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Volkshochschule setzt im Lockdown auf digitale Formate

Weiterbildung vom Sofa aus

Lengerich

Yoga- und Sprachkurse am Rechner, funktioniert das? Unter diese Fragen beantworten in einem Interview Angelika Weide, Diana Tyutina und Jendrik Peters von der VHS. Sie erzählen, wie stark Corona die Bildungseinrichtung getroffen und welche Veränderungen die Pandemie mit sich gebracht hat.

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Die Unterrichtsräume der Volkshochschule sind – bis auf wenige Integrationskurse – seit Monaten leer geblieben. Angelika Weide, Diana Tyutina und Jendrik Peters (von links) erzählen, wie sie mit dem Lockdown umgehen. Digitale Formate spielen jetzt eine große Rolle. Foto: Frank Klausmeyer

Die Corona-Beschränkungen haben den Betrieb der Volkshochschule weitgehend lahm gelegt. Redakteur Frank Klausmeyer hat mit der VHS-Direktorin Angelika Weide, Jendrik Peters, Fachbereichsleiter unter anderem für „Digitale Medien und Beruf“, sowie Diana Tyutina, Fachbereichsleiterin „Deutsch als Zweitsprache“ und „Integrationskurse“, über die aktuelle Lage gesprochen.

Die VHS Lengerich ist seit Monaten im Dauer-Lockdown. Hat es in diesem Semester überhaupt schon eine Präsenzveranstaltung gegeben?

Angelika Weide: Ja, in diesem Semester konnten wir mit der Wiederaufnahme der Integrationskurse, die kurz vor Abschluss stehen, bereits beginnen. Davon hatten wir fünf Kurse in Präsenz. So haben wir die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit insgesamt 68 Erwachsenen zeit- und ortsversetzt organisiert. Alle anderen geplanten Präsenzveranstaltungen konnten bisher noch nicht stattfinden. Viele haben wir bereits für dieses Semester ganz abgesagt, andere schieben wir, teilweise parallel zur Lockdown-Verlängerung, immer weiter in das Jahr.

Sie bieten stattdessen Webinare und Online-Kurse an. Welches Konzept steht hinter den digitalen Angeboten? Inwieweit wird das weiterentwickelt? Sie haben ja schon ein Jahr Erfahrungen gesammelt.

Jendrik Peters: Digitale Angebote sollen auch zukünftig ein fester Bestandteil unseres Kursusprogrammes sein. Wir möchten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance geben, sich spontan und flexibel vom heimischen Sofa aus weiterbilden zu können. In Zukunft möchten wir den Fokus noch mehr auf digital gestützte Kurse legen. Digitale Elemente bereichern ja auch den Präsenz-Unterricht.

Und wie ist die Resonanz? Was läuft gut, was geht gar nicht?

Peters: Das lässt sich so pauschal nicht sagen, da es immer auch auf den Zeitpunkt ankommt. Themen wie Erbrecht und Vorsorgevollmacht erfreuen sich großer Beliebtheit mit bis zu 30 Teilnehmern. Online-Kurse im EDV-Bereich fallen dagegen leider öfter aus.

Insbesondere Sprachkurse stelle ich mir schwierig vor. Ich kenne das von meinen Kindern aus der Schule. Fremdsprachenunterricht lebt ja vom Sprechen. Digital ist das doch sicher nur sehr eingeschränkt möglich – oder?

Weide: Ja, der Präsenzunterricht ist unersetzbar. Aber wir sind mit digitalen Angeboten gut aufgestellt. Grammatik ist so ganz gut vermittelbar, ebenso Sprachenverwandtschaften und Grundsätze im Satzaufbau und Zeitenbildung. Da aber, wo Phonetik gefordert ist, wird es schwierig.

Im Angebot sind derzeit nur ein Niederländisch-Kursus für Anfänger und Schwedisch. Warum gerade Schwedisch? Und warum nicht Englisch, Französisch oder Spanisch ?

Weide: Die Antwort ist so einfach wie schwierig. Dabei spielten Angebote und Nachfrage eher eine nachrangige Rolle. An verschiedensten Stellen musste technischer Support mit fundamentalen Kenntnissen in Relation gesetzt werden, ebenso die Teilhabe aller Kursteilnehmer aus den „abgebrochenen“ Semestern. Ferner gab es wenige Arbeitsmaterialien, die ad hoc für den jeweiligen Kursverlauf anwendbar waren. Da mussten wir mit Dozentinnen und Dozenten, Teilnehmern und dem Lerneffekt eine gute Abwägung finden. Die allermeisten Beteiligten nahmen und nehmen die aktuelle Situation aber mit einer guten Portion Humor.

Der Gesundheits- und Fitnessbereich gehört ebenso zu den wichtigsten Säulen der VHS-Arbeit. Läuft da noch viel?

Peters: Aktuell laufen drei Kurse als Online-Variante. Wir sind den Kursusleitern sehr dankbar, dass diese sich darauf einlassen und in den vergangenen Monaten digital fit gemacht haben. Grundsätzlich sind Gesundheitskurse als Online-Format jedoch mit Vorsicht zu genießen, da wichtige Punkte wie beispielsweise die Haltungskontrolle nicht zu gewährleisten sind.

Sind die Leute tatsächlich bereit, ihre Yogamatte vor dem Bildschirm auszubreiten?

Peters: Insgesamt machen aktuell 35 Leute Yoga. Ob alle mit einer Matte vor dem Bildschirm liegen, kann ich nicht sagen – die meisten haben die Kamera ausgeschaltet.

Was ist mit den beruflichen Weiterbildungsangeboten?

Weide: Wenn mit dieser Frage unsere Angebote gemeint sind, dann die wenigen, ich nenne sie mal „Zubringerangebote“ im Online-Bereich, also die Schulungen, die Digitalisierung in den Blick nehmen und Hilfestellungen leisten. Andere berufliche Weiterbildungsangebote können wir nur über Bande bedienen, sprich Bildungsgutscheine ausgeben für Weiterbildungsanbieter, die von der vorgeschriebenen Schließung nicht betroffen sind.

Und wie sieht es mit Inte-grationskursen aus? Da stelle ich mir Webinare und andere Online-Angebote extrem schwierig bis sinnlos vor.

Diana Tyutina: Es ist tatsächlich beinahe unmöglich einen Integrationskursus online durchzuführen. Nicht nur die mangelnden Sprachkenntnisse stehen uns öfter im Weg. Vielen Teilnehmern fehlt die entsprechende technische Ausstattung.

Ein Blick in die Glaskugel: Wann rechnen Sie wieder mit einem normalen Kursusbetrieb?

Weide: (lacht) Was ist dann normal? Schön wäre es, wir könnten die Gruppengröße an „Vor-Corona-Zeiten“ anschließen und endlich den komplett gestoppten Fitness- und Gesundheitsbereich wieder stattfinden lassen. Da war vor Corona ein deutliches Wachstum zu verzeichnen. Naja, jetzt einmal ohne die ganzen „aber“ und „vielleicht“: Ich gehe von einem sukzessiven Regelbetrieb ab Semesterbeginn am 23. August aus.

Und welche Rolle werden dabei künftig digitale Angebote spielen? Sind die Leute durch die Entwicklung eher motiviert oder ermüdet?

Peters: Genau wie wir als Team freuen sich die Leute wieder darauf, ins VHS-Haus zu kommen und die Kurse hier zu belegen. Letztlich schließen sich Online und Präsenz aber nicht aus, da beide Formen Vor- und Nachteile haben. Unser Anspruch ist es, für verschiedene Lerntypen auch vielfältige Lernangebote bereit zu halten.

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