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Zu Besuch im Impfzentrum

Wo ein Rad ins andere greift

Ladbergen/Greven

Eigentlich sitzt Klaus Buddemeier im Personalrats-Büro der Kreispolizei in Steinfurt. Momentan schließt sich für den Ladberger ab 14 Uhr noch die Spätschicht im Impfzentrum am Flughafen Münster/Osnabrück an. Dort ist der der Stellvertreter des operativen Leiters. Was er macht? Die WN haben ihn besucht.

Mareike Stratmann

Der Blick aufs Impfzentrum am FMO: Der Ladberger Klaus Buddemeier ist dort seit Mitte Februar als Stellvertreter des operativen Leiters im Einsatz – und zuständig „für irgendwie alles“, wie er schmunzelnd sagt. Foto: Mareike Stratmann

Einen Moment innehalten. Durchatmen. Wenn Klaus Buddemeier während seines Dienstes durch das Impfzentrum eilt, ist die Galerie des Flughafens Münster/Osnabrück so ein Ort, an dem er gerne kurz verweilt. Denn von dort oben hat er unter anderem den Ausgang im Blick. Fortlaufend kommen Frauen und Männer durch die Tür, die kurz zuvor ihre Impfung gegen das Corona-Virus erhalten haben – viele haben ein Lächeln im Gesicht. Und spätestens dann wird dem Ladberger wieder bewusst, wie wichtig das ist, was dort seit dem 8. Februar passiert.

Normalerweise sitzt der 52-Jährige im Personalrats-Büro der Kreispolizei in Steinfurt, aktuell schließt sich ab 14 Uhr die Spätschicht als Stellvertreter des operativen Leiters des Impfzentrums in der Hüttruper Heide an. Für ein halbes Jahr ist er dorthin abgeordnet worden, um Stefan Steinigeweg zu entlasten. Klaus Buddemeier erinnert sich noch gut an jenes Gespräch mit dem stellvertretenden Kreisbrandmeister, in dem Steinigeweg ihn gebeten habe, an den FMO zu kommen. „Ich habe spontan ,das kann ich gar nicht‘ gesagt“, lacht Buddemeier heute – ziemlich genau drei Monate, nachdem er die Aufgabe dort übernommen hat. Denn zwischen Anruf und erstem Dienst lagen gerade mal zwei Tage. Und so ist der Ladberger seit dem 10. Februar selbst mittendrin im Kampf gegen das Corona-Virus.

Seine Aufgabe: „Irgendwie alles“, schmunzelt Buddemeier, der sich selbst in Stresssituationen seine gute Laune nicht nehmen lässt. Und solche Momente gibt es durchaus. Wenn Leute aufgebracht sind und bis ins Letzte diskutieren wollen, warum sie noch nicht impfberechtigt sind. Wenn er wieder und wieder erklären muss, was es mit den jüngsten Erlassen des Landes auf sich hat und dafür nicht selten wenig Verständnis erntet. Oder wenn kurzfristig hunderte Impftermine dazwischen geschoben werden, dafür Impfdosen, Spritzen, medizinische Masken oder auch das Wasser für den Betreuungsraum bestellt werden müssen.

„Ein bisschen ist man Mädchen für alles“, sagt er, als ihm ein Zettel hereingereicht wird, dass gleich drei Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die neu im Impfzen-trum eingesetzt werden sollen, noch ihre notwendige Impfung erhalten müssen. Auch das muss er koordinieren. Weitere Beispiele: Wenn Ärzte zwischendurch für Liegendtransporte rekrutiert werden müssen, um Patienten im Rettungswagen die notwendige Dosis zu verabreichen. Oder wenn vor Ort mitunter auch Termine für die Zweitimpfung ausgemacht werden.

Das Aufgabenspektrum ist lang und vielfältig – und es beginnt Tag für Tag mit dem Studium zahlreicher E-Mails, um auf dem aktuellsten Stand zu sein. Es folgt der routinemäßige Gang durchs Impfzentrum – von der ersten Kontrolle am Eingang, zum Check-In und vorbei an den Kabinen, in denen die Aufklärungsgespräche stattfinden. Er lässt den Reinraum rechts liegen, wo non-stopp die Impfdosen vorbereitet und wenige Meter weiter verabreicht werden. Wo er auch hinkommt, ist er Ansprechpartner für die Mitarbeiter und schaut nach dem Rechten. Nachdem er den Betreuungsraum verlassen hat, geht‘s weiter zum Ausgang, wo die Geimpften ihre Unterlagen zurückbekommen. Und wo auch schon mal eine Träne verdrückt wird, weil der ein oder andere so erleichtert ist, endlich gegen den SARS-CoV-2-Erreger immunisiert worden zu sein, wie Buddemeier berichtet. „Das sind tolle Momente.“

Kurze Zeit später sitzt er wieder an seinem PC. Das Handy klingelt. Neue Aufgaben warten. Unter anderem ist zu klären, wer für etwaige Restdosen der Vakzine am Abend infrage kommt. Momentan sind das beispielsweise Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis, die in der Gefahrenabwehr tätig sind. Auch dafür zeichnen Buddemeier und seine Kollegen verantwortlich. Und dann wird sein Gesichtsausdruck ernst: „Denn natürlich wird bei uns auch nicht eine Ampulle vernichtet“, stellt der Ladberger unmissverständlich klar. Ein Vorwurf, mit dem die Verantwortlichen aber immer mal wieder konfrontiert werden.

Läuft alles glatt, sind abends, wenn Klaus Buddemeier zwischen 21 und 22.30 Uhr den Schlüssel zum Büro der Impfleitung umdreht, rund 1700 bis 1800 weitere Personen gegen Covid-19 geimpft. Das treibt ihn und seine Kollegen an. „Und das klappt nur, wenn ein Rad ins andere greift. Und das tut es.“ Davon ist der Ladberger überzeugt. „Wir haben hier ein tolles, eingespieltes Team“, sagt er über seine Kollegen am FMO. Man kann deutlich heraushören, dass er den vorübergehenden Wechsel ins Impfzentrum nicht bereut hat. Auch wenn es nur wenige Momente zum Innehalten gibt.

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