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Stelen informieren über Besonderheiten

Geschichte der Elf-Kinder-Bäume

Greven

Kaum jemand weiß, dass die elf Eichen, die im Mittelpunkt des Wöstenparks stehen, eine Bedeutung haben. Gepflanzt hat sie Georg Fromme, seines Zeichens Viehhändler und Metzgermeister. Jede Baum steht für ein Kind

Peter Beckmann

Mitglieder des Heimatvereins, Sponsoren, Bürgermeister, die neue Infostele und die Hauptdarsteller: Die Bäume der Liebe. Foto: Peter Beckmann

Es sind Bäume, sicherlich sogar sehr alte Bäume. Alt, weil sie eben recht groß sind. Und: Wenn man sich ein bisschen auskennt, sieht man sogar, dass es Eichen sind. So weit, so gut – Bäume halt. Aber: Diese Bäume, die das dominierende Element des Wöstenparks sind, stehen da nicht nur so rum, sie haben sogar eine Geschichte. Welche? Darüber informieren neue Infotafeln im Westen und Osten des Parks, die ihren Ursprung in Australien haben.

Was die Bäume und der Park in der Wöste mit Australien gemein haben? Eigentlich nichts, sozusagen gar nichts. Aber die Tafeln, die der Heimatverein jetzt dort aufgestellt hat, die haben einiges mit dem Land der Kängurus zu tun.

Denn der Heimatverein wollte nicht schon wieder irgendeine Infotafel aufstellen. „Da schaut ja niemand mehr hin“, sagte Herbert Runde, Vorsitzender des Vereins, beim Ortstermin. Aber: Eine Tafel, auf der die Geschichte mit den elf Eichen erklärt wird, sollte es dennoch sein.

Und jetzt kommt Australien ins Spiel. Irgendwo auf einer australischen Internetseite eines Naturparks sah der Grevener Künstler Ernie Huesmann (genau, der, der den Völkerball geschaffen hat) eine Infostele und befand sie für gut.

Ein Sockel, ein Metall-Ständer aus Cortenstahl (Stahl der rostet, aber nicht verrostet) und – das ist das ganz besondere – alte Eichenbretter von der alten Emsbrücke in Gimbte bilden das Gerüst für die „Stadt-Punkte“, wie es Runde nennt. „Wir haben in der Innenstadt die vielen Blickpunkte aufgestellt und wollen jetzt in den Stadtteilen mit diesen Stadtpunkten auf Besonderheiten hinweisen.“

Zurück zur Wöste, zurück zu den Bäumen. Die stehen da nicht nur so herum, die wurden absichtlich in genau dieser Zahl gepflanzt. Georg Fromme war ein bekannter Viehhändler und Metzgermeister im Haus Marktstraße 54. Er und seine Frau Theresia hatten sich wohl ganz doll lieb und bekamen von 1898 bis 1914 sage und schreibe elf Kinder – was damals wohl nicht wirklich ungewöhnlich war. Das Ungewöhnliche war aber die Idee des stolzen Papas, für jedes Kind eine Eiche zu pflanzen. Und das sind genau die, die jetzt den Wöstenpark zieren.

Gewusst hat das wohl kaum jemand, Herbert Runde hörte erst durch Zufall in einem Gespräch mit einem Nachfahren des Metzgers davon. „Eine interessante Geschichte, die wir den Bürgern und vor allem den neuen Einwohnern hier im Stadtviertel nicht vorenthalten wollten“, sagte Runde.

Die Idee stand, die Sponsoren wie zum Beispiel der Schreiner Michael Holtmann, der die alten Bretter auf dem Hof liegen hatte, oder Christian Leschnig von der Firma Artec-Metall, der den absichtlich rostenden Stahl spendete, waren auch schnell gefunden. Klaus Roth formulierte die Texte für die Tafeln. Und dann sollte eigentlich – gleichzeitig mit dem Aufstellen der Infotafeln – ein Stadtviertelfest mit Vereinen und sogar einer Bühne stattfinden. Man kann es schon erraten, das blöde Virus hatte etwas dagegen. „Aber ich hoffe, dass wir dieses Stadtteilfest noch nachholen können“, sagte Runde.

So oder so: Dieses neue System mit den Tafeln möchte der Heimatverein weiter führen. „Es gibt so viel Besonderheiten und Geschichte in dieser Stadt, die teilweise selbst die älteren Einwohner nicht kennen“, erklärt Runde. Aber es sei auch wichtig, dass Neubürger möglichst viel über ihre neue Heimatstadt erfahren.

Und so ist es auch in dem nicht mehr ganz so neuen Neubaugebiet Wöste. Welcher Bewohner weiß schon, dass Wöste eigentlich nichts anderes als Wüste bedeutet, dass alle Grevener früher der Meinung waren, dass nie jemand in der Wöste würde wohnen können, dass die Rönne früher über zwei Kilometer lang war und ganz anders verlief als heute, und dass Ende 2018 der durchschnittliche Wöste-Bewohner unter 27 Jahre alt war. Nun: Genau das kann man auf diesen Infotafeln nachlesen.

Was da nicht steht ist die Tatsache, dass die Wöste nichts mit Australien zu tun hat. Aber: das steht ja jetzt hier . . .

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