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Geplante Tartanbahn verursacht Mehrkosten von 260 000 Euro

Teure Torfschicht

Lengerich

Der Bau der geplanten Tartanbahn im Stadion an der Münsterstraße wird erheblich teurer, als im vergangenen Jahr geplant. 260 000 Euro werden nun bereitgestellt, um die Mehrkosten abzudecken. Im Stadtrat sorgte diese Entwicklung am Dienstagabend für intensive Diskussionen.

Paul Meyer zu Brickwedde

Die Laufbahn im Stadion ist sichtlich in die Jahre gekommen.. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Der Bau der geplanten Tartanbahn im Stadion an der Münsterstraße wird erheblich teurer, als im vergangenen Jahr geplant. 260 000 Euro werden nun bereitgestellt, um diese Mehrkosten abzudecken. Geld, das die Kommune wohl komplett allein aufbringen muss. Im Stadtrat sorgte diese Entwicklung am Dienstagabend für intensive Diskussionen. Am Ende stimmte aber, bei fünf Nein-Stimmen und vier Enthaltungen aus Reihen von CDU und Grünen, eine Mehrheit dafür, einen entsprechenden Dringlichkeitsbeschluss zu genehmigen, der in der Sache bereits Ende März gefasst worden war.

Dass das nicht zuletzt von den Leichtathleten des TV Lengerich seit Jahrzehnten herbeigesehnte Projekt überhaupt eine Chance hat, realisiert zu werden, liegt an einem Investitionspaket des Landes für Sportstätten. 460 000 Euro wurden daraus im vergangenen Jahr für die Tartanbahn genehmigt. Zuvor hatte die Stadt einen Förderantrag gestellt und die Kosten für das Vorhaben geschätzt. Was da in Verwaltung und Politik noch niemand wusste: Im Stadion lauert im Untergrund ein massives Problem.

Ein Bodengutachten wurde im Januar 2021 in Auftrag gegeben – also nachdem der Zuschussbescheid aus Düsseldorf eingegangen war. Und dabei trat zutage, dass es eine 55 bis 123 Zentimeter dicke Torfschicht gibt, die, wenn sie nicht beseitigt wird, dafür sorgen könnte, dass die neue Tartanbahn um rund zehn Zentimeter absackt.

Zur Erklärung des Vorgangs heißt es dazu in der Sachdarstellung für den Rat: „Die Kosten wurden im Rahmen der Bearbeitung des Förderantrages durch das Planungsbüro auf der Grundlage geschätzt, dass die Bodenverhältnisse in Bezug auf die Maßnahme ,Kunstrasenplatz‘ nicht signifikant abweichen.“ Der Kunstrasenplatz war 2019 gebaut worden, Probleme mit dem Untergrund gab es seinerzeit keine.

Dass das Bodengutachten nicht erstellt wurde, bevor der Förderantrag rausging, erklärt sich durch den Zeitdruck, der seinerzeit für die Verwaltung bestand, da das Investitionspaket des Landes recht kurzfristig auf den Weg gebracht worden war.

Für den Rat gab es am Dienstag nun zwei Möglichkeiten: Die zusätzlichen Mittel bewilligen und damit auch die 460 000 Euro vom Land sichern oder aber das Ganze (zumindest vorerst) stoppen. Bürgermeister Wilhelm Möhrke machte deutlich, dass die zweite Variante für ihn keine Option sein konnte. Ob mit oder ohne Fördermittel – es bestehe dringender und erheblicher Sanierungsbedarf im Stadion, für den die Stadt allein aufkommen müsste, wenn sie jetzt einen Rückzieher mache. Ähnlich äußerte sich Andreas Kuhn. Der SPD-Fraktionsvorsitzende sagte aber auch, dass er Bedenken nachvollziehen könne.

Die äußerten vor allem Anne Engelhardt und Hartmut Grünagel, die Vorsitzenden der Fraktionen der Grünen und der CDU. Engelhardt betonte, dass die Tartanbahn „eine sinnvolle Investition“ sei, aber die Zustimmung dazu habe es seitens der Grünen gegeben, weil das Vorhaben „vollkommen“ durch Fördermittel finanziert werden sollte. Das sei nun nicht mehr der Fall, was die Lokalpolitik in eine „fast unauflösliche Zwangslage“ bringe.

Grünagel sagte, die CDU sei bei der Zustimmung zum Dringlichkeitsbeschluss davon ausgegangen, dass es allein darum gegangen sei, Rückstellungen zu schaffen, nicht aber gleich grünes Licht für den Bau der Tartanbahn zu geben, wie es jetzt der Bürgermeister getan habe – Möhrke sprach vom Maßnahmenbeginn im Spätsommer/Herbst. Zudem warf der CDU-Fraktionsvorsitzende die Frage auf, ob es nicht möglich und zumutbar wäre, den TVL Lengerich an den Mehrkosten zu beteiligen, ähnlich wie die Preußen beim Kunstrasenplatz. Seiner Ansicht nach sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Mehrkosten zu senken. „Denn es geht schließlich um Steuergelder.“

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