1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lengerich
  6. >
  7. Zwischen Üben und Improvisieren

  8. >

Zwei Klavierlehrer über unterschiedliche Spielstile

Zwischen Üben und Improvisieren

Lengerich

Seit gut einem Jahr sind David Mackenroth und Jens Niemann als Klavierlehrer in der Musikschule Tecklenburger Land in Lengerich tätig. Coronabedingt hat es noch keine gemeinsamen Auftritte von ihnen gegeben. Die WN haben sie zum Interview getroffen und stellen sie vor.

wn

Die beiden Klavierlehrer David Mackenroth (links) und Jens Niemann im Keller der Musikschule an den beiden Flügeln. Foto: Michael Baar

Seit gut einem Jahr sind David Mackenroth und Jens Niemann als Klavierlehrer in der Musikschule Tecklenburger Land in Lengerich tätig. Coronabedingt hat es noch keine gemeinsamen Auftritte des 25-jährigen David Mackenroth und des drei Jahre älteren Jens Niemann gegeben. Ohnehin unterscheiden sie sich in einem wesentlichen Punkt: David Mackenroth liebt klassische Klaviermusik, Jens Niemann ist beim Rock und Pop zuhause. Ob es beim Spielstil Unterschiede gibt und wie die aussehen, haben die beiden im Gespräch mit Redakteur Michael Baar erläutert.

Ganz kurz: Wie sind Sie zum Klavier gekommen?

Jens Niemann: Als Kind habe ich Oboe gelernt. Mein Bruder spielte Keyboard und Klavier. Das habe ich dann auch versucht und bin beim Klavier geblieben. Da war ich elf Jahre. Der Grund: Mit der Oboe muss man in einem Orchester spielen oder mit anderen gemeinsam Musik machen, Klavier kann man sehr gut alleine spielen.

David Mackenroth: Bei mir ist das wohl Prägung. Meine Oma spielte auf dem Flügel und ich lag schon als Baby darunter. Lernen sollte ich dann Blockflöte, habe aber immer vergessen, die Löcher zuzuhalten (lacht). Als ich sieben Jahre alt war hat Mama dann gesagt, ab ans Klavier.

Da war doch noch nicht klar, dass Sie Klavierlehrer werden?

Niemann: Nein, aber das hat sich dann herauskristallisiert. Mein Vater und mein Musiklehrer waren strikt dagegen. Wenn Du das studierst, hast Du hinterher nichts, sagten sie (lacht). Ich habe es dennoch getan, aber Lehramt kam für mich nie in Frage.

Mackenroth: Die Überlegung, Lehramt zu studieren, gab und gibt es bei mir. Als klassischer Pianist ist es nicht leicht, Geld zu verdienen. Im Gegensatz zum Solo-Künstler ist man als Lehrer auf der sicheren Seite.

Wie hat sich die Liebe zum Klavier, zur Musik, entwickelt?

Niemann: Mit 17 habe ich meinen ersten Chor geleitet. Eigentlich ist das, mit dem ich als Jugendlicher mein Taschengeld aufgebessert habe, jetzt mein Beruf.

Mackenroth: Ich liebe klassische Musik und wollte immer üben. Da bleibt eigentlich nur das Klavier als Instrument.

Herr Niemann, üben Sie auch so begeistert?

Niemann: (schmunzelt) So intensiv wie David bestimmt nicht. Mir liegt eher das Improvisieren.

Welche Fähigkeit haben Sie, die Ihr Kollege nicht hat?

Niemann: (überlegt) Ein anderes thematisches Wissen in Sachen Harmonie und Komposition. Und etwas mehr Spontaneität.

Mackenroth: (überlegt ebenfalls) Als Klassiker vielleicht etwas mehr Geduld. Schließlich wird geübt, bis eine Passage richtig sitzt.

Unterscheiden sich Ihre Spieltechniken?

Niemann: Eher Nein. Bei Pop und Jazz ist weniger das Tempo vorgegeben, man gestaltet die Melodien nach eigenen Vorstellungen. Entscheidend ist einfach, dass die Ergonomie passen muss.

Mackenroth: Von der Klangvorstellung her Ja. Die Technik ist in der Klassik wie ein Werkzeug. Man probiert aus und stellt sich vor, wie der Komponist sein Werk gemeint hat. Aber grundsätzlich, da stimme ich mit Jens überein, muss die Technik erlernt werden, damit man auch mal zwei Stunden am Stück spielen kann.

Könnten Sie sich vorstellen, mal einen Ausflug ins jeweils andere Genre zu machen oder gar zu wechseln?

Niemann: Das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich spiele ja auch Orgel und da sind mir die Werke der Klassik nicht fremd. In der Kirche nutze ich aber lieber das Gesangbuch nur als Vorlage und improvisiere über die Lieder.

Mackenroth: Wenn ich das machen sollte, würde ich wohl nicht mehr auf Lehramt studieren und beim Klavier bleiben. Dann werde ich mich mit Sicherheit auch in andere Genres reinfuchsen.

Wirken sich Ihre musikalischen Schwerpunkte auf Ihren Klavierunterricht aus?

Niemann: Das Wichtigste ist zunächst, die 88 Tasten mit zehn Fingern in den Griff zu bekommen. Wenn das Kind einen Wunsch hat, egal ob Pop oder Klassik, gehe ich darauf ein. Das macht man ja selber auch so.

Mackenroth: Genau, am Anfang steht die Koordination von Fingern und Tasten. Klar, ein Lehrer kann seinen Schüler prägen. Aber ich beobachte auch, dass es viele konservative Klavierlehrer gibt, die an dem festhalten, was sie früher gelernt haben. Wie Jens setze ich auch darauf, das zu vermitteln, was die Kinder möchten.

Auf dem Youtube-Kanal der Musikschule Tecklenburger Land werden nach und nach Videos zu den Lehrkräften veröffentlicht. Der erste Film mit Jens Niemann ist bereits online.Einen Link auf den Youtube-Kanal gibt es auf der Internetseite der Musikschule.

Startseite