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„Lolli-Tests“ an der Albersloher Ludgerus-Schule

Der Schwimmmeister ist jetzt Chauffeur

Albersloh

Seit einer Woche sind an den Grundschulen die sogenannten „Lolli-Tests“ im Einsatz. Sie sollen mehr Sicherheit für den Präsenzunterricht bieten. In der Handhabung einfach, in der Logistik aber recht kompliziert gestaltet sich diese neue Teststrategie. Ein Besuch an der Ludgerus-Schule.

Christiane Husmann

Vor der Ludgerus-Schule übergeben Rainer Gottmann und Annette Stüer die Lolli-Tests an Norbert Engler (v.l.). In einem Großlabor in Düsseldorf werden die Proben untersucht. Foto: Christiane Husmann

Es ist 8.45 Uhr. Norbert Engler – eigentlich als Schwimmmeister bei der Stadt Sendenhorst beschäftigt – wartet vor der Ludgerus-Schule auf Hausmeister Rainer Gottmann. Der eilt mit einem Beutel, gefüllt mit den sogenannten „Lolli-Tests“, auf den Schulhof. Nur einige von vielen Schritten, die es in Corona-Zeiten möglich machen sollen, den Schülern wieder mehr und weitestgehend sicheren Unterricht in Präsenz bieten zu können.

Schwimmmeister Norbert Engler hat aufgrund der aktuellen Lage seinen Arbeitsplatz gewechselt. Statt im Schwimmbad nach dem Rechten zu sehen, sitzt er die meiste Zeit hinterm Steuer des Dienstwagens der Bürgermeisterin. Seine derzeitige Aufgabe ist es, die Lolli-Tests von verschiedenen Schulen abzuholen. „Ich starte in Albersloh, danach geht’s nach Ascheberg, Davensberg, Senden, Ottmarsbocholt, Reeken und Gescher“, zählt der Schwimmmeister seine Stationen auf. „In Gescher ist ein Knotenpunkt, an dem die Tests gesammelt und dann mittels eines Kurierdienstes zu einem Großlabor in Düsseldorf gefahren werden“, erklärt Norbert Engler einen Teil der Logistik.

Lutschen am Wattestäbchen

Mit einem anderen Teil der Logistik sind die Grundschulen selbst beschäftigt. Davon weiß auch Schulleiterin Annette Stüer zu berichten. „Unser Hausmeister Rainer Gottmann sammelt die Tests in den acht Klassen ein“, sagt sie und ist erleichtert: „Die Testung selbst ist vollkommen unkompliziert.“ Sie selbst habe das ausprobiert. „Man lutscht 30 Sekunden an einem Wattestäbchen, das nach absolut nichts schmeckt – für die Kinder ist das sehr einfach umzusetzen“, so die Schulleiterin, die auch die höhere Sicherheit des Lolli-Tests im Vergleich zu dessen Vorgängern hervorhebt: „Da es sich um einen PCR-Test handelt, kann eine Infektion im Prinzip so früh erkannt werden, dass eine Infektion weiterer Personen verhindert werden kann.“ Außerdem sei der Lolli-Test ressourcensparender, da nur eine Auswertung der gesammelten Tests nötig sei. „Die Wattestäbchen der Schüler, die aktuell im Wechsel in halber Klassenstärke im Pool unterrichtet werden, werden in einem Röhrchen gesammelt und als eine Einheit getestet. Sollte ein Test positiv sein, bekomme ich am selben Abend oder bis spätestens sechs Uhr morgens des nächsten Tages Nachricht“, beschreibt Annette Stüer den Ablauf und lässt dabei einen Blick in ihr Privatleben zu: „Wenn ich abends im Bett liege, ist das Letzte, was ich tue, aufs Dienst-I-Pad zu schauen – und morgens um sechs ist es auch das Erste, was ich tue.“ Dabei schwinge immer die Sorge mit, ein Test könne positiv sein.

Schulleiterin Annette Stüer

Sollte das der Fall sein, dürfte es für Schulleiterin, Lehrerinnen und Eltern hektisch werden. „Dann gilt es herauszufinden, welches der Kinder aus dem betroffenen Pool positiv ist – bis spätestens 8.30 Uhr desselben Tages müssen die zur Verfügung gestellten Einzeltests bei der Schule abgegeben werden“, erklärt Annette Stüer, die darauf baut, dass die Eltern in den späten Abend- und frühen Morgenstunden immer telefonisch erreichbar sind. „Die Eltern haben zugestimmt, sich über einen QR-Code registrieren zu lassen, damit eine unkomplizierte Zuordnung möglich gemacht werden kann.“ Natürlich halte die Schule Lolli-Tests in Reserve vor und könne auch bei Fragen rund um die Registrierung behilflich sein, möchte die Schulleiterin mögliche Bedenken und Sorgen nehmen.

Noch ist die Handhabung der Lolli-Tests neu. „In der vergangen Woche hatten wir ja nur drei Schultage“, sagt die Rektorin, die bisher noch keine Erfahrung mit einer positiven Testung machen musste. „Ich hoffe, dass das so bleibt“, sagt sie und sieht im Zusammenhang mit dem Wechselmodell und den Lolli-Tests aktuell die Chance, möglichst viel Präsenzunterricht erteilen zu können. „Homeschooling ist kein Ersatz für Präsenzunterricht – den Eltern und Kindern wird einiges abverlangt“, räumt die Pädagogin ein und lobt: „Alle geben ihr Bestes, und wir versuchen, gut durch diese Zeit zu kommen.“ Dann wagt sie noch einen Blick in die Zukunft: „Ich hoffe, dass wir nach den Sommerferien, wie schon im vorangegangen Jahr, mit dem klassenbezogenen Präsenzunterricht starten.“

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