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Corona hat Mike und Mucki Zanella auf ein neues Vermarktungskonzept gebracht

Von der Schiefertafel zur Eisdiele 2.0

Borghorst

Ausgerechnet die klassische Schiefertafel links neben der Theke war es, die Mike und Mucki Zanella auf den Weg ins digitale Eisdielen-Zeitalter geschossen hat. „In Zeiten von Corona, in denen wir unser Eis nur auf die Hand anbieten können, ist die Tafel einfach, aber ungeheuer effektiv“, hat der Chef des alteingesessenen Betriebs „San Remo“ schnell festgestellt. „Die Leute gucken kurz drauf und wissen, was sie haben möchten.“ Die bunten Eiskarten, die sonst immer au den Tischen ausliegen, sind damit überflüssig geworden. Den Gedanken hat Mike Zanella mit Ehefrau Mucki in den letzten Monaten und Wochen weitergesponnen. Sobald Corona es erlaubt, können seine Gäste erleben, was die beiden unter „Eisdiele der Zukunft“ verstehen. . .

Axel Roll

Mike und Mucki Zanella haben sich in der Corona-Zeit Gedanken über die Eisdiele der Zukunft gemacht. Sobald die Pandemie-Maßnahmen zurückgefahren werden, kann es im Eiscafé „San Remo“ losgehen. Foto: Axel Roll

„In diesem Fall hatte Corona auch was Gutes“, erzählt Mike Zanella, der vor sieben Jahren durch den plötzlichen Tod seines Vaters ins kalte Wasser, oder besser gesagt in die kalte Milch geworfen wurde. Das klassische Tisch-Geschäft war durch das Virus plötzlich obsolet, die Zanellas mussten sich Gedanken darüber machen, wie sie ihr italienischen Spezialitäten trotzdem an den Borghorster bringen. Ihr damals ausgetüfteltes und sich mittlerweile bewährtes Selbstbedienungskonzept haben sie weiterentwickelt, mit einer Menge Hightech angereichert und durch einige bauliche Veränderungen und die Ausrichtung auf Bio abgerundet. QR-Codes, drahtlose Kundenrufer, sogenannte Pager, und – damit sind wir bei der modernsten Variante der eingangs beschriebenen Schiefertafel – ein elektronisch gesteuerter Riesen-Bildschirm, der tagsüber das Angebot wechselt: morgens mehr Kaffee und Cappuccino, mittags Eis und abends Prosecco und Wein. Mike Zanella ist überzeugt: „Damit sind wir nicht nur in Steinfurt, sondern im Münsterland ganz weit vorn.“ Außerdem hat das Ehepaar schon Pläne in der Schublade liegen, um ihr Eis auch dann an den Mann oder die Frau zu bringen, wenn ihre bekannte Eisdiele an der Nikolaistraße geschlossen hat.

Dass sie mit dem Scannen von QR-Codes – um sich die top-aktuelle Speisekarte aufs Handy zu laden – gerade ihre ältere Kundschaft überfordern, glauben die Zanellas nicht. „Außerdem werden wir immer jemanden haben als Bedienung, der sich um die Kunden kümmert.“ Um den Weg von der Theke zum Tisch unfallfrei hinzubekommen, setzt das Ehepaar auf robuste, aber stylische Gläser, kleine Töpfe und Schälchen mit Henkel.

Mit der Umstellung auf Selbstbedienung stellt das San-Remo-Team auch sein Angebot auf den Kopf. Mike Zanella lacht: „Die Zeiten der riesigen Tropicana- oder Ananasbecher sind vorbei.“ Die Portionen müssten heute kleiner sein. „Jeder achtet auf seine schlanke Linie.“ Außerdem seien Bio, regionale Produkte und die Vermeidung von Plastikmüll die Themen der Zukunft. Darum wird es im „San Remo“ künftig Becher und Löffel to go aus Holz geben.

Mit der Konzeptumstellung hofft Mike Zanella auch ein altes und immer drängender werdendes Problem aus der Welt zu schaffen: „Es wird zunehmend schwieriger, gutes Personal zu bekommen.“ An Sommerwochenenden mit 30 Grad von seinen Aushilfen im Stich gelassen zu werden, das ist für einen Eis-Gastronomen nicht lustig. . .

Mike und Mucki Zanella haben italienische Wurzeln, sind hier aufgewachsen, fühlen sich also als Borghorster und sind stolz auf ihre Stadt. „Darum können wir es nicht verstehen, wenn es immer wieder heißt, hier ist nix los“, schüttelt Mucki Zanella ihren Kopf. „Oder, dass wir hier hinterm Mond leben“, fügt Ehemann Mike augenzwinkernd hinzu. Das sei doch totaler Quatsch. „Oder wo gibt es sonst noch eine Eisdiele 2.0?“

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