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Einsatzkontingent Minusma

Nachts auf Infrarotflug in Mali – Helilift unterstützt Bundeswehr

Ahlen

Eine dritte Maschine des weltweit agierenden Hubschrauberunternehmens Agrarflug Helilift ist startklar für den Mali-Einsatz. Die Ahlener unterstützen die Bundeswehr bei ihrem Auslandseinsatz. Dahinter steht das Einsatzkontingent Minusma.

Ulrich Gösmann

Die dritte Maschine steht in der Halle von Agrarflug Helilift für den Afrikaeinsatz bereit: Dennis Beese schickt den Super Puma H 225 in zwei Wochen nach Mali. Foto: Ulrich Gösmann

Es kann laut werden, wenn 13 Tonnen Super Puma H 225 unter rotierenden Blättern abheben – und in finsterer Nacht über dem Norden Ahlens verschwinden. Drei Mal ging der derzeit größte zivile Hubschrauber der westlichen Luftfahrt auf der Base von Agrarflug Helilift zu infrarotunterstützten Simulationsflügen in die Luft. Jetzt nimmt er Kurs auf Mali. Einsatzbereit, um im Ernstfall auch verletzte Bundeswehrsoldaten aus Kampfgebieten zu evakuieren. Hinter dem Spezialauftrag steht die Multidimensionale Inte­grierte Stabilisierungsmission der Vereinen Nationen in Mali. Kurz: Minusma. Ahlener quittierten die späten Flüge unterdessen mit teils aufgebrachten Anrufen. Es ging um die Nachtruhe.

Ölbohrinsel-Shuttle in Indien, Hochspannungsleitungsbau durch brasilianischen Dschungel, humanitäre UN-Hilfe in Nigeria: Ahlens Hubschrauberstaffel ist mit 54 Maschinen international im Geschäft. In Kürze auch wieder bei Waldbrandeinsätzen im Mittelmeerraum. Mit dem von Putsch und Bürgerkrieg gezeichneten westafrikanischen Mali betritt Agrarflug Helilift im Auftrag der Bundeswehr Neuland. Ziviler Partner mit professioneller Manpower ist der Global Helikopter Service in Kirchanschöring an der deutsch-österreichischen Grenze. Zusammen haben die Luftfahrtunternehmen aktuell 25 Spezialkräfte und zwei Hubschrauber in Mali. Beide Maschinen kommen aus Ahlen, eine dritte wird jetzt folgen.

Eine Maschine vom Typ Super Puma H 225 aus der Beese-Staffel ist bereits im Einsatzgebiet. Foto:

„Wir supporten die Bundeswehr und stellen die Rettungskette sicher“, umreißt Agrarflug-Geschäftsführer Dennis Beese das Anforderungsprofil. Im Feldlager Camp Castor seien zurzeit 1100 deutsche Soldaten stationiert. Die Hubschrauber stünden nonstop bereit, um innerhalb kürzester Zeit Verletzte oder Verwundete aus abgelegenen Gebieten zur medizinischen Versorgung in die Sanitätseinrichtungen nach Gao zu fliegen. Das auch nachts. Darüber hinaus übernehmen sie Transporte. Zum Team zählen Piloten und Techniker, Rettungssanitäter und Projektmanager. Vertragslaufzeit: zwei Jahre.

Blick ins Cockpit des Super Puma H 225 mit seinen hochsensiblen Nachtsichtgeräten. Foto:

Mit der Bell 412 hat Beese seit September 2020 einen leichten Hubschrauber vor Ort, der bis zu zwei Intensivpatienten oder drei Verletzte transportieren kann. Der Großraumflieger Super Puma H 225 verfügt über die doppelte Kapazität. Eine zweite Maschine seines Typs wird nun folgen. Vorab liefen in den vergangenen zwei Wochen drei nächtliche Trainingsflüge ab Ahlen, die jetzt abgeschlossen sind. Zwei militärerfahrene französische Piloten simulierten mit Nachtsichtbrillen und Infrarotunterstützung verschiedene Szenarien am Flughafen Münster-Osnabrück.

Das wiederum nicht ganz unbemerkt. „Das Telefon stand nicht still“, sagt Dennis ­Beese. Anrufer machten ihrem Ärger Luft, um die Nachtruhe gebracht worden zu sein. Besonders betroffen: die Wohngebiete Langst und Beesenfeld. Obwohl die Maschinen im Norden der Stadt in nördliche Richtung abzogen, schickten nördliche Winde ihren Schall wieder zurück. Für etwaige Lärmbelästigungen entschuldigt sich der 38-Jährige – mit dem Versprechen: „Wir sind damit durch. Jetzt ist Ruhe.“ Die späten Flugzeiten bis nach Mitternacht seien allerdings alternativlos gewesen. Dunkle Nacht sei in Mali etwas anderes als hierzulande.

Einmal wird der Super Puma H 225 jetzt noch abheben müssen. Dann, wenn es ab Ahlen auf den 28-Stunden-Flug in Richtung Afrika geht.

Letzte Vorbereitungen laufen für den Auslandseinsatz an der Beese-Base. Foto:
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