1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Greven
  6. >
  7. Basis ist der gemeinsame Glaube

  8. >

Mehr als 30 Jahren Partnerschaft mit St. Anne in Bongo Ghana

Basis ist der gemeinsame Glaube

Greven

Gesänge, Trommeln und Tanzen – daran erinnert sich Heide Fechner besonders, wenn sie an ihren ersten Besuch 1991 in St. Anne in Bongo im Norden Ghanas denkt, der Partnergemeinde der St. Martinus-Gemeinde.

Pia Weinekötter

Zwölf Klassenräume konnten durch die Unterstützung des Ghana-Kreises bereits mit robusten von heimischen Handwerkern gefertigten Schulmöbeln einrichten – doch es fehlen noch weitere über 1500 Schultische. Foto: pf

„Nach unserer Ankunft vom Flughafen wurden wir von allen Gemeindemitgliedern an der alten Kirche, der Old Mission, empfangen: Männer, Frauen, Junge und Alte, sangen, trommelten und tanzten zur Begrüßung … und irgendwann haben wir einfach mitgemacht“, schmunzelt die ehemalige erste Vorsitzende des Ghana-Kreises, denn „am Ende unseres Aufenthaltes haben uns die Leute gesagt, als ihr mitgetanzt habt, wussten wir: ihr seid Freunde“

Schon 1989 entstand der Kontakt der beiden Gemeinden. Organisatorisch unterstützt von der Diözese Münster und in Greven anfänglich in der Eine-Welt-Gruppe verankert, wuchs die Verbundenheit mit jedem gegenseitigen Besuch und jedem neuen gemeinsamen Projekt.

„Uns war immer wichtig, dass es keine einseitige Patenschaft, sondern eine gegenseitige Partnerschaft auf Augenhöhe ist“, betont Heide Fechner und fügt hinzu, „die Basis dafür ist unser gemeinsamer Glaube.“ Trotzdem oder gerade deswegen legt der Ghanakreis besonderen Wert darauf, dass die Projekte immer offen für alle sind.

Als erstes wurde beispielsweise der Kauf einer Getreidemühle unterstützt, um das Leben und Arbeiten der Frauen zu erleichtern. Dabei war es egal, ob die Nutzerinnen dem christlichen, muslimischen oder traditionellen Glauben anhingen. Wichtiger sei es, dass sie bei dem Projekt mitarbeiten und es eigenverantwortlich betreiben. Genauso wie bei den später angeschafften Nähmaschinen. „Die haben wir natürlich in Ghana gekauft, um die heimische Wirtschaft zu stärken und die Versorgung mit Ersatzteilen zu gewährleisten.“

Die Bildung ist ein weiterer großer Baustein in dieser Partnerschaft. Hier kennt sich Helga Verlage als pensionierte Lehrerin, die selbst 2005 in Ghana war, bestens aus: „Im Laufe der Jahre haben wir gemeinsam viel erreicht: da die Kinder vorher unter Bäumen unterrichtet worden sind, wurden Klassenräume ebenso errichtet wie Lehrerzimmer, Schülerbüchereien zum Selbststudium für Prüfungsvorbereitungen, Internet-Computer-Unterrichtszentren zum Nachweis von Computer-Kenntnissen für die Aufnahme in der Secondary School.“ Zusätzlich konnten Lehr- und Unterrichtsmaterialien angeschafft werden und auch Toiletten, Trinkwasserversorgung, elektrische Stromanschlüsse wurden installiert.

Wenn auch der Ghanakreis in der Regel den Großteil der Finanzierung übernimmt, so liegt immer ein kleiner Teil der Kosten auch bei der Gemeinde ebenso wie die Vorarbeiten, die Unterstützung der Bauarbeiten sowie den Betrieb und die Säuberung der Schulen. „Wir haben auch bereits zwölf Klassenräume der 23 Schulen mit robusten und vor Ort gefertigten Schulmöbeln ausstatten können“, erklärt Helga Verlage nicht ohne Stolz, „aber der Bedarf ist riesig, es fehlen noch 1580 Schultische und -bänke sowie 127 Tische und Stühle für die Lehrer – doch das lässt sich pro Klassenraum schon mit einer Summe von nur 850 Euro realisieren.“

Die Mittel dazu bekommt der Ghana-Kreis nicht nur durch Spenden, sondern auch durch ganz gezielte Partnerschaften zwischen Schulen und Kindertagesstätten hier vor Ort und in Bongo. „Neben der St. Martini-Grundschule und dem St. Johannes-Kindergarten ist es aktuell vor allem die Käthe-Kollwitz-Schule Emsdetten, die seit mehr als 27 Jahren mit fünf Schulen in Bongo partnerschaftlich verbunden ist und beispielsweise durch ihren Sponsorenlauf die Schulprojekt vor Ort unterstützen – aber es dürfen gerne mehr Partnerschaften im gegenseitigen Austausch werden“, macht sie ein Angebot an die hiesigen Schul- und Kita-Verantwortlichen, „ein Kontakt zwischen den deutschen und ghanaischen Schulklassen ist heute über WhatsApp oder Mails so viel einfacher und schneller aufrecht zu erhalten als in der Anfangszeit, als wir wochenlang auf Post warten mussten.“

Mit dem Projekt Aids-Kranke hat der Ghana-Kreis ein bis dahin weitestgehend tabuisiertes Thema angesprochen. Seit 2005 kümmert sich Samson Aduah aus christlicher Überzeugung um die Aids-Kranken wie auch die -Waisen und -Familien im riesigen Gemeindegebiet. Dafür hat er sogar seinen Job in der Schule aufgegeben. „Seit 2007 wird er vom Ghanakreis finanziell unterstützt beim Unterhalt für sich und seine Mutter sowie beim Kauf von Medikamenten und Nahrungsmitteln für die von Aids betroffenen Familien“, erläutert Gabi Claus, die 2020, kurz nach bei ihrem Eintritt in den Ghana-Kreis, diesen Schwerpunkt übernommen hat.

Für die examinierte Krankenschwester hat gerade das Gesundheitswesen einen hohen Stellenwert. Deshalb freut sie sich besonders, dass sie mit dem Ghana-Kreis in den vergangenen Monaten durch viele Aktionen und auch durch etliche Privatspender über 7000 Euro erwirtschaften konnte. „Damit werden drei dringend benötigte Motorräder angeschafft, die der Gemeinde St. Anne übereignet wurden, um es Samson und seinem Helfer Isaac zu ermöglichen, in dem riesigen Gemeindegebiet tätig zu sein.“

Dabei ist die Partnerschaft nie eine Einbahnstraße. „Wir bekommen so viel zurück: Freundlichkeit, Fröhlichkeit, Einblicke in die Kultur wie auch eine enorme Gastfreundschaft, denn sie teilen mit uns sogar das Wenige, das sie haben“, freut sich Heide Fechner und erinnert sich an einen Besuch, als man ihr einen Korb mit 100 Eiern und ein lebendiges Huhn in den Schoß legte.

Startseite