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Vereinsgründung vor 375 Jahren

Zeitgeist nicht überbeanspruchen

Ochtrup

Der Schützenverein Lau-Brechte hat Geburtstag. Gefeiert werden die 375 Jahre zwar nicht, aber Ehrenvorsitzender Hubert Eilert und Vorsitzender Ingo Krabbe haben anlässlich des Jubiläums in der Vereinsgeschichte gestöbert.

Anne Steven

Otto Möllenkotte und Tekla Janning regierten als erstes Königspaar nach dem Krieg den Schützenverein Lau-Brechte. Dessen Wurzeln gehen bis ins Jahr 1645 zurück. Foto: Archiv Schützenverein Lau-Brechte

Der Schützenverein Lau-Brechte hat Geburtstag. Gefeiert werden die 375 Jahre zwar nicht, aber Ehrenvorsitzender Hubert Eilert und Vorsitzender Ingo Krabbe haben anlässlich des Jubiläums in der Vereinsgeschichte gestöbert.

Von den Anfängen des Schützenvereins Lau-Brechte

Handfeste Beweise, dass der Schützenverein Lau-Brechte tatsächlich im Jahr 1645 gegründet wurde, gibt es nicht. Wie bei vielen anderen Vereinen auch, entstand der Zusammenschluss in der Zeit des zu Ende gehenden Dreißigjährigen Krieges. „Die Bauerschaft lag außerhalb der Stadtmauern und musste sich deshalb besonders schützten“, weiß Hubert Eilert. „Die in der Ochtruper Brechte herrschenden Verhältnisse im Gründungsjahr lassen sich aufgrund der geschichtlichen Überlieferung einigermaßen abschätzen, so dass die Vereinsgründung im Jahr 1645 als wahr angesehen wird“, heißt es dazu in der Vereinschronik. Dort findet sich zudem eine Arztrechnung aus dem Jahr 1828. Es ist das älteste Dokument im Vereinsarchiv. „Beim Schützenfest im Jahr 1828 gab es einen Unfall“, erzählt Hubert Eilert. „Dem Johann Bernhard Jan Mieling platzte beim Laden ein Gewehr. Hierbei wurden vier Personen verletzt. Ärzte waren zu der Zeit in Ochtrup nicht ansässig und so kam der Burgsteinfurter Arzt Johann-heinrich Gempt per Pferd nach Ochtrup geritten, um die ärztliche Versorgung vorzunehmen“, ist in der Chronik nachzulesen. Die Rechnung hatte es offenbar in sich: 51 Taler, 17 Groschen und fünf Stüber (in heutige Währung umgerechnet etwa 2000 Euro) waren fällig. Nach und nach stotterte die Familie von Jan Mieling den Betrag ab. Sie habe sogar einen Teil des Geldes bei Freunden und Bekannten leihen müssen, heißt es in Vereinschronik.

Die älteste noch vorhandene Plakette stammt aus dem Jahr 1901. Damals war Hermann Duesmann Schützenkönig. Im Zweiten Weltkrieg ruhte das Vereinsleben. Erst 1948 nahm es auf Initiative des damaligen Vorsitzenden und späteren Königs Otto Möllenkotte wieder Fahrt auf. 1950 holte er den Vogel von der Stange und erkor Tekla Janning zu seiner Königin. Das alles steht in der Vereinschronik, die der Verein anlässlich des 350-jährigen Bestehens im Jahr 1995 in einer Festschrift herausgebracht hat.

Eine Arztrechnung aus dem Jahr 1828 dokumentiert einen Schießunfall beim Schützenfest. Foto: Archiv Schützenverein Lau-Brechte

Ein fast perfektes Jubiläum

„Ach, das war schön“, der Ehrenvorsitzende gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn an das Jubiläum vor 25 Jahre denkt. Mehr als ein Dutzend Gastvereine waren damals mit von der Partie. „Und das Wetter war auch toll“, erinnert sich Eilert. Ingo Krabbe hatte damals eine richtige Festwoche. Freitags stand sein Abiball auf dem Programm, samstags ging es gleich weiter zum Jubiläumsschützenfest. „Am Sonntag war es so warm, dass wir jungen Leute uns Zitroneneis ins Bier getan haben“, erzählt er lachend.

Alles in allem ein fast perfektes Jubiläum. Nur die Festmesse durfte damals aus unerfindlichen Gründen nicht im Zelt stattfinden. Das hätten die Verantwortlichen um Ingo Krabbe zum 375. Geburtstag anders gemacht. Ansonsten sollte die Festfolge von damals noch einmal aufleben.

Doch daraus wird nun coronabedingt nichts. Ein Nachholtermin im kommenden Jahr ist ebenfalls keine Option. „Wir bleiben im Turnus“, stellt Ingo Krabbe klar. Schließlich käme man andernfalls Nachbarvereinen in die Quere.

Am Wochenende vor Christ Himmelfahrt

Traditionell feiern die Lau-Brechter ihr Schützenfest am Wochenende vor Christi Himmelfahrt. „Das hing früher wohl mit dem geringeren Arbeitsaufkommen in der Landwirtschaft in diesem Zeitfenster zusammen“, vermutet Hubert Eilert. Eine Zeit lang sei beim Vogelschießen auch noch darauf geachtet worden, dass der König bis 18 Uhr feststand. „Damit die Mitglieder mit Milchvieh melken konnten“, erklärt Ingo Krabbe. Doch mittlerweile ziehe man den königlichen Wettkampf bis in den frühen Abend, um ihn mit einem gemütlichen Kommerz ausklingen zu lassen.

Schützenfest ist ein Familienfest

Das Schützenfest sei darauf ausgerichtet, ein Fest für die ganze Familie zu bleiben – deswegen auch der Beginn des Vogelschießens am Nachmittag. Zum Königsball kommt der Verein erst am Montagabend zusammen. Am Dienstag geht das Fest mit einem Spaziergang durch den Vereinsbezirk zu Ende. „Der Verein ist immer da“, freut sich Ingo Krabbe über den großen Zuspruch der Mitglieder auch wenn es darum geht, Arbeitseinsätze zu stemmen oder den Festvorstand zu bestücken. „Das Berufsspektrum ist mittlerweile breiter geworden“, hat Ingo Krabbe festgestellt. Der Ehrenvorsitzende und sein Nachfolger sind beruflich übrigens im Bankwesen beheimatet. Es sei aber für den Verein unbestreitbar praktisch, viele handwerklich begabte Menschen in seinen Reihen zu haben. „Es gibt schließlich immer etwas zu tun“, schmunzelt Hubert Eilert.

Beteiligung kann sich sehen lassen

Auch beim Schützenfest könne sich die Beteiligung sehen lassen. Der Verein gehört mit aktuell etwa 170 Mitgliedern zu den kleineren Zusammenschlüssen in Ochtrup. „Und wir haben keine hohe Fluktuation“, weiß Hubert Eilert. Auch wer der Wester-Bauerschaft den Rücken kehre, bleibe oft im Verein. „Die Mädels verdonnern ihre Freunde sogar manchmal regelrecht dazu, in unseren Verein einzutreten, damit sie weiter mitfeiern können“, erzählt Ingo Krabbe grinsend.

Die Sache mit dem Zeitgeist

Im Verein sei der persönliche Kontakt zu den Mitgliedern besonders wichtig. „Wir haben uns bis heute dagegen gewehrt, die Beiträge per Bankeinzug einzuziehen“, berichtet der Vorsitzende sichtlich stolz.

Nichtsdestotrotz müsse auch ein Schützenverein mit der Zeit gehen. „Aber es gilt, den Zeitgeist nicht überzubeanspruchen“, betont der 45-Jährige. Veränderungen müssten behutsam eingeführt werden. So sei es früher undenkbar gewesen, ein unverheiratetes Königspaar zu haben. „Da hat es unter der Vogelstange so manche Verlobung gegeben“, erinnert sich Hubert Eilert lachend. Das sei heute eigentlich kein Thema mehr. „Nur manchmal wird noch nachgefragt“, wirft Ingo Krabbe lächelnd ein.

Majestäten seit 1995

1995: Theo Tillmann-Janmieling und Roswitha Janmieling.1997: Bernhard und Monika Eiling.1999: Heinrich und Änne Lücker2001: Josef und Rita Grotegerd2003: Josef und Marlies Tillmann2005: Christian Eilert und Yvonne Bülter2007: Heinz und Maria Hillers2009: Heiner und Maria Holtmann2011: Ludger und Christiane Tillmann2013: Karl und Maria Tillmann2015: Werner und Marianne Holtmann2017: Theo und Agnes Tillmann2019: Tobias und Jana Hölscher.

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