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Nächtliche Auseinandersetzung nach Kneipenbesuch

Zeuge muss seine Aussage beeiden

Lengerich/Tecklen...

Eine nächtliche Auseinandersetzung nach einem Kneipenbesuch im Herbst 2019 wird das Amtsgericht Tecklenburg ein dritten Mal beschäftigen. In der jüngsten Verhandlung legte der Verteidiger des angeklagten 39-Jährigen aus Lengerich eine ganze Flut von Beweisanträgen vor. Ein Zeuge, der vor Gericht seinen Ausführungen gegenüber der Polizei widersprach, musste seine Aussage beeiden.

gpg

Das Amtsgericht Tecklenburg. Foto: Michael Baar

Gefährliche Körperverletzung und vorsätzliche Misshandlung in mehreren Fällen wird einem 39 Jahre alten Lengericher zur Last gelegt. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Tecklenburg startete der Verteidiger mit einer ganzen Flut von Beweisanträgen in die Fortsetzung des Verfahrens.

In der Nacht zum 26. September 2019 soll der Angeklagte einer Frau, die zusammen mit einem Begleiter gegen 3 Uhr auf dem Nachhauseweg war, aufgelauert und beide angegriffen haben. Dabei wurden beide Zeugen – die vor Gericht als Nebenkläger auftreten – erheblich verletzt.

Am ersten Verhandlungstag hatten die Geschädigten den Angriff aus ihrer Sicht geschildert. Nach einem, im Streit endenden, gemeinsamen Kneipenbesuch soll der Mann ihnen aufgelauert haben. Der Angeklagte hatte alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Er sprach davon, dass er von dem Paar zuerst angegriffen worden sei und sich nur verteidigt habe.

Die Aussagen der Opfer versuchte der Verteidiger nun mit den Beweisanträgen zu erschüttern. Sein Ziel war, die Glaubwürdigkeit der Zeugen infrage zu stellen und ihre Gewaltbereitschaft in der Vergangenheit offenzulegen. Er beantragte, das Verfahren bis zur Entscheidung über seine Anträge auszusetzen. Darüber hinaus forderte er die Vernehmung des Arztes, der die Verletzungen seines Mandanten dokumentiert hatte.

Bemerkenswert auch der Antrag, einen Sachverständigen – eine Kapazität auf dem Gebiet für Unfallmechanik aus München – damit zu beauftragen, zu klären, ob eine Bruchverletzung wie die des Geschädigten überhaupt durch Tritte hervorgerufen werden kann. Über die Anträge wird das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Zentraler Punkt des zweiten Verhandlungstages war die Vernehmung eines Zeugen, der zufällig das Geschehen in der Tatnacht beobachtet hatte und zur Hilfe geeilt war. Diese Aussage rückten die Ausführungen der Opfer in ein anderes Licht und ließen die Anträge des Verteidigers verständlicher erscheinen. Der Zeuge sagte aus, dass er den Angeklagten am Boden gesehen habe und dass die Opfer auf den Manneingeschlagen und getreten hätten. Da diese Aussagen im Widerspruch zu seinen Ausführungen bei der ersten polizeilichen Vernehmung und den Vorwürfen der Geschädigtenstanden, musste der Zeuge seine Aussagen beeiden. Ein Vorgang, der vor ordentlichen Gerichten – anders als beim Fernsehgericht – ein äußerst seltenes Ereignis darstellt. Die Verhandlung wird am 16. Juni fortgesetzt.

Paragraf 154 Strafgesetzbuch. Meineid: „Wer vor Gericht . . . falsch schwört, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“

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