Kopfhörer im Straßenverkehr

Unfallrisiko steigt mit der Lautstärke

Ochtrup

Musik hören beim Joggen oder Fahrradfahren ist beliebt. Und auch erlaubt. Doch im Straßenverkehr sollte die Lautstärke so angepasst werden, dass Geräusche aus der Umgebung wahrgenommen werden.

Anne Steven

Kopfhörer können Verkehrsteilnehmer schnell vom Wesentlichen ablenken. Foto: colourbox.de

Kopfhörer liegen voll im Trend. Sie sind praktisch und liefern eine tolle Klangqualität. Dabei gibt es sie heute meistens komplett ohne nervige Kabel. Wer also unterwegs die Lieblingsmusik, am besten in voller Lautstärke, das spannende Hörbuch oder den interessanten Podcast hören möchte, bitteschön. Doch aufgepasst: Im Straßenverkehr sind Kopfhörer zwar nicht untersagt, doch sie können leicht zum Unfallrisiko werden.

„Grundsätzlich ist das Tragen von Kopfhörern im Straßenverkehr nicht verboten“, stellt Martin Weide-Drees von der Kreispolizeibehörde Steinfurt im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten klar. Allerdings empfehle die Polizei dringend, dies nicht zu tun.

Noise-Cancelling

„Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden kann“, zitiert der Pressesprecher den entsprechenden Paragrafen 23 der Straßenverkehrsordnung. Vor allem von solchen Kopfhörern, die Nebengeräusche ausschalteten und den Fahrer damit regelrecht von der Außenwelt abschotteten, sei abzuraten.

Doch auch laute Musik aus dem Autoradio, Telefongespräche oder lautstarke Unterhaltungen während der Fahrt können das Unfallrisiko erhöhen, weil der Fahrer abgelenkt werde. Die volle Konzentration des Autofahrers müsse immer dem Straßenverkehr gelten, betont Martin Weide-Dress.

Fußgänger sind vom genannten Paragrafen der Straßenverkehrsordnung nicht betroffen. Doch auch, wenn Menschen, die sich mit Kopfhörern im Straßenverkehr bewegen, mittlerweile zum Alltag gehören, rät Martin Weide-Drees, auf Kopfhörer zu verzichten. Zu leicht werde der Verkehrslärm von Musik übertönt. Wer unbedingt beispielsweise beim Sport Musik auf den Ohren brauche, sollte wenigstens die Lautstärke nur soweit aufdrehen, dass Umgebungsgeräusche wie etwa ein herannahendes Auto, Busse oder klingelnde Fahrradfahrer gehört würden.

Große Ablenkungsgefahr

Letztere gelten übrigens wie Autofahrer als Fahrzeugführer und sollten deshalb besser auf Kopfhörer verzichten. „Die Ablenkungsgefahr ist einfach zu groß“, weiß Martin Weide-Dress. Viel zu schnell könnten so schwere Unfälle passieren.

Wer mit zu lauter Musik auf den Ohren erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Im schlimmsten Fall kann es sein, dass der Musikliebhaber bei einem Unfall eine Mitschuld trägt.

In der Politik wird, das ergab eine Internet-Recherche, immer wieder darüber diskutiert, zum Beispiel MP3-Player ganz aus dem Straßenverkehr zu verbannen. Konkret sind diese Verbote aber bislang nicht geworden. „Man sollte sich vor Augen führen, dass nicht alles, was erlaubt ist, auch vernünftig ist“, mahnt Martin Weide-Drees.

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