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Maskenpflicht aufgehoben

Große Freiheit: Ahlen nimmt ab

Ahlen

Maskenlos durch die Ahlener Fußgängerzone: Passanten tun sich am Mittwoch noch schwer, loszulassen. Die einen wissen es noch nicht, andere wollen es noch nicht. Wieder andere fühlen sich frei!

Ulrich Gösmann

Das nächste Schild verschwindet. Foto: Ulrich Gösmann

Passant Heinz Bussemas strahlt. Nichts ist verdeckt, was sein Glück verstecken könnte: „Ohne Maske kommt ein Stück Wohlgefühl zurück“, schwärmt er. Ehefrau Ursula atmet tief durch: Jetzt beschlage auch ihre Brille nicht mehr. Große Freiheit am Mittwoch in der Ahlener Fußgängerzone. Langsam spricht sich herum, dass die Maskenpflicht auf Straßen und Plätzen aufgehoben ist. Ausnahme: der Marktplatz, wenn denn Markt ist.

Sprung in den südlichen Stadtteil „Mexiko“: Er macht beim großen Abnehmen den Anfang. Volker Putze und An­dreas Bieckmannarbeiten sich Schild für Schild vor. Was sie im Oktober aufgehängt haben, kommt jetzt runter. Die beiden Mitarbeiter der Straßenunterhaltung sind diesmal allein unterwegs. Damals, erinnert sich Putze, seien es mehrere Trupps gewesen, als es darum gegangen sei, 300 Maskenschilder in möglichst kurzer Zeit an exponierten Stellen zu installieren. Bei der Demontage scheint‘s nicht ganz so eilig zu sein. Von der Gemmericher Straße geht‘s weiter auf die Hansastraße, vorbei am Kirmesplatz und der Rottmannstraße in die Innenstadt, die erst am Donnerstag auf dem Plan steht.

„Es gab Stellen, wo man gut dran kam“, lässt Volker Putze wissen – und meint augenzwinkernd andere, die sich ihr Sammlerobjekt sicherten. Am Büz-Parkplatz hätte gleich dreimal nachgelegt werden müssen. Kurios auch, was mit Schildern rund um die Marienkirche passierte. Sie standen eines Morgens demontiert vor allen Türen. Warum auch immer.

Ja, ohne! Tanja Teufel will es zunächst nicht ganz glauben. Foto:

Teils mit Schellen befestigt, teils mit Strapsen: Die richtigen Stellen zu finden, sei nicht ganz einfach gewesen, sagt der 54-Jährige. Masten, an denen bereits Verkehrsschilder hingen, seien für weitere Anhängsel tabu gewesen. Vereinzelt hätte sogar Draht um Baumstämme gezogen werden müssen.

Aus Spaß in der Fußgängerzone, um zu gucken, wie die Leute unterwegs sind. Sabrina Prause und Andreas Sidon. Foto:

Ortswechsel! Fußgängerzone, Mittwoch, elf Uhr: Sa­brina Prause und An­dreas Sidon haben sich ganz spontan auf den Weg gemacht. „Ich hatte richtig Spaß daran, zu gucken, wie sich die Leute verhalten“, gesteht die Ahlenerin. Und? Noch seien die Maskenträger in der Überzahl. Unter ihnen Tanja Teufel. Ja, sie habe es in der Zeitung gelesen. So wirklich glauben konnte sie es aber nicht. Mit dem Lastenrad unterwegs, nimmt sie auf halber Höhe der Einkaufsmeile die Maske dann doch ab – und atmet tief durch. Herrlich sei‘s. Und: „So langsam kann ich das Ding auch nicht mehr im Gesicht haben.“

Freude über ein Stück Freiheit: Heinz und Ursula Bussemas genießen den Einkaufsbummel. Foto:

Finden auch die Eheleute Bussemas. Sie: zweimal geimpft. Er: einmal. Was die neue Freiheit wiederum einschränke. „Ich darf noch nicht mit ins Geschäft“, berichtet Heinz Bussemas schmunzelnd. Es sei denn, er habe einen Negativtest dabei. Mit der Option auf einen Kaffee im Straßencafé bei diesem herrlichen Sonnenschein sei das allerdings einen Umweg wert.

Gisela Kirwald und Christine Welzig setzen weiter auf den Schutz ihrer Masken. Foto:

Gisela Kirwald und Christine Welzig wissen um die Aufhebung der öffentlichen Maskenpflicht, tragen den Schutz aber trotzdem. „Ich bin heute das zweite Mal geimpft worden. Das ist mir noch zu früh“, sagt Gisela Kirwald. Auch ihre Begleiterin will weiter auf Sicherheit und Schutz setzen, denn: „Viele nehmen keine Rücksicht.“ Insbesondere in Supermärkten, wo sich Kunden mitunter auf die Füße träten.

Viel zu früh, findet Wochenmarkt-Sprecher Heinrich Schwippe. Foto:

Mit dem Wochenmarkt ist Ahlen ein letzter öffentlicher Ort unter freiem Himmel geblieben, an dem die Maskenpflicht noch gilt. Geflügelhändler Heinrich Schwippe, seines Zeichens auch Sprecher der Marktbeschicker, hört am Mittwoch viele Meinungen über die Verkaufstheke. Sein Fazit: „Viel zu schnell, was da jetzt so alles geöffnet wird. Man hätte es auch noch eine Weile vertragen können.“ Neue Irritationen seien da. Den Kunden müsse nun klargemacht werden, dass auf dem Wochenmarkt die Maskenpflicht weiter gelte, außerhalb aber nicht.

Auf den Augenblick ein „Prost“. Iris Schakau und Gabi Krzewina stoßen mit einem Bier to go an. Foto:

Iris Schakau und Gabi Krzewinagenießen die zurückgewonnene Freiheit am Rande des Marktplatzes – bei einem Bier to go. „Wir haben uns zufällig im Reisebüro getroffen“, sagt eine der beiden Schwestern. Das letzte Pils im Freien habe es im Herbst gegeben. Insofern sei es im Moment egal, ob es gerade 11 oder 18 Uhr sei. Ihre Devise: den Moment genießen. Denn wer wisse schon...

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