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Erlbad-Besuch am Eröffnungstag

„Beim Schwimmen wird dir warm“

Drensteinfurt

Erst zum Schnelltest, dann zum Schwimmen: So läuft es für die noch Ungeimpften in dieser Erlbad-Saison. Unser Mitarbeiter Simon Beckmann hat es ausprobiert – am Eröffnungstag, der sowohl kalt als auch regnerisch war. Aber: „Beim Schwimmen wird dir warm.“

Simon Beckmann

Am kalten und regnerischen Eröffnungstag war noch eher wenig los im Erlbad. Foto: Simon Beckmann

Als mir langsam ein leichter Chlorgeruch in die Nase steigt und ich die dicken Regentropfen auf die Wasseroberfläche treffen sehe, kommt in mir die Frage auf: „Warum tue ich mir das nur an?“. Der Blick auf die Temperaturanzeige – in großen roten Ziffern steht dort: zehn Grad Celsius – lässt die Zweifel größer werden.

Doch diese Gedanken sind genauso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgekommen sind. Denn nach wenigen Sekunden wird mir wieder bewusst, warum ich an diesem schäbigen Samstag auf meine Leeze gestiegen und bei Sturm und Nieselregen von Walstedde nach Stewwert gefahren bin: Die Vorfreude, mich endlich wieder in die Fluten des Erlbades stürzen und meine Bahnen ziehen zu können, war einfach zu groß.

Schließlich löste bereits die Nachricht am Donnerstag, dass das beliebte Freibad im Rahmen des Modellprojektes „#digitalvscorona“ des Kreises Warendorf am Pfingstsamstag in die neue Badesaison starten darf, die ersten Glücksgefühle aus.

Einige Vorbereitungen nötig

Bis ich dann aber wirklich in das 50 mal 21 Meter große Becken steigen konnte, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Für den Besuch des Freibades ist ein maximal 48 Stunden altes negatives PCR- oder Schnelltestergebnis Pflicht – außer man ist vollständig geimpft oder genesen. Beides gilt für mich nicht, weshalb ich schnell online einen Termin zum Bürgertest bei meiner Hausärztin vereinbare.

Dort muss ich am Freitagmorgen Geduld mitbringen. Schließlich herrscht auch in der Gemeinschaftspraxis am Nordholter Weg Hochbetrieb. Nach einer Viertelstunde lichtet sich die Warteschlange und ich darf direkt zum Testraum durchgehen. „Keine Sorge. Wir müssen mit den Stäbchen nicht mehr so tief in die Nase rein“, beruhigt mich Susanne Lück. Nach wenigen Sekunden ist die Prozedur abgeschlossen, und ich darf die Praxis verlassen. Vorher verrät mir die Ärztin noch, dass sich bei ihr im Haus im Schnitt 20 bis 30 Patienten am Tag testen lassen.

Bei zehn Grad Außentemperatur trauten sich die ersten Mutigen am Samstag ins Wasser. Foto: Foto: Simon Beckmann

Die 15 Minuten Wartezeit verbringe ich vor der Praxis bei herrlichem Sonnenschein. „Hoffentlich ist das Wetter morgen genauso“, denke ich mir. Wenige Zeigerumdrehungen später bringt mir eine Arzthelferin mein Ergebnis: negativ. Im Anschluss buche ich mir über die Homepage der Stadt Drensteinfurt einen Zeit-Slot für das Freibad. Das geht ganz unkompliziert. Dem Erlbad-Besuch steht also nichts mehr im Wege.

Nieselregen und starke Böen

Am Samstag schwinge ich mich trotz Nieselregen und starken Böen auf mein Fahrrad. „Mit dem Auto zum Schwimmen zu fahren ist irgendwie unpassend, und nass werde ich sowieso“, sage ich mir. Vor dem Erlbad ist angesichts des Wetters keine Schlange zu sehen. Ich checke mit der Luca-App ein und gehe zur Kasse. Dort zeige ich meine Buchungsbestätigung sowie mein negatives Testergebnis vor und kaufe mir eine Saisonkarte. Schließlich will ich demnächst regelmäßig im Erlbad meine Bahnen ziehen. Danach geht‘s weiter in Richtung Umkleidekabinen. Selbstverständlich ist alles ausgeschildert und mit einer Einbahnstraßenregelung versehen. Das kenne ich bereits aus dem vergangenen Jahr. Natürlich ist auch das Tragen einer medizinischen Maske im Gebäude Pflicht. Die Sammelumkleiden sind geschlossen, Toiletten- und Duschräume dürfen nur von zwei Personen gleichzeitig betreten werden.

Badegäste Claudia Knipping und Mechthild Wittenbrink

Draußen regnet es mittlerweile stärker. Die Tropfen prasseln auf die Wasseroberfläche, der Wind pfeift ordentlich, und ich sträube mich, mit meiner Schwimmbrille, meinem Handtuch und nur mit einer Badehose bekleidet in die Kälte zu gehen. „Nützt ja nichts“ und „beim Schwimmen wird dir warm“ schießt es mir durch den Kopf, während ich das Außengelände betrete. Handtuch und FFP2-Maske drapiere ich regengeschützt unter einer Bank. Danach geht es unter die kalte Dusche – und dann schnell ins 23 Grad warme Wasser.

Daumen hoch: Im 23 Grad warmen Wasser ist es gut auszuhalten. Foto: Foto: Simon Beckmann

Als ich meinen Fuß ins Becken setze, beginnt mein Herz schneller zu schlagen: „Einfach herrlich! Das hat mir in den letzten Monaten wirklich gefehlt.“ Im Anschluss ziehe ich mit einer Handvoll anderer Schwimmer, die sich ebenfalls nicht vom Wetter abschrecken ließen, meine Bahnen und genieße jede Sekunde. Ähnlich geht es Claudia Knipping und Mechthild Wittenbrink, die auf der benachbarten Bahn schwimmen. „Wir konnten es kaum erwarten, heute hierher zu kommen und hoffen natürlich, dass das Erlbad offen bleibt“, sagen die Walstedderinnen. „Alle, die heute nicht hier sind, haben was verpasst“, schieben sie grinsend hinterher. Lob haben die beiden auch für das Freibad-Team im Gepäck: „Die Abläufe funktionieren super.“

Neue Wasserrutsche aus Edelstahl

Derweil genießen Meli und Johannes – beide neun Jahre alt – die Zeit im Nichtschwimmerbereich. „Wir sind im Sommer ganz oft hier. Das ist einfach cool, wieder planschen und schwimmen zu können“, finden die beiden, die natürlich auch die neue Wasserrutsche aus Edelstahl einem ordentlichen Test unterziehen.

Unterdessen bin ich mit meinen 20 Bahnen durch, greife mir mein Handtuch und gehe schnell zur Dusche, vor der ich glücklicherweise nicht in der Kälte warten muss. „Tschüss und bis die Tage“, rufe ich nach dem Anziehen am Ausgang in Richtung Kassenhäuschen – und buche mir über mein Smartphone bereits den nächsten Schwimmtermin.

Erste Bilanz

„Bei 25 Grad und Sonne wäre heute natürlich mehr Freibad-Feeling aufgekommen“, sagt Schwimmmeister Andreas Willuweit zum Start in die Badesaison. Er habe zwar mit etwas mehr Besuchern gerechnet, finde es aber auch nicht dramatisch, dass nicht ganz so viel los sei. „So können sich unsere neuen Arbeitsabläufe besser einspielen. Wir müssen uns beispielsweise auch selbst regelmäßig testen lassen. Da steckt einige Logistik dahinter.“ Die Hauptsache sei sowieso, dass es endlich wieder losgehe. „Darauf haben wir lange hingefiebert und die Auflagen vom Kreis so schnell wie möglich umgesetzt, als wir grünes Licht bekommen haben“, erzählt der Schwimmmeister. Auch die Freude der Frühschwimmer sei entsprechend groß, weiß Willuweit zu berichten: „Der Tenor bei unseren Stammbesuchern ist eindeutig: Endlich kann man wieder schwimmen. Das Wetter spielt da keine Rolle.“ Wirklich gut angenommen worden sei ebenfalls der Vorverkauf der Saisonkarten am Freitagnachmittag. „Das lief deutlich besser als gedacht“, bilanziert der Schwimmmeister zufrieden. „Das werden wir auf jeden Fall nächstes Jahr erneut anbieten.“

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