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Naturschutzkonflikt am Beach

Einstimmig für den Rettungsanker

Greven

Der Beach in Greven ist in Gefahr. Naturschützer würden dort am liebsten alle Veranstaltungen untersagen. Die Stadt hofft jetzt auf ein planerisches Ausnahmeverfahren.

Oliver Hengst

Die Aktionsfläche „Greven an die Ems“ aus der Luft: Die Stadt Greven will die Nutzung rechtlich absichern und zugleich Naturschutz-Belange wahren. Foto: Wilfried Gerharz

Der Beach und die Aktion im Rahmen der Reihe „Greven an die Ems“ stehen auf dem Prüfstand – und die Stadt wirft nun den Rettungsanker. Eine Änderung des Landschaftsplanes soll den Beach rechtlich absichern. Doch es ist absehbar, dass es wohl zu Einschränkungen kommen wird. Es läuft auf weniger Veranstaltungen und eine geringere Inanspruchnahme der Fläche hinaus. Heißt: Man befasst sich konkret mit Szenarien, das Beachleben zumindest teilweise auf die östliche Deichseite zu verlegen und mehr Abstand zum Ufer zu halten.

Die andere Seite

Ausschlaggebend sind massive Konflikte mit dem Naturschutz, die sich bislang nicht lösen ließen. Gleichwohl besteht nach wie vor Gesprächsbereitschaft seitens der Stadt und auch die Hoffnung, dass sich im Dialog eine für alle tragbare Lösung finden lässt.

Die Stadt selbst hat rein rechtlich gesehen kaum direkte Einflussmöglichkeiten und im Grunde keinen Zugriff auf die Fläche: Denn die Emsauen sind Naturschutzgebiet, obendrein FFH-Schutzgebiet und liegen somit in der Zuständigkeit der Landschaftsschutzbehören, hier dem Kreis Steinfurt und übergeordnet der Bezirksregierung.

Fast nichts erlaubt

Die Krux: Eigentlich ist innerhalb der Deiche (Teil des Naturschutzgebietes) fast nichts erlaubt. Bislang gab es für Events und bauliche Veränderungen lediglich jährliche Befreiungen von den eigentlich geltenden Verboten. Befreiungen, die der Naturschutz bislang mitgetragen hat.

Das hat sich Ende 2019/ Anfang 2020 geändert. „Die Naturschutzverbände haben durch ihre Öffentlichkeitsarbeit und ihre Klagen gegen Veranstaltungen zum Ausdruck gebracht, dass sie Aktivitäten auf der Fläche als unzulässig erachten“, heißt es in einer Beschlussvorlage, über die am Donnerstag der Stadtentwicklungssauschuss beraten hat. Ein Gespräch, das Bürgermeister Dietrich Aden Mitte April mit Naturschützern geführt hat, verlief – na ja – unerfreulich. Die Vertreter des Naturschutzes hätten deutlich gemacht, dass keinerlei Aktivitäten an der Ems stattfinden dürften und im Grunde alles rückzubauen sei, berichtete Aden.

Also Ende Gelände? Keineswegs. Ein möglicher Ausweg ist der am Donnerstag auf den Weg gebrachte Antrag auf Änderung de Landschaftsplanes. Kompliziert (wie die ganze Problematik) und nicht von heute auf morgen zu realisieren, auch weil viele Voraussetzungen erfüllt werden müssen, – aber machbar. Kreis und Bezirksregierung halten eine Ausnahmeregelung im Landschaftsplan offenbar für möglich. Also wird es die Stadt versuchen. Man betrete „in gewisser Weise unsicheres Terrain“, sagt Aden. Aber nichts zu machen ist eben auch keine Option.

Einstimmiges Votum

Die Politik stellte sich am Donnerstag einstimmig hinter den Vorschlag des Bürgermeisters, diesen Weg zu gehen. Der Kernsatz des Beschlusses lautet: „Die Stadt Greven bekennt sich zum Projekt ,Greven an die Ems‘ und möchte dieses unter Beachtung der Schutzbelange von Flora und Fauna rechtssicher aufstellen.“

Eben das hält das von der Stadt beauftragte Planungsbüro Lange für möglich. Gutachter Wolfgang Kerstan machte im Ausschuss deutlich, dass man die Situation „planungsrechtlich aussteuern“ könne und müsse. Ein Nebeneinander von Mensch und Natur sei möglich und auch gar nicht zu verhindern. Der Beach habe eine „Ventilfunktion. Das ist ganz wichtig“. Sprich: Würde man die Menschen hier aussperren, würden sie an anderer Stelle die Emsaue aufsuchen. Insofern müsse man Besucher gezielt lenken, um besonders schützenswerte Bereiche zu schützen. „Dieses verträgliche Nebeneinander muss jetzt hergestellt werden.“ Bisherige Abstimmungsgespräche seien positiv verlaufen. „Das nimmt alles eine sehr gute Entwicklung.“

Nach Kerstans Analyse sind Veranstaltungen und Einbauten durchaus mit den naturschutzrechtlichen Vorgaben vereinbar, gleichwohl seien Anpassungen notwendig. Vor allem sieht er diese Notwendigkeit bei Einbauten, „die sich schleichend Platz genommen haben.“ Hier müsse der temporäre Charakter gestärkt werden. Dauerhafte Anlagen müssten an, auf oder hinter den Deich verlegt werden. Das könnte beinhalten, dass auch die Beach-Bar an die Deichkante versetzt werden muss.

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