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Auf dem Gelände von Holz Wissing entsteht kein Wohnraum

Kita und eingeschossiger Markt

Greven

In der Sitzung des Ausschusses wurde leidenschaftlich gestritten und engagiert debattiert. Am Ende entschied eine Mehrheit: Ein Discounter an der Mühlenstraße darf eingeschossig gebaut werden, ohne Wohnen im Obergeschoss.

Oliver Hengst

Der Eigentümer will nicht verlaufen, sondern das 6000 Quadratmeter große Areal künftig anders nutzen. Foto:

Ein Lebensmittelmarkt und perspektivisch eine Kita an der Mühlenstraße – aber zumindest in diesem (nördlichen) Bereich keine Wohnbebauung. Das hat der Ausschuss für Stadtentwicklung nach intensiver Beratung mehrheitlich beschlossen.

Im Kern ging es um die Frage, ob der geplante Netto-Markt auf dem jetzigen Gelände von Holz Wissing eingeschossig gebaut werden darf oder ob eine mehrgeschossige Bauweise vorgeschrieben werden soll, die Platz für Wohnungen in den oberen Etagen bieten würde. Eine Diskussion, die es auch schon bei anderen Discounter-Neubauten gab.

Die Stadtverwaltung empfahl, eine eingeschossige Bauweise zu beschließen. Dem stimmten elf Ausschussmitglieder zu, sechs (Grüne, Reckenfeld direkt, Linke, Unser Greven) votierten dagegen. Die Planung sieht einen Netto-Markt im Bereich der Holzhandlung vor und eine Kita an jener Stelle, an der jetzt die Möbel-Brücke zuhause ist. So hatte es die „Wissing Immobilien GmbH&Co. KG“ für das rund 6000 Quadratmeter große Areal beantragt. „Die Möbelbrücke kann dort erstmal weiter betrieben werden“, machte Stadtplaner Hinnerk Willenbrink deutlich. „Es gibt da keinen akuten Druck“. Der Möbelbrücke werde nicht „der Teppich unter den Füßen weggezogen.“ Aber planungsrechtlich werde der Boden für die Kita bereitet, die somit gebaut werden könne, sobald es einen entsprechenden Bedarf links der Ems gebe. Zum Verzicht auf Wohnraum an dieser Stelle sagte er: Man verdichte in der Nähe und schaffe sehr viel Wohnraum, etwa im südlichen Teil der Mühlenstraße und an der Nordwalder Straße. Zudem sei die Fläche für Wohnen nicht sehr attraktiv.

Der Gestaltungsbeirat hatte die Umsetzung des Projektes grundsätzlich empfohlen, aber auch klar zum Ausdruck gebracht, dass man den Netto-Markt nur mit einer Wohnnutzung im Obergeschoss für städtebaulich vertretbar hält. Der Investor hingegen schließt eben dies aus – genau wie einen Verkauf des Grundstücks.

Man habe „in der Fraktion sehr gerungen mit dem Thema“, räumte Dr. Christian Kriegeskotte (SPD) ein. „Uns ist die Kita wichtig, wir brauchen auch Lebensmittel links der Ems.“ Für einen Markt gebe es schlicht keine andere geeignete Fläche. Wohnraum sei wünschenswert, aber auf Bewegung beim Investor zu warten, sei vergebene Müh. „Wir haben da fünf Jahre herumgedoktert.“ Die Alternative sei, dass die Halle als Unterstand für Wohnmobile genutzt werde (was zulässig wäre), dann doch lieber Nahversorger und Kita, so Kriegeskotte.

Für Margarete Zimmermann (Grüne) steht fest: „Wir brauchen Wohnraum, und wir brauchen auch an dieser Stelle Wohnraum.“ Ähnlich sieht es Moritz Hauschild (Linke): Dass man auf Wohnraum über dem Markt verzichten wolle, sei „in der aktuellen Situation nicht erklärbar“. Auch Ulrich Stratmann (Unser Greven) wollte den Verzicht auf Obergeschosse nicht akzeptieren. „Wenn der Investor das nicht will, muss er auf die Bebauung des Grundstücks verzichten.“ Für Dr. Henning Brockfeld (Grüne) ist der geplante Markt ein „Schuhkarton mit Parkplätzen. Erstaunlich ambitionslos, wie wir hier Stadtplanung betreiben.“ Man dürfe sich dem Investor nicht ausliefern. „Das können wir uns doch nicht bieten lassen, wo sind wir denn?“

Johannes Hennigfeld (CDU) begründete die Zustimmung zur eingeschossigen Bauweise mit dem Nahversorger- und Kita-Bedarf. „Warum keine Wohnbebauung? Die Lage ist aus unserer Sicht nicht optimal. Über einem Verbrauchermarkt zu wohnen stellt sich immer problematisch dar.“

Auch die FDP stimmte für die Pläne in der vorliegenden Form. Wilfried Roth erinnerte an die Wohn-Geschosse über dem Lidl an der Saerbecker Straße. „Wer wohnt denn dort? Keiner.“

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