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Neuntklässler des Gymnasiums setzen sich kritisch mit dem NS-Regime auseinander

Gedenkstätte Esterwegen im Fokus

Ochtrup

Ein Besuch der Gedenkstätte Esterwegen gehört für den Jahrgang neun des Städtischen Gymnasiums zum Geschichtsunterricht dazu. Coronabedingt wichen die Beteiligten in diesem Jahr auf ein digitales Format aus.

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Ein Besuch der Gedenkstätte Esterwegen im Emsland gehört für die neunten Jahrgänge des Gymnasiums zum Geschichtsunterricht dazu. Coronabedingt wichen Schule und Gedenkstätte in Kooperation mit dem Studienseminar Rheine in diesem Jahr auf ein digitales Format aus. Foto: dpa

Es ist eine tragende Säule der Demokratieerziehung des Gymnasiums, dass regelmäßig Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs zur Gedenkstätte des nächstgelegenen Konzentrationslagers nach Esterwegen fahren, um sich dort – nach sorgfältiger Vorbereitung im Unterricht – mit den Schrecken des NS-Regimes kritisch auseinanderzusetzen. In diesem Jahr sollte diese Veranstaltung der Coronapandemie eigentlich zum Opfer fallen. „Aber in Kooperation mit der Gedenkstätte Esterwegen, dem Studienseminar Rheine und der Fachschaft Geschichte wurde ein tragfähiges digitales Ersatzformat geschaffen“, schreibt das Gymnasium in einem Pressebericht.

Ziel sei gewesen, dass die Jugendlichen gemeinsam einen Beitrag für die Homepage der Gedenkstätte gestalten, um auf diese Weise an die Menschen, die dort lebten, zu erinnern.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten daher zunächst in Form eines aus Esterwegen präsentierten Vortrages Grundinformationen zur Entstehung, Nutzung und Befreiung der Emslandlager. Im Anschluss galt es, selbst tätig zu werden. „In Kleingruppen erstellten die Jugendlichen anhand von Originaldokumenten Biografien zu Opfern und Tätern, die sich im Konzentrationslager aufgehalten hatten. Mit Hilfe des Studienseminars Rheine waren die Quellen sorgsam aufbereitet und didaktisiert worden“, heißt es im Bericht weiter.

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe neun des Gymnasiums – hier (v.l.) Uta Vollenbröker und Paula Lippers-Hollmann – setzten sich kritisch mit dem Thema auseinander. Foto: Andreas Pohlmann

Die Schülerinnen und Schüler, die wegen des Wechselunterrichtsmodells zu Hause arbeiten mussten, wurden über die digitale Plattform der Schule zugeschaltet. Die so entstandenen Ergebnisse bildeten die Grundlage „für einen regen und teilweise emotional geführten“ Austausch darüber, ob man Tätern, wie zum Beispiel Willi Herold, der in den letzten Kriegstagen als falscher Hauptmann der Luftwaffe über hundert Menschen auf grausame Weise hinrichten ließ, gedenken sollte oder nicht.

Das Fazit sowohl der Lerngruppen als auch der betreuenden Lehrkräfte Ulf Brockhoff und Andreas Pohlmann fiel eindeutig aus: „Hier wurde ein Konzept verwirklicht, das auch in Zeiten, in denen ein gemeinsamer Besuch der Gedenkstätte nicht möglich ist, zum einen einen Eindruck über die damaligen Bedingungen vermittelt und zum anderen eine handelnde Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur ermöglicht.“ So verwundere es niemanden, dass die Gedenkstätte dieses Format weiter einsetzen werde. Aber auch das war allen Beteiligten klar: Ein Besuch der Gedenkstätte ist für die kommenden Jahrgänge ein Muss. Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler werden in den nächsten Tagen auf der Homepage der Gedenkstätte Esterwegen einsehbar sein. Diese selbst ist seit Kurzem wieder für Kleingruppen und Einzelbesucher geöffnet.

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