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71-Jährige offenbar kleptomanisch veranlagt

Diebstahl kostet Ochtruperin 250 statt 6,50 Euro

Ochtrup

Geständig zeigte sich eine 71-Jährige aus Ochtrup vor dem Amtsgericht Steinfurt. Sie hatte in einem Geschäft an der Bahnhofstraße Waren im Wert von 6,50 Euro „mitgehen lassen“. Da sie wegen ähnlicher Delikte einschlägig vorbestraft ist, kam das Gericht nicht um eine Verurteilung herum.

Norbert Hoppe

Der Warenwert bei einem Diebstahl, den eine 71-Jährige begangen hat, war nicht sehr hoch. Doch die Ochtruperin stand nicht das erste Mal vor Gericht. Foto: Britta Pedersen/dpa

Wegen des Diebstahls geringwertiger Sachen musste sich am Dienstag eine 71-jährige Ochtruperin vor dem Amtsgericht Steinfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihr in der Anklage vor, im Oktober des vergangenen Jahres bei einem Discounter an der Bahnhofstraße Waren im Wert von 6,50 Euro eingesteckt und nicht bezahlt zu haben.

Wie die Angeklagte in ihrer Einlassung geständig einräumte, hatte sie noch andere Sachen eingekauft, die sie ordnungsgemäß auf das Fließband gelegt und auch bezahlt hatte. Das Geld für die nicht bezahlten Waren hätte sie dabeigehabt. Sie könne sich nicht erklären, was an diesem Tag mit ihr los war, erklärte sie dem Gericht. „Ich wollte mich bestimmt nicht bereichern, das wäre bei dem geringen Warenwert auch gar nicht möglich gewesen“, sagte sie unter Tränen in der Verhandlung aus.

Freiwillige Therapie

Der Verteidiger berichtete von der in dieser Zeit schwierigen familiären Situation und von gesundheitlichen Problemen der Angeklagten. Sie schäme sich sehr für ihr Fehlverhalten und es täte ihr leid, was sie angerichtet habe. „Sie stand richtig neben sich“, so die Erklärung des Anwaltes.

Die Filialleiterin des Geschäftes, die während des Vorfalls an der Kasse tätig war, sagte als Zeugin aus, dass sie den Diebstahl selbst gar nicht bemerkt habe. Allerdings habe sie eine aufmerksame Kollegin darüber informiert. Daraufhin habe sie die Kundin aufgefordert, in das Büro der Filiale mitzukommen, um den Fall aufzuklären. Da die Angeklagte dieser Aufforderung nicht nachkam, informierte sie die Polizei und notierte das Autokennzeichen der Ochtruperin, worauf sie als Halterin schnell ermittelt werden konnte.

Im Bundeszentralregister waren in den letzten Jahren bereits mehrere einschlägige Vorstrafen verzeichnet, wobei jedes Mal nur ein sehr geringer finanzieller Schaden entstanden sei. Wegen der Diebstähle hatte sich die Angeklagte freiwillig in eine psychologische Therapie begeben, da bei ihr eine kleptomanische Veranlagung diagnostiziert worden war.

Einschlägig vorbestraft

Die einschlägigen Vorstrafen und die begangene Straftat noch während einer laufenden Bewährungszeit führten zu einer Verurteilung, wobei sowohl der Staatsanwalt wie auch die Richterin das Geständnis, die glaubwürdige Reue und die Einsicht in die strafbare Handlung als positiv für die Angeklagte werteten. Das Gericht verurteilte die Ochtruperin zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage wird der Verurteilten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und sie muss die wegen des Rückfalls auf eigenen Wunsch bereits begonnene psychosoziale Therapie fortsetzen. Außerdem muss sie 250 Euro an die Landeskasse zahlen.

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