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Abriss von St. Hedwig / Gespräch der beiden Kirchengemeinden

Stiftskirche steht Katholiken offen

Tecklenburg-Leeden

Die katholische Kirche St. Hedwig in Leeden weicht einem Seniorenzentrum. In dem Neubau kann die Kirchengemeinde eine Kapelle und einen Mehrzweckraum nutzen. Jetzt hat ein erstes Gespräch mit der evangelischen Kirchengemeinde bezüglich einer möglichen Mitnutzung der Stiftskirche stattgefunden.

Björn Igelbrink

Pastorin Ulrike Wortmann-Rotthoff zeigt Pfarrer Peter Kossen die historische Taufschale. Foto: Björn Igelbrink

„Wie könnte die katholische Kirchengemeinde die evangelische Stiftskirche mitnutzen?“ lautete die Frage bei einem ersten Austausch, zu dem sich eine kleine Delegation um Pfarrer Peter Kossen von der katholischen Kirchengemeinde Seliger Nils Stensen mit Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff und Mitgliedern des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Tecklenburg im Stiftshof traf.

„Unsere Arme sind weit offen“, betonte Ulrike Wortmann-Rott­hoff die Bereitschaft für einen ökumenischen Weg – nicht zum ersten Mal. Sie machte noch einmal deutlich, dass die katholische Gemeinde herzlich willkommen sei. Hintergrund des Treffens ist der anstehende Abbruch der katholischen Kirche St. Hedwig, voraussichtlich ab Dezember. In dem an der Stelle geplanten Seniorenzentrum soll eine kleine Kapelle entstehen mit angeschlossenem Mehrzweckraum, der der katholischen Gemeinde nach Absprache mit dem Betreiber zur Verfügung steht (wir berichteten).

Pfarrerin Ulrike Wortmann-Rotthoff

So lange „und sehr gerne auch darüber hinaus“, wie die evangelische Pastorin betonte, könnten die Katholiken die Stiftskirche mitnutzen. Beim gegenseitigen Austausch über Gottesdienstzeiten wurde schnell klar, dass sich vielleicht der sogenannte fünfte Sonntag in Zukunft für gemeinsame Gottesdienste eignen könnte. Vermutlich könnte die katholische Kirchengemeinde das Gotteshaus im Stiftsbereich am ersten und dritten Sonntag nutzen, die evangelische Kirchengemeinde dann am zweiten und vierten Sonntag im Monat.

Bei einer anschließenden Besichtigung der Stiftskirche erfuhren die Katholiken viel Interessantes, zum Beispiel über das Schicksal des Kirchbaus zum Ende des Zweiten Weltkrieges mit der Bombardierung des Gotteshauses und der umliegenden Gebäude, die viele Zivilisten und Flüchtlinge das Leben kostete.

Ulrike Wortmann-Rotthoff öffnete sogar den Tresor, um die historische Taufschale aus dem 16. Jahrhundert vorzustellen: „Diese ist auch ein Zeichen für unsere gemeinsame Wurzeln“, betonte sie. Pfarrer Peter Kossen äußerte sich dankbar für die angebotene Gastfreundschaft und warb dafür, sich als Kirchengäste in das Raumkonzept der evangelisch-reformierten Stiftskirche zu integrieren.

Ulrike Wortmann-Rotthoff entwickelte mit Detlef Adams und Uwe Balsmeyer die Idee, ob im hinteren Teil der Stiftskirche eine kleine „Kerzenecke“ gestaltet werden könne: „Ich nehme wahr, dass gerade in Coronazeiten dafür ein Bedarf da ist“, so Wortmann-Rotthoff.

Pfarrer Peter Kossen

Die Pfarrerin plädierte auch dafür, dass der Fisch in dem Pflaster vor der katholischen Kirche in einer gemeinsamen Aktion mit den Kommunionkindern und „Konfus-Kids“ an einen noch zu bestimmenden Ort umgelegt werden könnte. Der katholische Glockenturm könnte sich auf dem evangelischen Friedhof wiederfinden, was bei der Delegation sehr gut ankam.

Kommentar

So lebt Kirche vor OrtAn negativen Schlagzeilen mangelt es der katholischen Kirche nicht. Im Fokus steht dabei das Thema Missbrauch. Doch auch die zurückgehende Zahl der Priester und die dadurch immer größer werdenden Seelsorge-Einheiten sind kein Ruhmesblatt für die Verantwortlichen auf Bistumsebene und in Rom.

Diese und weitere Gedanken wollen beide Seiten nun in ihre Überlegungen einbeziehen und im evangelischen Presbyterium beziehungsweise im katholischen Seelsorgeteam und den entsprechenden Gremien besprechen. Danach könnten konkrete vertragliche Regelungen, unter anderem bezüglich einer Kostenbeteiligung für Raumnutzung, Heizung oder Strom, getroffen werden.

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