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Ochtruper und Gronauer nach Überfall auf Tankstelle vom Landgericht verurteilt

Vier Jahre Haft und Drogentherapie

Ochtrup/Gronau

Um ihren Drogenkonsum zu finanzieren, haben zwei Männer aus Ochtrup und Gronau eine Tankstelle überfallen. Vor dem Landgericht Münster sind sie jetzt deswegen zu vier Jahren Haft und einer Drogentherapie verurteilt worden.

Norbert Hoppe

Vor dem Landgericht Münster mussten sich jetzt zwei Männer aus Ochtrup und Gronau verantworten. Si sind nach einem Rauberfall auf eine Tankstelle zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Foto: Jürgen Peperhowe

Zu einer Freiheitsstrafe von jeweils vier Jahren verurteilte die 9. Große Strafkammer beim Landgericht Münster am Mittwoch zwei 49 und 31 Jahre alte Männer, einer aus Ochtrup und der andere ohne festen Wohnsitz. Wie berichtet waren die beiden angeklagt, im November des vergangenen Jahres gemeinschaftlich eine Tankstelle an der Ochtruper Straße in Gronau überfallen und dabei 525 Euro erbeutet zu haben.

Für das Gericht stand nach der Einlassung der Angeklagten und der Beweisaufnahme fest, dass sich beide durch planvolles Vorgehen und gemeinschaftlich getroffener Absprachen der schweren räuberischen Erpressung schuldig gemacht haben. Danach haben die beiden verurteilten Straftäter am frühen Morgen des 21. November nacheinander den Verkaufsraum der Tankstelle betreten. Der jüngere der beiden bestellte bei der Mitarbeiterin ein Käsebrötchen, womit er die junge Frau davon ablenkte, dass sein Kumpan ebenfalls das Geschäft betrat, sich sofort in Hockstellung hinter der Theke versteckte und mit einer vorgehaltenen Spielzeugpistole die Kassiererin aufforderte, ihm den Inhalt der Kasse auszuhändigen. Da sie nicht erkennen konnte, ob es sich um eine echte oder unechte Waffe handelte, öffnete sie die Kasse und übergab ihm die nächtlichen Einnahmen von 525 Euro. Auf der Flucht wurde der ältere der beiden Männer von der alarmierten Polizei aufgegriffen, der zweite Täter wurde am folgenden Tag festgenommen.

Uneingeschränkt straffähig

Die Staatsanwältin hatte genau diese Höhe der Strafe in ihrem Plädoyer gefordert. Sie beschuldigte die Angeklagten, gemeinsam den Tatplan geplant zu haben, weil beide finanziell klamm waren und unbedingt Geld für ihren erheblichen Drogenkonsum brauchten. Sie hatten noch in der Tatnacht in Enschede Kokain besorgt und in der Wohnung eines Bekannten geraucht. Da die Vorräte verbraucht waren, stellte sich bei ihnen die Angst ein, möglicherweise in der nächsten Zeit kein Kokain erwerben zu können. Diese Angst sei gerade unter kokainabhängigen Menschen stark ausgeprägt, bestätigte eine Sachverständige. Sie bestätigte in ihrem psychologischen Gutachten trotzdem für beide Angeklagten die uneingeschränkte Steuerungsfähigkeit und die strafrechtliche Verantwortlichkeit. Sie empfahl dem Gericht, für beide eine zweijährige Drogentherapie in einer Entziehungsanstalt zu verordnen. Ohne eine erfolgreiche Behandlung sei abzusehen, dass nach der Entlassung aus dem Gefängnis der Drogenkonsum und die notwendige Beschaffungskriminalität wieder aufgenommen würden. Auch für den Aufenthalt im Gefängnis könne die Möglichkeit des Drogenkonsums nicht ausgeschlossen werden.

Auf Freispruch plädiert

Die Verteidigerin des älteren Angeklagten führte an, dass ihr Mandant erst im Alter von 45 Jahren das erste Mal wegen des Besitzes und des Handels mit Kokain straffällig geworden sei. Außerdem habe er eine geregelte Berufsausübung in der Gastronomie vorzuweisen. Sie hielt eine Freiheitsstrafe von von zwei Jahren und sechs Monaten für angemessen, gleichzeitig sollte eine stationäre Drogentherapie angeordnet werden.

Den zweiten Angeklagten hielt sein Verteidiger höchstens der Beihilfe zu einer einfachen räuberischen Erpressung für schuldig. Keinesfalls könne von einer gemeinschaftlich begangenen schweren räuberischen Erpressung ausgegangen werden. „Allein die physische Präsenz am Tatort ist als Beweis für die vorgeworfene Straftat nicht ausreichend“, meinte der Anwalt und beantragte, seinen Mandanten freizusprechen.

Zwei Jahre Maßregelvollzug

Die Strafkammer folgte in ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verhängte für beide eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Dabei berücksichtigte sie auch die einschlägigen Vorstrafen der Angeklagten, für die sie bereits zu Haftstrafen verurteilt waren. Außerdem werden beide zunächst zwei Jahre im Maßregelvollzug verbüßen, um dort eine Entziehung und eine Therapie zu absolvieren. Die bereits verbüßte Untersuchungshaft wird beim Strafvollzug angerechnet, der erlassene Haftbefehl bleibt in Kraft.

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