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Scheunenbrand auf dem Hof Bußmann

„Du, das ist bei uns!“

Ochtrup

Vor mehr als 50 Jahren trieb ein Feuerteufel in Ochtrup sein Unwesen. Die Bevölkerung verdächtigte Josef L., der unter dem Spitznamen „Zwacki“ stadtbekannt war. Nach seiner Festnahme hörten die Brände auf. Vor Gericht wurde er allerdings freigesprochen. Betroffene von damals erzählen, wie es war, als „Zwacki“ in der Töpferstadt gefürchtet wurde.

Alex Piccin

Die Familie Bußmann vor den Überresten der abgebrannten Scheune (v.l.): Paula, Maria, Franz-Hermann, Heinz, Brigitte, Elisabeth und Heinrich. Foto: Privatarchiv Bußmann

Zu einem Scheunenbrand kam es im Spätsommer 1963 auf dem Hof der Familie Bußmann. Der Verdacht fiel im Nachhinein auch hier auf „Zwacki“. Dieser habe nämlich auf dem Hof der Familie an der Laurenzstraße erfolglos angefragt, ob er einen Schuppen als vorübergehende Wohnung mieten könnte. Kurze Zeit später brannte die neu erbaute Scheune, in der das gesamte Getreide gelagert worden war.

Menschenauflauf am Brandort

Franz-Hermann Bußmann kann sich an ein Detail noch besonders gut erinnern. Mit seinem Vater Heinrich war er auf einem Pferdekarren aus der Oster über den Postdamm auf dem Weg nach Hause. Die beiden vernahmen die Sirenen und Heinrich machte den damals Zehnjährigen auf eine Rauchsäule aufmerksam machte: „Guck mal, da qualmt es. Du, das ist bei uns!“ Der Junior bekam die Zügel in die Hand gedrückt, Papa sprang vom Wagen und eilte querfeldein zur Laurenzstraße, um zu helfen. Als der Sohnemann ebenfalls dort angekommen war, musste er sich mit Pferd und Wagen einen Weg durch den Menschenauflauf bahnen.

Die Feuerwehr war von einem aufmerksamen Nachbarn alarmiert worden. Die Scheune brannte komplett nieder, verletzt wurde glücklicherweise niemand und das Feuer griff auch nicht auf andere Gebäude über. „Die verkohlten Überreste und das unbrauchbare Getreide haben wir auf der Wiese verteilt“, blickt Franz-Hermann Bußmann zurück.

Die Kriminalpolizei ermittelt

Ein oder zwei Tage später bekam die Familie Besuch von der Kripo, die zur Brandursache ermittelte. „Auch wir Kinder wurden verdächtigt“, sagt er. Seine Schwester Brigitte Wellkamp erinnert sich noch an eine Beamtin. „Wir wurden auch verdächtigt und gefragt, ob wir wüssten, wo wir im Haus Streichhölzer haben und ob wir drankommen könnten.“

Wussten sie, aber der Verdacht wurde fallengelassen. Die Versicherung kam für den Schaden auf und ein Jahr später wurde die Scheune wieder aufgebaut.

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