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Interview mit Geschäftsführer der Dwersteg-Destillerie

Geburtstags-Eierlikör für Udo Lindenberg

Borghorst

Ludger Teriete, weiß, was schmeckt. Er leitet seit Jahrzehnten die Destillerie Dwersteg und ist Vorreiter in Sachen Bio und Regionalität. Was den Borghorster bei seiner Jagd nach neuen ausgefallenen Rezepten und was für ihn Genuss ist – der Tratsch am Telefon erzählt es.

Axel Roll

Ludger Teriete vor dem Porträt des Firmengründers Ludwig Dwersteg. Der fing vor 135 Jahren mit selbstgebranntem Wacholder an, Teriete machte daraus den Mo-Gin. Foto: Axel Roll

Guten Tag, Ludger. Als Geschäftsführer der Dwersteg-Destillerie bist Du ja quasi von morgens bis abends von – wie ich aus eigenem Probieren weiß – leckeren und edlen Tropfen umgeben. Ist unter solchen Umständen die Versuchung nicht groß, die auch regelmäßig zu verkonsumieren?

Ludger Teriete: Ich habe mich da ganz gut im Griff. Abends, vor dem Abendessen, genehmige ich mir aber seit einiger Zeit einen Quadro Nuevo auf ganz viel Eis. Ohne jetzt zu viel Reklame machen zu wollen: Das ist unser relativ neuer Aperitif aus Wermut und Rhabarber. Zum Essen mag ich am liebsten einen trockenen Weißwein, der nicht so viel Säure hat.

Riesling ist dann nicht unbedingt dein Ding?

Teriete: Ja, da hast Du Recht. Und zum Nachtisch darf es übrigens gerne mal eine Schale mit frischer Ananas, Orangen und Sahne sein. Als Krönung obendrauf dann ein bisschen Eierlikör.

Hier im Münsterland bist Du einer der Pioniere für Regionalität und Bio-Produkte. Das erste Mal habe ich vor 22 Jahren darüber geschrieben. Wie bist Du auf diese Ideen gekommen?

Teriete: In der Familie haben wir schon immer auf gesunde Ernährung geachtet. Und beim Blick auf die eigene Produktion haben wir damals gesehen, dass wir dort mit Mengen an Industriezucker und Alkohol hantierten. Diesen doppelt negativen Effekt wollten wir schnell ausmerzen und sind angefangen, mit Alternativ-Produkten zu experimentieren. So haben wir zum Beispiel mit Honig gesüßt. Daraus hat sich im nächsten Step das Einbinden von regionalen Produzenten ergeben. So war die Bio-Philosophie geboren. Aber ich gebe gerne zu: Das über die Jahre durchzuhalten, hat einiges an Energie gekostet. Von vielen wurden wir lange müde belächelt. Mittlerweile trägt dieses Durchhaltevermögen aber Früchte.

Im Aldi oder im Lidl kann ich Eure Liköre aber immer noch nicht kaufen.

Teriete: Das sollst Du auch gar nicht. Sie in diesem Umfeld anzubieten, wäre ein Widerspruch in sich. Zum einen könnte ich diese Mengen gar nicht produzieren. Bei uns ist immer noch viel Handarbeit im Spiel. Zum anderen können und wollen wir auf die im Discountersegment gezahlten Preise gar nicht eingehen. Schließlich stellen wir ganz bewusst Nischenprodukte her. Nichts für die Schickeria, aber etwas für Genussmenschen, die sich dann und wann was Besonderes gönnen wollen. Motto: Weniger ist mehr.

Darmascena-Rosenblütenlikör, Rhabarber-Wermut oder Holunderblüten – wer kommt auf solche schrägen Rezeptur-Ideen bei Euch?

Teriete: Die sind gar nicht so schräg. Wir konzentrieren uns auf alte Ansätze, die wir nur neu kombinieren. Dazu gehört dann die passende Geschichte. Beispiel Rhabarber: Wir sind hier nun mal keine Weingegend, müssen also auf anderes zurückgreifen. Und da ist der Rhabarber, der übrigens ursprünglich aus dem Himalaya kommt und von uns als Kinder nur eingetunkt in Zucker genießbar war, doch eine ganz spannende Sache.

Und woher kommen dann die Anregungen?

Teriete: Impulse gibt es in Gesprächen. Ich rede mit vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Da schnappt man immer wieder etwas auf, das man nachher im eigenen Betrieb umsetzen kann.

Gibt es eigentlich prominente Dwersteg-Trinker? Udo Lindenberg wäre doch zum Beispiel ein potenzieller Abnehmer für Euren Eierlikör?

Teriete: Udo hat in der Tat schon Eierlikör aus Borghorst getrunken. Ein ehemaliger Lehrer von ihm aus Gronau hat ihm zu seinem 70. Geburtstag eine ganze Kiste geschickt. Außerdem hat der „Stern“ eine große Geschichte über Udos Likö­rellos gemacht. Da war unser Eierlikör und der Marktführer in Deutschland dabei. Ich hoffe, Udo hat unseren getrunken und den anderen zum Malen gebraucht. Außerdem mögen Hannes Jaenicke und die Tango-Band „Quadro Nuevo“ unsere Produkte zu schätzen. Mit den Musikern tausche ich immer: CDs gegen Flüssiges.

Beim Blick auf den Geschmack der Menschen: Wo geht die Reise hin?

Teriete: Ich bin fest davon überzeugt, dass der Hype um diese überkandidelten Mega-Mischungen vorbei ist. Traditionelles, Ursprüngliches ist gefragt, das neu interpretiert werden kann. Wie Wacholder: Den Schnaps wollte lange niemand trinken. Dann hat sich die Gin-Welle entwickelt, die immer noch nicht abebbt.

Also zu meiner Zeit waren Persico und Apfelschnaps die Burner.

Teriete: Das war einmal. Mit traditionell meine ich die Rezepte aus der Gründerzeit vor dem Ersten Weltkrieg. Da ist Musik drin.

Wie seid ihr bislang durch die Pandemie gekommen?

Teriete: Emotional war es wie für die meisten schwierig. Geschäftlich aber gut. Corona hat bei vielen Menschen das Konsumverhalten geändert. Sie sind bereit, für gute Qualität zu Hause mehr Geld auszugeben.

Letzte Frage: Was ist für Dich Genuss?

Teriete: Da muss ich nicht lange überlegen: Gute Gespräche bei gutem Essen und guten Getränken.

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