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Kegelclub pflegt Plaggenstiäker-Beet

Erst in die Rabatte, dann in die Vollen

Metelen

Das Beet rund um die Figur des Plaggenstiäkers am Mühlentor wird regelmäßig gepflegt – ehrenamtlich. Diese Arbeit haben sich die Herren des Kegelclubs „Hinterhölzer“ angenommen. Wobei die altgedienten Kegler Wert darauf legen, dass sie Freude bei ihren Arbeitseinsätzen haben.

Dieter Huge sive Huwe

Eberhard Rupprecht (l.) und Josef Wesselervom Kegelclub „Hinterhölzer“ kümmern sich im Wechsel mit ihren anderen Kegelbrüdern um die Pflege des Plaggenstiäker-Beetes zwischen der Kirchstraße und dem Mühlentor. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Erst die Arbeit, dann der Lohn. Diesem Sprichwort Sinn zu geben, fällt angesichts der beiden Senioren, die in dem gestalteten Beet rund um die Figur des Plaggenstiäkers am Mühlentor schaffen, ein wenig schwer. Denn wer mit Josef Wesseler und Eberhard Rupprecht ins Gespräch kommt, der merkt schon nach wenigen Sätzen, dass die Arbeit in den Rabatten keineswegs eine Last, sondern die reine Freude ist für die beiden und ihre Mitstreiter. Denn sie arbeiten hier rein ehrenamtlich.

Schon seit gut 46 Jahren werfen die Herren des Kegelclubs „Hinterhölzer“ regelmäßig in die Vollen, sind damit nach eigenen Angaben der dienstälteste Kegelclub im Ort – gegründet am 5. Oktober 1975 im damaligen Heidehotel.

Kegeln allein genügt nicht

Doch mit dem Kegeln allein wollten es die zehn Männer nicht bewenden lassen. Seit vielen Jahren kümmern sie sich um den Plaggenstiäker. Die Bronzefigur, geschaffen von der Horstmarer Bildhauerin Gertrud Büscher-Eilert, wurde im Jahr 1989 auf ihrem Platz am Mühlentor aufgestellt. Sie zeigt einen im Schweiße seines Angesichts in der Heide arbeitenden Dorfbewohner in einer Zeit, in man den Brennstoff für dem Ofen noch mit dem scharfen, dreieckig zugespitzten Spaten stach. Die Schubkarre, auf der der Vorrat zurück in den Ort geschafft wurde, ergänzt das Ensemble.

Regelmäßig alle zwei Wochen und zugleich immer am Tag des regelmäßigen Kegelabends bekommt der Plaggenstiäker Gesellschaft von den Hinterholz-Kegelbrüdern. „Aktuell dürfen wir nur zu zweit hier sein“, berichtet Josef Wesseler. Vor Corona waren auch schon mehr vor Ort, um die Anlage in Schuss zu halten. An diesem Tag teilt sich also ein „Hinterhölzer-Duo“ die Arbeit.

Josef Wesseler fungiert dabei als „Plaggenstiäker-Beauftragter“, wie sein Kegelbruder Eberhard Rupprecht breit grinsend flachst. Die Stimmung stimmt, und so geht die Arbeit um so rascher von der Hand. Es gilt, die Beete von unerwünschten Kräutern zu befreien. Und die schauen auch nach nur zwei Wochen schon wieder aus dem Boden.

Heidekraut, knorrige Kiefern und Ginster

Der abgemagerte Grund muss sein, denn das Beet zwischen Mühlentor und Kirchstraße bildet eben jene Landschaft nach, wie sie früher im Gebiet der Metelener Heide zu finden war und wie sie auf einer Solitärfläche unweit der Tennisanlage seit Jahren mühsam wieder zum Leben erweckt wird.

Am Plaggenstiäker vermitteln Heidekraut, knorrige Kiefern und Ginster einen Eindruck vom einstigen Bild der Heide. Dieses wird ergänzt vom schwer schuftenden Werktätigen ganz aus Bronze. Anders als auf der Fläche draußen in der Heide werden am Plaggenstiäker allerdings auch schon mal vertrocknete Pflanzen ersetzt und der Natur so nachgeholfen.

Wenn’s mal wieder ganz trocken wird, greift Josef Wesseler zum Bewässerungsschlauch. Ein Anschluss in einem Schacht liefert das wichtige Nass.

Gartengeräte und Schubkarre verschwinden nach der Aktion, die sich im 14-tägigem Rhythmus wiederholt, im Mühlenmuseum der Heimatfreunde. Der Heimatverein, der das Plaggenstiäker-Beet einst initiierte, war es auch, der die „Hinterhölzer“ fragte, ob sie nicht die Pflege übernehmen wollten. „Wir sind doch selber alle im Heimatverein“, berichtet Eberhard Rupprecht, der Benjamin in der Kegeltruppe. Und so begriffen die Herren die Frage eher als Aufgabe, kaum als Arbeit.

Und doch gibt es einen Lohn, wenn das Beet des Plaggenstiäkers nach der morgendlichen Pflege wieder auf Vordermann gebracht ist. Am Abend wird nämlich gemeinsam gekegelt – wenn Corona dass den wieder zulässt. „Im vergangenen September haben wir das immerhin zweimal geschafft“, erinnert sich Josef Wesseler ein wenig wehmütig. Sein Kegelbruder frotzelt: „Wenn wir morgens hier arbeiten, erinnern wir uns auch daran, dass später Kegelabend ist – schließlich sind wir ja schon alle im fortgeschrittenen Alter.“

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