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Nächtliche Auseinandersetzung: Gericht sieht Körperverletzung als erwiesen an

Verurteilung trotz Unklarheiten

Lengerich/Tecklen...

Was genau in jener Nacht im Januar 2020 in Lengerich passiert ist, konnte das Amtsgericht Tecklenburg nicht mehr klären. Doch für eine Verurteilung reichte es. Die Körperverletzung, der ein 28-Jähriger für schuldig befunden wurde, wurde mit einer Geldstrafe geahndet.

Paul Meyer zu Brickwedde

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Mit einer Geldstrafe hat das Amtsgericht einen Vorfall geahndet, der sich am 7. Januar 2020 nachts in Lengerich auf der Schultenstraße ereignet hat. Dort war es gegen 0.20 Uhr zu einem gewaltsamen Streit zwischen einer 22-Jährigen und einem 28-Jährigen gekommen. Der Mann wurde nun wegen Körperverletzung verurteilt.

Was sich seinerzeit genau ereignet hat und warum, ließ sich während des Prozesses indes nicht klären. Der Angeklagte berief sich auf einen alkoholbedingten „kompletten Filmriss“, so der Richter in einer Urteilsbegründung. Bei seinem Opfer kam zum übermäßigen Alkoholkonsum hinzu, dass sie aufgrund einer Persönlichkeitsstörung offenbar Probleme hatte, die Tat exakt zu schildern.

Ein Zeuge, der das Geschehen kurz aus einem Fenster verfolgt hatte und dessen Frau die Polizei verständigte, berichtete vor Gericht, dass es eine lautstarke Auseinandersetzung gegeben habe, er die Frau am Boden habe liegen sehen, während der 28-Jährige sie an den Haaren gezogen habe. Offenbar sei es um Geldschulden gegangen. Ein weiterer Zeuge – der Freund des Opfers – hatte über Handy den Streit mitgehört.

Die Staatsanwältin rückte in ihrem Plädoyer zwar vom Vorwurf der Freiheitsberaubung ab, hielt die Körperverletzung aber für erwiesen. Der Verteidiger des 28-Jährigen hingegen wollte einen Freispruch erreichen. Er hielt die Aussagen der 22-Jährigen für „nicht verwertbar“, verwies darauf, dass der Freund über sein Mobiltelefon lediglich gehört habe, dass sie losgelassen werden wollte, und sagte zur Aussage des Anwohners, dass der in der Nacht nicht eindeutig die am Streit Beteiligten habe erkennen können. Womöglich sei es ja jemand anderes gewesen.

Eine Sicht der Dinge, der das Gericht nicht folgte. Zwar seien Fragen offen geblieben, doch dass der Angeklagte die 22-Jährige attackiert habe, sei nicht plausibel anzuzweifeln. Deshalb sei der Angeklagte der sogenannten einfachen Körperverletzung schuldig.

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