1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Saerbeck
  6. >
  7. Letzte Zuflucht Pfarrheim

  8. >

St.-Georg-Gemeinde gewährt syrischem Paar Asyl

Letzte Zuflucht Pfarrheim

Saerbeck

Als das junge Paar aus Syrien kürzlich in Saerbeck eintraf, lag hinter ihm eine lange Odyssee, die 2014 mit der Flucht aus seiner Heimat begann. In Sicherheit war es da aber noch nicht. Es drohte eine Abschiebung nach Rumänien. Die St.-Georg-Pfarrgemeinde zögerte nicht lange und gewährte den Kurden Kirchenasyl

Katja Niemeyer

Werner Heckmann, Barbara Schäffer (Sprecher und Sprecherin der Ökumenischen Flüchtlingshilfe), Günter W. Denz (Flüchtlingsbeirat) und Pastoralreferentin Anja Daut (v.l.) freuen sich über die Hilfsbereitschaft vieler Saerbecker, die die katholische und die evangelische Gemeinde mit Spenden für ein syrisches Flüchtlingspaar unterstützen. Foto: Katja Niemeyer

„Die könnten passen“, ruft ein Mann der kleine Gruppe zu, die sich an diesem Freitagvormittag vor der St.-Georg-Kirche versammelt hat, und eilt herbei. In den Händen hält er zwei Paar Schuhe, eine spontane Spende des Schuhhauses Meyer, wie sich kurz darauf herausstellt. Barbara Schäffer von der Ökumenischen Flüchtlingshilfe löst sich aus der Gruppe, prüft kurz die Größen und nimmt die Sneaker entgegen. Die Hilfsbereitschaft, sagt sie, sei riesengroß.

Für ein Ehepaar aus dem Bürgerkriegsland Syrien, das vor sieben Jahren aus seiner Heimat geflüchtet war und kürzlich in Saerbeck eintraf, wurden in den vergangenen Tagen nicht nur die Schuhe, sondern auch Matratzen, Oberbetten, Bettwäsche, ein Tisch, Stühle und noch vieles ins Pfarrheim gebracht. Die katholische Kirchengemeinde hat das junge Paar aufgenommen, weil es andernfalls abgeschoben worden wäre.

2020 über Balkanroute nach Deutschland gekommen

Das Kirchenasyl war für die beiden Flüchtlinge – sie sind Muslime – die letzte Zuflucht.

Im Obergeschoss des Pfarrheims sollen sie jetzt erst einmal zur Ruhe kommen. In diesem Bericht tauchen sie deshalb auch nicht auf. Hinter ihnen liegt eine jahrelange Odyssee, die 2014 mit der Flucht aus Syrien begann. Einige Zeit hatte das Paar in der Türkei gelebt, bevor es im Oktober 2020 über die Balkanroute und Österreich nach Deutschland gelangte. So erzählt es Günter W. Denz vom Flüchtlingsbeirat, der einem Verwandten des Paares Deutsch beigebracht hatte. Der Mann, der seit einigen Jahren in Saerbeck lebt, hatte ihm immer wieder von der Flucht voller Hindernisse und Gefahren berichtet.

Als sich herausstellte, dass die beiden kurdischen Flüchtlinge in Deutschland aufgrund der Dublin-Verordnung keinen Asylantrag stellen dürfen, sei ein Anwalt zu dem Schluss gekommen, dass ihnen in dieser Situation nur noch Kirchenasyl helfen könne, erläutert Denz. Andernfalls hätten sie nach Rumänien zurückkehren müssen, dem ersten europäischen Land, in dem sie registriert wurden – und in dem sie ausgeraubt und misshandelt worden wären, so Denz weiter. „Auf gar keinen Fall“ hätten sie deshalb dorthin zurückkehren wollen.

Montag beginnt der Deutschunterricht

Die Verantwortlichen in St. Georg zögerten nicht. Kirchenvorstand und Pfarreirat gaben grünes Licht. Zuvor war eine Juristin des Bistums Münster zur Rate gezogen worden. Diese habe bestätigt, dass ein Kirchenasyl das richtige Instrument sei, um eine Abschiebung nach Rumänien zu vermeiden und das Paar zu schützen, so Werner Heckmann, Sprecher der Ökumenischen Flüchtlingshilfe. Sechs Monate dürfe die Kirchengemeinde den jungen Kurden Unterschlupf gewähren. Im Anschluss könnten sie dann ganz legal einen Antrag auf Asyl stellen, erläutert der ehemalige Pastoralreferent. Unterstützt wird St. Georg von der evangelischen Gemeinde.

Als die Gläubigen während der Messen am vergangenen Wochenende darüber informiert wurden, dass ihre Gemeinde einem syrischen Paar Kirchenasyl gewährt, habe es spontan Applaus gegeben, berichtet Pastoralreferentin Anja Daut. Viele hätten auch ihre Hilfe angeboten.

Das kurdische Paar lernt jetzt zunächst einmal Deutsch. Am Montag beginnt der Unterricht bei Günter W. Denz.

Startseite