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Statt Vorträgen und Ausflügen: Landfrauen im Einsatz gegen Corona

Testen, was das Zeug hält

Ladbergen

Das Vereinsleben ruht, bis auf gelegentliche Online-Treffen des Landfrauen-Vorstands. Kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen,meinen Helga Hilgemann, Elfriede Hötzel, Ingrid Krümpelmann und Annette Beermann. Sie packen im im Corona-Testzentrum mit an.

Mareike Stratmann

Im Einsatz im Testzentrum anstatt unterwegs mit den Landfrauen: Helga Hilgemann, Foto: Mareike Stratmann

Eigentlich hätten sie vor wenigen Wochen eine Musical-Gala besucht, dann einem medizinischen Vortrag beigewohnt und ihre traditionelle Maiwanderung gemacht. Außerdem war für diesen Monat eine Tagesfahrt nach Lingen geplant, und Anfang Juni sollte die Rosen-Gärtnerei Freytag in Münster-Handorf besichtigt werden. Eigentlich. Denn natürlich ereilt die Landfrauen seit nunmehr 15 Monaten dasselbe Schicksal wie die übrigen Vereine: Gemeinsame Aktivitäten während der Corona-Pandemie – Fehlanzeige. Das Vereinsleben, sagt Martina Vennemann, liegt brach. Außer ein paar Vorstandstreffen via Internet hat nichts stattfinden können. Es bleibt Zeit für andere Dinge – zum Beispiel, um im Corona-Testzentrum der Apotheke am Rott einzuspringen.

Seit Ende März werden dort bis zu 100 Menschen täglich auf den SARS-CoV-2-Erreger getestet. Und Helga Hilgemann, Elfriede Hötzel, Ingrid Krümpelmann und Annette Beermann sind mittendrin. Als die Anfrage von Stefan Leugermann über eine Mitarbeiterin an die Landfrauen herangetragen wurde, „haben wir spontan gesagt, dass wir helfen wollen“, erzählen die vier Vorstandsmitglieder. Und schon wenige Tage später hätte das Quartett nach einer entsprechenden Schulung gemeinsam mit Studenten und Schülern die ersten Tests durchgeführt.

„Wir nehmen die Rachenabstriche, die jungen Leute, die am Ipad noch geübter sind, kümmern sich um die technische Abwicklung“, schildern sie im Telefongespräch mit den Westfälischen Nachrichten lachend.

Berührungsängste? Sorgen, sich mit Covid-19 anzustecken? Kurze Stille, dann hört man ein entschiedenes „Nein“ am anderen Ende der Leitung. Für alle vier sind die Schnelltests neben der Impfung der Schlüssel dazu, die Pandemie zu bekämpfen. „Entsprechend wichtig ist, dass wir viel testen.“

Und wie fallen die Tests aus? Bislang habe man im Testzentrum am Rott – eine von drei Teststellen im Ort – nur eine Handvoll positiver Tests gehabt. „Aber soweit wir wissen, haben die sich nach dem PCR-Test als falsch herausgestellt“, geben sie einen Einblick in ihre Arbeit, der sie zweimal pro Woche in unterschiedlichen Schichten nachgehen.

Helga Hilgemann, Elfriede Hötzel, Ingrid Krümpelmann und Annette Beermann wollen nicht verhehlen, dass ihr Einsatz im Testzentrum finanziell honoriert wird. „Aber wir hätten es auch sonst gemacht“, versichern sie. Und auch ans Aufhören hat noch keine der Frauen gedacht, wie sie übereinstimmend berichten. Auch wenn sie sagen, dass das Tragen der vollständigen Schutzkleidung über viele Stunden „nicht ohne“ ist. „Das hat einem noch einmal dem Blick dafür geöffnet, was unter anderem Pflegekräfte während der Corona-Pandemie Tag für Tag leisten“, sagen sie. „Das kann man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen.“

Aufhören wollen sie nicht, „auch wenn es natürlich schön wäre, wenn die Tests möglichst schnell überflüssig werden“. Und vor allem wäre es toll, wenn das normale Vereinsleben Stück für Stück wieder Einzug halten könne. Ob sie eine Prognose wagen? „Nein“, sagt Martina Vennemann. „Das trauen wir uns noch nicht. Wir haben viele Aktivitäten direkt ins nächste Jahr verschoben – teilweise schon aus 2020.“

Für Vereine, sagt Elfriede Hötzel, „ist das zweifellos eine schwere Zeit. Aber wir kommen da durch“, sagt sie und erntet Zustimmung von ihren Kolleginnen. Sie alle freuen sich darauf, wenn sie endlich wieder gemeinsam Sport treiben, Wanderungen planen, Ausflüge starten und Vorträge durchführen können. Wenn die Corona-Pandemie bei den Landfrauen – und vielen anderen Vereinen – endlich wieder Gemeinschaft und Geselligkeit zulässt.

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