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Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf

Neue Kampagne soll Jugendliche ins Handwerk locken

Kreis Steinfurt

„Orientierungslosigkeit“ war wohl das am meisten gebrauchte Wort an diesem Morgen. Gemünzt war es auf viele Jugendliche, die zum Ende ihrer Schulzeit noch immer nicht wissen, wie es für sie im Sommer weitergehen könnte. Dabei hätte die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf (KH) einen Tipp mit Perspektive: eine Ausbildung im Handwerk.

Michael Hagel

Vertreter des Handwerks und der Gewerkschaften vereint für das großes Ziel, mehr Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen. „Bist du dabei?“, lautete die Frage. Foto: Michael Hagel

Die Situation mutet gewissermaßen paradox an: Einerseits suchen viele, sehr viele Handwerkbetriebe nahezu aller Gewerke dringend Auszubildende, möglichst zum 1. August, aber auch zu später. Andererseits haben etliche junge Menschen noch immer keine Lehrstelle gefunden.

Genau deshalb bittet die KH jetzt Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter an einen Tisch, um künftig Betriebe und Jugendliche besser zusammenzubringen. Der Auftakt der Kampagne „Ausbildung 2021“ fand am Mittwoch (16.6.) beim Prozessanlagenhersteller Münstermann in Telgte-Westbevern statt.

Dort trafen sich – in dieser Zusammensetzung erstmalig – alle sechs Kreishandwerkerschaften des Münsterlandes und der vestischen Region als Arbeitgeber- sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Münsterland sowie der Region Emscher-Lippe und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW) als Arbeitnehmervertreter, um sich alle zusammen für die betriebliche duale Ausbildung stark zu machen.

Kampagne „Ausbildung 2021“

Denn eines dürfe die derzeitige, von Corona gebeutelte Generation Jugendlicher nicht werden: eine verlorene Generation, so Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf. Dass es nicht so kommt, dafür soll die neue Kampagne „Ausbildung 2021“ sorgen. Sie wird über Social Media-Kanäle, über Postkarten und Plakate direkt an Schulen sowie über Werbespots in Kinos und Rundfunk ausgespielt.

Das Ziel: Jugendlichen sollen die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten einer Ausbildung im Handwerk nähergebracht werden. Weiterhin sollen die Kontakte zwischen den Handwerksbetrieben und den Jugendlichen verbessert werden. Auch Eltern und Lehrkräfte will man einbeziehen. „Gerade die Durchlässigkeit des dualen Ausbildungssystems bietet hervorragende Chancen, Perspektiven und Planungssicherheiten für die Zukunft“, sagte Tischner.

Arbeitgeber und Gewerkschaften ziehen an einem Strang

Dass mit dem GEW-Mann Sebastian Krebs und dem DGB-Regionalgeschäftsführer Volker Nicolai-Koß zwei Gewerkschafter die Kampagne ganz ausdrücklich unterstützen, freute Tischner besonders. Denn viele Jugendliche befänden sich gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, in einer Art Blase, aus der man ihnen gemeinsam heraushelfen müsse.

Und dann fiel es wieder, das Wort „Orientierungslosigkeit“. Oder auch das Wort „Unsicherheit“; viele junge Menschen wüssten einfach nicht, was sie nach der Schule machen wollten – und gingen dann einfach weiter zur Schule. Oder würden sich für ein Studium entscheiden, obwohl ihre Fähigkeiten womöglich viel eher im praktischen Bereich lägen. „Dabei haben wir unendlich viele Einstiegsmöglichkeiten in eine Ausbildung“, sagte Melanie Lohmann von der Kreishandwerkerschaft Münster.

 Praktika auch für Lehrkräfte

Man möchte den Jugendlichen bestmöglich dabei helfen, eine Karriere zu gestalten, die sich an den eigenen Talenten orientiert. Und natürlich, das ist ja auch legitim, wollen die Handwerksvertreter den Nachwuchsnotstand in ihren Zünften lindern. „Die Ausbildung muss krisenfest gemacht werden“, meinte GEW-Mann Sebastian Krebs. Auch mit unkonventionellen Mitteln. So könnten Lehrkräfte auch mal ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb absolvieren. „Damit sie wissen, wie vielfältig die Ausbildung da ist.“

Denn Zustände, wie es sie im Ruhrgebiet bereits gibt, die möchte hier im Kreis niemand: Dort, berichtete Ludger Blickmann von der KH Recklinghausen, seien bereits Headhunter unterwegs, um gezielt Azubis von den Handwerksbetrieben für die Industrieunternehmen abzuwerben. „Das gibt es in dieser Form bei uns noch nicht“, sagte Frank Tischner. Und das solle auch tunlichst so bleiben.

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