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Die „Sanitäter vor Ort“ sind zurück

Im Einsatz für Menschen in Not

Nordwalde

Viele Monate lang mussten sie pausieren, seit Pfingstmontag sind die „Sanitäter vor Ort“ wieder im Dienst. Wenn in Nordwalde ein Notarzt gerufen wird, rücken damit auch wieder die Ehrenamtlichen vom DRK aus, um zu helfen. Sie überbrücken die Zeit, bis der Notarzt da ist.

Vera Szybalski

Christian Schlossarek hält einen Defibrillator in der Hand. Der gehört nicht zur Standardausrüstung der „Sanitäter vor Ort“, anders als die Tasche mit dem nötigsten Material. Foto: Vera Szybalski

Sie arbeiten als Schlosser, Bürokauffrau oder medizinische Fachangestellte, doch wenn der kleine Pieper sich meldet und sie Zeit haben, haben sie alle die gleiche Aufgabe: schnellstmöglich Menschen in Not zu helfen. Die Rede ist von den „Sanitätern vor Ort“ des Nordwalder DRK. Über viele Monate, von Dezember bis Pfingstmontag, war der Pieper stumm geblieben. Der Dienst war coronabedingt eingestellt worden. Seit dieser Woche sind die Sanitäter vor Ort wieder im Einsatz.

„Es war schon sehr ungewöhnlich ruhig“, sagt Christian Schlossarek über die vergangenen Monate. „Man war nicht mehr so auf Abruf.“ Der Rotkreuzleiter beim DRK Nordwalde engagiert sich seit Jahren als Sanitäter vor Ort. Bei zig Einsätzen ist er schon gewesen. Im Schnitt werden die Sanitäter vor Ort in Nordwalde alle 2,41 Tage alarmiert. Die lange Pause war ungewohnt, wenn auch nicht ganz neu, weil Mitte vergangenen Jahres der Dienst coronabedingt bereits einmal ausgesetzt worden war. Alles zum Schutz der Ehrenamtlichen vor einer Corona-Infektion.

Von gut zureden bis zur Herzdruckmassage

Von zehn Sanitätern vor Ort aus Nordwalde sind inzwischen sieben gegen Corona geimpft. „Das war Voraussetzung“, sagt Christian Schlossarek. Damit stehen sie wieder als Einsatzkräfte bereit und können bei einem Notfall die Zeit überbrücken, bis der Rettungsdienst an der Einsatzstelle ist. Alarmiert werden die Sanitäter vor Ort von der Leitstelle des Kreises Steinfurt. „Wenn der Notarzt nach Nordwalde fährt, fahren auch die Sanitäter vor Ort raus“, sagt Schlossarek. Der Notarzt oder die Notärztin kommt aus Borghorst, Emsdetten oder Greven angefahren. Der Rettungswagen aus einem dieser drei Orte oder aus Altenberge. Schlossarek schätzt, dass es aus Borghorst im Schnitt acht bis zehn Minuten dauert, bis die Einsatzkräfte in Nordwalde sind.

In der Zeit wollen die Sanitäter mit Erstmaßnahmen helfen, die von gut zureden bis zur Herzdruckmassage reichen. „Das ist auch ein gutes Gefühl für die Leute, wenn einer da ist und ihnen gut zuredet“, sagt Christian Schlossarek. Zumal es einem in einer Notsituation viel länger vorkomme, bis endlich Hilfe vor Ort ist.

Christian Schlossarek

Trotz der coronabedingten Pausen sind die Sanitäter vor Ort im vergangenen Jahr 148 Mal alarmiert worden. Im Schnitt brauchten die Frauen und Männer 3,33 Minuten bis zum Eintreffen bei der Patientin oder dem Patienten. „Wir versuchen grundsätzlich jeden Einsatz abzudecken“, sagt Christian Schlossarek. Dafür müssen sie in der Nähe sein und Zeit haben. Wer im Schichtdienst in Münster arbeitet, kann nicht mal eben erscheinen. „Im schlimmsten Fall kommt keiner. Im besten Fall sind mehrere vor Ort.“

Wie viele Einsatzkräfte losfahren, hängt auch von der Art des Notfalls ab. Bei einem gebrochenen Bein reichen vielleicht einer oder zwei Sanitäter, bei einem Verkehrsunfall mit mehreren Beteiligten ist es schon sinnvoll, wenn mehr zum Einsatzort fahren. Für den Notfall haben alle eine Tasche voll mit Material von Beatmungsgerät bis Verbandmaterial dabei. Ob bei der Fahrt zum Einkaufen im Auto oder zu Hause, „die Tasche habe ich fast immer dabei“, sagt Schlossarek.

Jeder Einsatz ist besonders

Die Sanitäter vor Ort gibt es in Nordwalde seit Oktober 2008. Nachwuchs ist gerne gesehen. „Wir sind immer offen dafür, wenn Leute mithelfen möchten“, versichert Christian Schlossarek. Die Personen müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Es arbeiten zwar einige der Nordwalder Sanitäter hauptberuflich ebenfalls im medizinischen Bereich, das ist aber keinesfalls eins Muss. Anders als eine 60-stündige Ausbildung zum Sanitäter. Das ist die Mindestvoraussetzung, um als Sanitäter vor Ort im Einsatz zu sein.

Christian Schlossarek hat 2014 als Sanitäter angefangen, ist zwei Jahre später Rettungshelfer geworden und aktuell Rettungssanitäter. Ein bestimmter Einsatz ist ihm über die Jahre nicht im Kopf hängen geblieben: „Jeder Einsatz ist besonders.“ Gedanklich mit nach Hause nehmen sollte man die Schicksale nicht, rät Schlossarek. Dieses persönliche Stressmanagement wie auch die nötigen Handgriffe werden in der Ausbildung gelernt und bei Teamabenden durchaus noch mal erörtert. Zuletzt mussten auch diese pausieren.

Kosten werden aus Eigenmitteln gedeckt

Einige Leute hätten schon gefragt, wann die Sanitäter vor Ort wieder im Einsatz sind, erzählt Schlossarek: „Die Leute wissen, was sie an uns haben und vertrauen uns auch.“ Neben Anrufen und E-Mails, um sich zu bedanken, sammelt der eine oder andere, dem geholfen wurde, Spenden für die Sanitäter vor Ort. Schließlich werden die Kosten des Dienstes vollständig aus Eigenmitteln gedeckt.

Noch etwas ist während der Pandemie wichtig: Wenn der Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht, wenn Fieber oder Husten vorliegen, sollte das unbedingt mitgeteilt werden. Die Sanitäter haben für solche Fälle Ganzkörperanzüge dabei, die sie dann anziehen.

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