleich ist und außerdem sensible Informationen über die Waldgebiete vor Ort enthält. Die verschiedenen Baumarten kann er sich farblich markiert anzeigen lassen. Viele gelbe Felder werden sichtbar. „Das sind alles Eichen“, sagt der gebürtige Niedersachse, der nach dem Studium an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg in Baden-Württemberg 2017 nach Münster gegangen ist. In der Zentrale von Wald und Holz war er zunächst in der Aus- und Fortbildung tätig. Doch nach dreieinhalb Jahren am Schreibtisch wollte Garbe wieder mehr Zeit in der Natur verbringen. Seit dem 1. November 2020 betreut er das Sendenhorster Revier – das übrigens zu rund zehn Prozent bewaldet ist. Der Durchschnitt im Münsterland liegt bei 15 Prozent.

Förster Jochen Garbe

„Im Moment lerne ich alles erst noch kennen“, berichtet Jochen Garbe. Das betrifft sowohl die Gebiete als auch deren Besitzer. Denn der hiesige Wald ist fast ausschließlich in privater Hand. Garbe und seine Kollegen in den anderen 25 Revieren des Regionalforstamtes Münsterland stehen den Eignern beratend zur Seite. Denn so ein Wald bedeutet jede Menge Arbeit. „Da braucht es auch Fingerspitzengefühl“, will Garbe mit den Waldbauern am liebsten in guter Absprache zum Ziel kommen. Und das lautet: stabile und artenreiche Mischbestände zu bilden, die noch lange eine nachhaltige und hochwertige Holzqualität liefern.

Die Eiche ist dabei, neben Hainbuche und Winterlinde, ein wichtiger Bestandteil. „Sie ist relativ resistent und hat sich hier bewährt“, weiß Jochen Garbe. Ihr haben die Schädigungen durch den Borkenkäfer – der Fachmann nennt das Kalamität – nicht so sehr zugesetzt wie anderen Arten, etwa der Fichte. Die ist in Garbes Gerät hellblau markiert, nur vereinzelte Flecken sind zu sehen. Die nass-kalte Witterung der vergangenen Monate aber lässt den Förster „vorsichtig optimistisch“ sein, den Borkenkäferbefall in diesem Jahr besser in den Griff zu bekommen.

Arbeit über Generationen hinweg

Trotzdem, das macht den Beruf des Försters aus, muss der Blick stets weiter in die Zukunft gerichtet sein als bloß bis zum nächsten Sommer. „Eine Eiche wächst etwa 150 Jahre bis zur Ernte. Wir müssen uns überlegen, welche Arten am besten zum Klima der kommenden Jahrzehnte passen.“ Die Forstwirtschaft ist immer auch eine Arbeit über Generationen hinweg. Was einmal aus den noch winzigen Bäumchen wird, die Jochen Garbe im Januar in einem Waldgebiet bei Albersloh hat setzen lassen, das werden erst seine Nachfolger im Revier erleben. So wie er jetzt von der Arbeit seiner Vorgänger profitiert, die die heute 30 Meter hohen Eichen einmal gepflanzt haben.

Der Kartenausschnitt zeigt ein Waldgebiet zwischen Ahlen und Dolberg. Auch dort kommt die Eiche (gelb) am häufigsten vor. Foto: Grafik: Jochen Garbe/Wald und Holz NRW

Solche Pflanzungen umfassen einen Bereich von Jochen Garbes Tätigkeit. Denn wo ein Baum gefällt und sein Holz geerntet wird, da muss auch für Nachschub gesorgt werden. Und das zunächst in recht großer Anzahl auf relativ kleiner Fläche. Jochen Garbe hegt und pflegt die kleinen Gewächse, damit sie sich gut entwickeln. Kulturpflege nennt sich das. Ist der Bestand weiter gewachsen, werden bei der Durchforstung gezielt einzelne kranke und schwache Bäume entnommen, um den stärkeren Vertretern Platz zu machen. Da greife das Prinzip „Survival of the fittest“, so Garbe.

Wertvolle Habitate

Nicht immer wird das Totholz aus dem Wald entfernt. Achtlos herumliegende Äste und Kronen haben ebenso wie stehende, abgestorbene Bäume einen wichtigen Zweck. „Es sind wertvolle Habitate für Vögel, Insekten und Pilze.“ Denn Natur- und Tierschutz gehören, neben dem Erhalt der Schutz- und Nutzfunktion des Waldes, ebenfalls zum Berufsbild. Und auch als Erholungsort sollen die Areale dienen. Gerade in Corona-Zeiten drängten immer mehr Wanderer und Spaziergänger in die Wälder, weiß Jochen Garbe, der das als passionierter Jäger und Angler nur allzu gut verstehen kann. „Wer auf den Wegen bleibt, sich rücksichtsvoll verhält, die Tiere nicht aufschreckt und seinen Müll wieder mitnimmt, der ist jederzeit willkommen.“

Jochen Garbe hat seinen Traumberuf gefunden. Am liebsten würde er noch mehr Zeit im Wald verbringen. „Er ist ein Geschenk und verdient deshalb unsere ganze Aufmerksamkeit“, findet der 38-Jährige. Denn wenn es zum Beispiel um das Schlagwort „Klimaneutralität“ gehe, komme man ohne die Bäume, die erhebliche Mengen an CO binden, schlicht nicht aus. Diese wertvolle Ressource gelte es zu nutzen und zu erhalten – auch für künftige Generationen.

Wald und Holz NRW

Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW gliedert sich in 15 Regionalforstämter, das Nationalparkforstamt Eifel sowie das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft. Zum Regionalforstamt Münsterland gehören die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie die Stadt Münster. Eine flächendeckende Präsenz gewährleisten die Förster in den Forstbetriebsbezirken (Revieren). Der vorrangige Auftrag der Behörde ist die nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Waldfunktionen, die Bewirtschaftung des Staatswaldes sowie die Wahrnehmung forstlicher Dienstleistungen – etwa die Betreuung der Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung.

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