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Nordwalder wegen Beleidigung, Widerstands gegen Polizeibeamte und Trunkenheit am Steuer angeklagt

„Filmriss“ lässt Prozess plötzlich platzen

Altenberge/Nordwalde

Eigentlich war die Richterin am Amtsgericht Steinfurt auf eine zügiges Verfahren vorbereitet. Weil der Verteidiger des 26 Jahre alten Angeklagten aus Nordwalde sie im Vorfeld informiert hatte, dass sein Mandant ein umfassendes Geständnis ablegen wird, hatte die Vorsitzende alle infrage kommende Zeugen ausgeladen. Nur die Bewährungshelferin des vorbestraften Beschuldigten saß mit am Tisch des Staatsanwalts. Nach einer Viertelstunde Verhandlungsdauer musste der Prozess jedoch abgebrochen werden.

Matthias Lehmkuhl

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Vorher verlas der Staatsanwalt die umfangreiche Anklageschrift. Sie beinhaltete den Vorwurf der Beleidigung und Widerstands gegen Polizeibeamte und fahrlässige Trunkenheit am Steuer. Alle Taten beging er im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit.

Am 3. August vergangenen Jahres wurde der Nordwalder gegen 21.30 Uhr auf dem Gelände einer Tankstelle in Altenberge von der Polizei überprüft. Der 26-Jährige saß auf dem Fahrersitz eines Pkw und roch stark nach Alkohol. Die Polizeibeamten forderten ihn auf, das Fahrzeug zu verlassen. Doch er blieb, ohne sich zu bewegen, einfach sitzen.

Die Ordnungshüter versuchten, ihn aus dem Wagen zu ziehen. Er wehrte sich und ließ sich dabei ständig auf die Rücklehne zurücksinken. Als der Angeklagte dann endlich aus dem Fahrzeug gezogen worden war, ließ er sich mit seinem ganzen Gewicht fallen und hätte dabei fast eine Polizistin verletzt. Auf dem Weg zu Wache beleidigte der Nordwalde einen Polizeibeamten mit den Worten: „Du bist auch wohl eine Schwuchtel.“ Auf der Wache nannte er einen Polizisten „Abdul“ und beschimpfte die Ordnungshüterin weiter.

Die Blutproben ergaben um 22.30 Uhr 2,29 und eine Stunde später 2,19 Promille. Deshalb wurde sein Führerschein noch an diesem Abend beschlagnahmt.

Der Täter schilderte dem Gericht soweit es ging, wie es zu diesem Vorfall vor mehr als neun Monaten kam. Er habe damals Stress mit seiner Freundin gehabt und aus Frust bei seinem Freund fünf oder sechs Flaschen Bier getrunken.

„Dann haben wir hochprozentige Sachen getrunken, obwohl ich wusste, dass ich keinen Alkohol vertrage“, führte er aus und ergänzte, dass er sich seit längerer Zeit in einer Psychotherapie wegen einer Sozialen Phobie und cholerischen Anfällen befinde. Außerdem besuche er regelmäßig eine Tagesklinik, um seine Alkoholsucht in den Griff zu bekommen. „Das Letzte, was ich weiß ist, dass ich die Wohnung meines Freundes verließ“, meinte der Nordwalder.

Darüber hinaus glaubte er zumindest, sich an die Beleidigungen auf der Wache zu erinnern. Alles andere, wie die Fahrt mit dem Auto oder die Situation auf dem Tankstellen-Gelände waren seinem Gedächtnis entfallen. „Ich hatte einen Filmriss und bin froh, dass nichts passiert ist“, sagte der 26-Jährige zur Richterin und dem Staatsanwalt.

Die Vorsitzende hatte jetzt ein Problem: „Ihr Teilgeständnis reicht nicht, um den Prozess weiterführen zu können. Wir müssen einen neuen Termin machen.“ Dazu werden nun die ausgeladenen Polizeibeamten und der Freund des Angeklagten erneut vorgeladen und das Verfahren am 17. Juni (Donnerstag) um 13 Uhr von Neuem aufgerollt.

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