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Schule in Corona-Zeiten

„Die Freude ist trotzdem spürbar“

Greven

Schule ist mehr als Lernen, Schule bedeutet auch viel soziales Miteinander. Doch wie soll das in Pandemiezeiten gelingen? In Zeiten also, da die Schule darauf achten muss, dass Lerngruppen nicht gemischt werden, dass Abstände eingehalten und Masken getragen werden? Die Josefsgrundschule hat Antworten gesucht und gefunden.

Oliver Hengst

Ein neu installierter Ausleih-Schrank mit gestifteten Kinderbüchern wird sehr gut angenommen. Foto: Oliver Hengst

Das Organisieren von Unterricht und Lernen in Pandemie-Zeiten – darin sind Schulen, Eltern und Schüler inzwischen geübt. Doch Schule geht über bloßes Lernen hinaus. „Schule ist nicht nur ein Ort der reinen Wissensvermittlung“, sagt Edda Diepenbrock, Vorsitzende des Förderkreises der Grundschule St. Josef. Gerade in der Grundschule gehe es um „Förderung und Bildung in allen Bereichen“. Letztlich wolle man, dass die Kinder „groß und stark werden“. „Schule ist auch viel soziales Miteinander“, bestätigt die Schulpflegschaftsvorsitzende Dr. Nicole Pawlik. Es gehe darum, gemeinsam Neues zu entdecken und so ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

Doch wie soll das in Pandemiezeiten gelingen? In Zeiten also, da die Schule darauf achten muss, dass Lerngruppen nicht gemischt werden, dass Abstände eingehalten und Masken getragen werden? Und in denen ein mehr der weniger großer Teil des Unterrichtes gar nicht in der Klassen, sondern einzeln vorm heimischen Monitor stattfindet?

Die Josefsgrundschule hat Antworten gesucht und gefunden. Besondere Aktionen nehmen gerade diese sozialen Aspekte in den Blick und versuchen, trotz allem so etwas wie Gemeinschaft entstehen zu lassen.

Ein Beispiel: eine Schleifchen-Aktion. Alle Kinder waren aufgerufen, eine solche an den Bolzer-Zaun zu knüpfen und darauf ein paar Wünsche zu notieren. Eine Einladung, von der reichlich Gebrauch gemacht wurde. „Gesundheit und Freundschaft“ schrieb ein Kind auf, ein anders wünscht sich „dass die Schule wieder auf macht“. „Für meine Tochter war das eine ganz tolle Aktion, zu sehen, was die anderen geschrieben haben“, sagt Nicole Pawlik. Ganz nebenbei bot die Aktion den Anlass, überhaupt mal wieder den Schulhof zu betreten, nach wochenlangem Distanzunterricht.

Auch ein neu angelegtes Blumenbeet und ein Acker, in dem Kräuter und Gemüse gedeihen, sind in diesen entbehrungsreichen Zeiten echte Highlights für die Kinder. „Es gibt immerhin eine ganz große Gruppe von Kindern, die haben Schule noch gar nicht anders erlebt als unter diesen Vorzeichen“, sagt Pawlik. Das weiß natürlich auch der Förderkreis, der deshalb alle Wider-Kehrer nach dem Ende des Distanzunterrichtes mit kleinen Geschenken symbolisch willkommen hieß. „Sie haben eine harte Zeit hinter sich“, sagt Diepenbrock. Den Eltern spricht Anne Sprakel ein Sonderlob aus. Home-Schooling sei eine große Herausforderung und „erfordert hohe Flexibilität von allen. Die Eltern haben einen wahnsinnigen Spagat hinbekommen in den letzten Monaten.“ Auch die Lehrkräfte hätten die Herausforderung sehr engagiert angenommen. Die Lehrer seien „unglaublich professionell und den Kindern zugewandt“, freut sich Pawlik. Das gelte für den Präsenzunterricht (sofern möglich), aber auch für die Videokonferenzen.

Schulleiterin Anne Sprakel freut besonders, dass Eltern derzeit noch tatkräftiger mitanpacken also ohnehin schon. „Ich nehme das ganz deutlich wahr.“ Das mache letztlich die Schulgemeinschaft aus. In der Krise rückt man zusammen.

Man habe leider viele Veranstaltungen verschieben oder ausfallen lassen müssen, die sonst den Schulalltag bunter machen. Und doch seien die Kinder nicht gefrustet. „Die Freude ist trotzdem spürbar“, sagt Anne Sprakel, speziell als nach langem Distanzunterricht wieder der Wechselunterricht anlief. Dann hätten die Kinder nicht in die Schule gemusst, sondern gedurft – und die Jungen und Mädchen selbst hätten das genauso empfunden.

Letztlich hat selbst diese Pandemie auch ihr Gutes. Nicht nur, dass sie die Digitalisierung und die entsprechende Ausstattung von Schulen und Haushalten beschleunigt, sie fördert auch interessante Erkenntnisse zutage. „Kinder sind deutlich belastbarer, als wir ihnen das zugetraut haben“, sagt Diepenbrock. „Und selbstständiger“, ergänzt Pawlik. Das Organisieren der Arbeit, im Home-Schooling besonders wichtig, und das Durchhaltevermögen, das viele an den Tag legten, sei erstaunlich.

Diese Botschaft vermittelt Anne Sprakel auch allen besorgten Eltern, deren Kita-Kinder demnächst zu Erstklässlern werden. „Wir konzentrieren uns auf das, was möglich ist. Und wir nehmen alle Kinder mit.“

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