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Solidarische Kollegen hielten Apotheke am Laufen

In der Krise zusammengehalten

Greven

Ein positiver Corona-Fall im Team, die Apotheke faktisch geschlossen – ein Schock für Manfred Albrecht und seine Mannschaft. Doch Hilfe kam ausgerechnet von Mitbewerben, die Personal schickten und so halfen, den Laden am Laufen zu halten und die Patientenversorgung zu sichern.

Oliver Hengst

Apotheker Manfred Albrecht (Stadttor-Apotheke) ist den Kollegen dankbar, die ihm Foto: Oliver Hengst

Er sagt selbst, es sei eine „emotionale Achterbahnfahrt“ gewesen. Die Zeit, die das Team der Stadttor-Apotheke um Inhaber Manfred Albrecht hinter sich hat, hat Kraft und Nerven gekostet. Ein Corona-Fall im Team, die faktische Schließung der Apotheke, zugleich eine große Hilfsbereitschaft von Mitbewerbern, inzwischen wieder Normalbetrieb. Das ist die Kurzzusammenfassung von aufwühlenden Wochen, die hinter Albrecht und seiner Mannschaft liegen.

Emotionale Achterbahnfahrt

Die Corona-Schnell-Tests, mit denen Albrecht sich und seine Mitarbeiterinnen regelmäßig checkte, waren und sind Routine. Auch an jenem Donnerstag, der alles ins Rollen brachte. Keine Routine: dass einer der Tests schwach positiv ausfiel. „Wir haben die Mitarbeiterin gleich in Quarantäne geschickt. Das Testergebnis haben wir auch sofort ans Gesundheitsamt gemeldet“, schildert Albrecht. PCR-Tests des ganzen Teams folgten natürlich umgehend.

Das Amt aber habe erst am Montag darauf reagiert – dafür umso drastischer. Am Nachmittag dieses Montags meldete sich das Amt telefonisch. Albrecht, der auch eine Corona-Teststelle betreibt, bereitete gerade den Test einer Kundin vor. „Die hat hier schon gesessen“, schildert der Apotheker. Die Botschaft des Amtes sei jedoch unmissverständlich gewesen: Er und seine Mitarbeiterinnen müssten alles stehen und liegen lassen. Alle Kontaktpersonen der infizierten Mitarbeiterin müssten sofort in Quarantäne. Formell traf das auf alle bis auf eine Teilzeitkraft zu. Faktisch bedeute das die Schließung der Apotheke. Ein Schock.

Albrecht versuchte zu retten, was zu retten war. Immerhin waren alle PCR-Tests des übrigen Teams negativ ausgefallen . „Bei uns ist alles negativ gewesen und auch die ganze Zeit geblieben“, betont Albrecht. Dennoch gab es keinen Verhandlungsspielraum und auch keine Diskussionsbereitschaft seitens des Amtes. Das Gesundheitsamt blieb bei seiner harten Linie.

Grevener Kollegen schickten Hilfe

Also nahm der Apotheker schon am Tag nach dem Anruf aus dem Home-Office, in das er verbannt war, Kontakt zu Berufskollegen aus Greven auf. Und die Hoffnung auf Unterstützung erfüllte sich. „Diesem Aufruf sind fast alle gefolgt“, sagt Albrecht. „Das hat mich gefreut.“ Sechs Apotheker haben entweder selbst Dienste in der Stadttor-Apotheke übernommen oder eigenes Personal entsendet. Und das, obwohl in diesen fordernden Zeiten alle selbst mehr oder weniger auf dem Zahnfleisch gehen. Keiner, sagt Albrecht, habe Personalüberhang. Dennoch gelang es den Kollgen – im Verbund mit der einzig verbliebenen, eigenen Teilzeit-Kraft als wichtiger Stütze – mit einer solidarischen Kraftanstrengung, die schwierige Zeit zu überstehen. „Alle Kollegen wissen: Das hätte ihnen auch passieren können.“ So konnte über mehrere Tage ein Notbetrieb an der Nordwalder Straße aufrecht erhalten werden. „Und da hat keiner gefragt: Was kriege ich dafür?“, betont Albrecht, der über seine Teilzeitkraft sagt: „Es ist unglaublich, was sie in der Zeit geleistet hat. Das kann man gar nicht genug betonen.“

Manfred Albrecht

Die große Hilfsbereitschaft der Kollegen, die ja immerhin auch Mitbewerber sind, hat Albrecht „nicht überrascht, weil wir ein gutes Verhältnis haben. Man hilft sich auch sonst. Ich selbst hätte in so einer Situation auch geholfen. Wir haben alle letztlich einen Auftrag: Wir haben Patienten zu versorgen.“

Und eine Apotheke sei eben viel mehr als ein Schubladen-Betrieb – ein gängiges Vorurteil gegen die Apotheker. „Wir haben Patienten mit sehr speziellen Bedürfnissen“, sagt Albrecht.

Inzwischen ist das Team der Stadttor-Apotheke schon eine ganze Weile wieder raus aus der Quarantäne, auch die infizierte Mitarbeiterin ist genesen und längst wieder im Einsatz. Die Corona-Teststelle konnte wegen räumlicher und personeller Trennung die ganze Zeit weiter betrieben werden.

Maßnahmen haben sich ausgezahlt

„Natürlich hinterfragt man sich selbst: Habe ich Fehler gemacht?“, schildert Albrecht die kritischen Tage. Doch im Rückblick bilanziert er, „dass wir „absolut richtig gehandelt haben“. Von Anfang an habe man mit FFP2-Masken, Trennscheiben, konsequenter Durchlüftung und regelmäßiger Testung des Teams auf größtmögliche Sicherheit gesetzt. Hygienemaßnahmen einhalten – damit kennt man sich in einer Apotheke ohnehin aus. Und in letzter Konsequenz haben sich die Maßnahmen auch ausgezahlt. Denn: „Keiner hat sich hier bei uns infiziert“, betont Albrecht. Innerhalb der Apotheke sei das Virus nicht weitergeben worden, ein Beleg dafür, wie konsequent man die Regeln anwende. Deshalb sei der eigentliche Corona-Fall im Kundenkreis auch kaum Thema gewesen. Die meisten hätten eher auf die solidarische Unterstützung durch Mitbewerber reagiert. „Die meisten waren sehr angetan von der Kollegenhilfe. Das war hier das Gesprächsthema Nummer eins.“

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