1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Lengerich
  6. >
  7. Erst ausgebremst, dann sexistisch beleidigt

  8. >

Amtsgericht verurteilt rabiaten Autofahrer

Erst ausgebremst, dann sexistisch beleidigt

Lengerich/Lienen/...

Sein offenkundig mehr als unbeherrschtes Verhalten hat einen 38-jährigen Lienener jetzt vor das Amtsgericht Tecklenburg gebracht. Im November vergangenen Jahres war er mit dem Auto auf der Ringeler Straße unterwegs – und traf auf eine Pkw-Fahrerin, die aus seiner Sicht wohl viel zu langsam fuhr.

Gernot Gierschner

Foto:

Mit einer Vollbremsung auf der Ringeler Straße hat ein 38-Jähriger am 11. November vergangenen Jahres seinen Unmut über eine Pkw-Fahrerin zum Ausdruck bringen wollen. Weil ihm das offenbar noch nicht genug war in Sachen Frustabbau, stieg der Lienener auch noch aus und beleidigte die Frau sexistisch. Dafür wurde er jetzt vom Amtsgericht Tecklenburg zu einer Geldstrafe verurteilt und erhielt ein dreimonatiges Fahrverbot.

Die Staatsanwältin warf dem Mann aus Kattenvenne vor, gleich hinter der Kreuzung Niederlengericher Damm und Hohner Damm nach einem gewagten Überholmanöver die Vollbremsung vollzogen zu haben. „Er hat plötzlich ohne Grund gebremst – von 100 auf Null“, schilderte die immer noch unter dem Eindruck der Ereignisse stehende Geschädigte das Geschehen. Bei ihrer Vernehmung wurde deutlich, dass die „Brems-Aktion“ des Angeklagten leicht zu einem schweren Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen hätte führen können. Die Frau aus Ostbevern schilderte glaubhaft ihre Angst und ihr Entsetzen. Als der Fahrer nach dem abrupten Stopp auf sie zugestürmt sei, habe sie sich in ihrem Auto eingeschlossen.

Als weiterer Zeuge beschrieb ein Autofahrer aus Lienen, der den anderen Fahrzeugen gefolgt war, seine Eindrücke. Er habe die „Bedrohungslage“ erkannt und angehalten. Die Beleidigung habe er gehört, auch sei der Angeklagte aufgeregt gestikulierend hin- und hergerannt. Den Überholvorgang ordnete er in einem Bereich gleich hinter der Kreuzung ein, also dort, wo ein Überholen verboten ist. Besonders hellhörig wurde der Richter, als der Zeuge schilderte, der Angeklagte habe allein im Auto gesessen. Dies war deshalb bemerkenswert, weil die Verteidigung einen Zeugen – den (angeblichen) Beifahrer des Angeklagten – hatte laden lassen.

Dieser konnte dann wenig zur Aufklärung beitragen. Er gab an, die ganze Zeit über mit seinem Smartphone beschäftigt gewesen zu sein, nur von der Bremsung und dem Wortwechsel habe er etwas mitbekommen.

In seinen Einlassungen hatte sich der wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte zuvor zum Opfer stilisiert. Er habe lediglich die Zeugin, die viel zu langsam gefahren sei, überholt: „Da sind 100 Stundenkilometer erlaubt.“ Nach dem Überholvorgang sei er von der Frau mit dem Fernlicht geblendet worden, habe nichts mehr gesehen und deshalb vollbremsen müssen. Dass er danach die Geschädigte zur Rede gestellt habe, gab er zu, seine Äußerungen täten ihm heute leid. Selbst als ihn der erstaunte Amtsrichter fragte „Bleiben sie wirklich bei dieser Aussage? Sind sie das Opfer?“, änderte der Mann an seiner Version nichts.

Während der Verteidiger erklärte, dass sein Mandant freizusprechen sei, sah die Staatsanwältin dies gänzlich anders und forderte eine Geldstrafe und ein einmonatiges Fahrverbot.

Der Vorsitzende Richter überraschte dann mit seinem Urteil. Er ging deutlich über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus und verurteilte den arbeitslosen Berufskraftfahrer zu einer Geldstrafe von 800 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot. Der Geschädigten sprach er darüber hinaus ein Schmerzensgeld von 300 Euro zu. Er sah den Tatbestand der Nötigung und Beleidigung in vollem Umfang als erwiesen an: „Mit ihrer nicht verkehrsbedingten Abbremsung haben sie Menschenleben gefährdet. Ich habe mich sogar gefragt, ob sie überhaupt geeignet sind, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen“, so der Richter zu dem sich nicht beruhigen wollenden Angeklagten.

Startseite