1. www.dzonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Kreis-steinfurt
  6. >
  7. Blick in die Kinderstube der Steinkäuze

  8. >

Artenschutz im Strönfeld

Blick in die Kinderstube der Steinkäuze

Metelen

Der Steinkauz und das Strönfeld werden oft in einem Atemzug genannt. Naturschützer kümmern sich seit Jahren um die kleinen Eulenvögel. In dieser Woche waren Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Steinfurt vor Ort, um die Nisthilfen für die Nachtjäger zu überprüfen. Mit Erfolg, denn in den verschiedenen Steinkauz-Röhren entdeckten sie mindestens 15 junge Vögel.

Dieter Huge sive Huwe

Robert Tüllinghoff inspiziert die Brutröhre in einer Erle zunächst mit einer Wildkamera, bevor er mit einer Leiter hinaufklettert (kl. Foto oben). Fünf junge Steinkäuze drängen sich an der abnehmbaren Rückwand zusammen – ein Erfolg für das Artenschutzprojekt. Eine zweite Brutröhre wurde von den Naturschützern in den Giebel eines Schuppens auf einer Feuchtwiese eingebaut. Foto: Dieter Huge sive Huwe 

Die Wildkamera zickt ein wenig. Dabei hat Robert Tüllinghoff sie eigens an einen großen Teleskopstiel geschraubt, den er voll ausgefahren hat. Sein Ziel: Einen Blick werfen in die Kinderstube der Steinkäuze. Wir sind im Strönfeld, nahe des Feldbachweges. Der stellvertretende Leiter der Biologischen Station des Kreises wird begleitet von seinem Kollegen Thomas Starkmann und von Julia Schultealbert. Sie ist Studentin und beschäftigt sich seit Monaten mit den kleinen Nachvögeln, um die es heute geht: Steinkäuze.

Im Strönfeld gibt es etliche Nisthilfen für die Eulentiere, die teils schon vor Jahren zumeist in Astgabeln alter Bäume aufgehängt wurden. „Sie imitieren natürliche Brutmöglichkeiten, wie etwa Höhlen in Apfelbäumen, Birken oder auch Kopfweiden“, erklärt Starkmann. Die drei Naturschützer sind vor Ort, um die Röhren zu kontrollieren.

Streifzüge durch finstere Naturschutzgebiete

Steinkauz-Monitoring ist angesagt und Robert Tüllinghoff mit Leib und Seele bei der Feldarbeit dabei. Er gibt auch dann nicht auf, als er mit seiner Kamera nicht weiterkommt. Die streikt und so holt Thomas Starkmann eine Teleskopleiter aus dem Auto. Die reicht so gerade aus, um in die Nähe der Nisthilfe zu kommen. „Früher dachte man, dass die immer besonders hoch angebracht werden müssten“, schmunzelt der Vogelfreund, als er auf wieder auf dem Boden angekommen ist.

Fünf junge Steinkäuze hat er in der Röhre ausgemacht. „Die haben sich eng zusammengedrängt“, freut sich Tüllinghoff und berichtet, dass die Jungen bereits recht groß seien. „Ästlinge“ nennen die Fachleute dieses Stadium, in dem die kleinen Steinkäuze bereits ihr Federkleid entwickelt haben und sich anschicken, bald das künstliche „Eigenheim“ zu verlassen.

Julia Schultealbert notiert dies mit sichtlicher Freude. Die 35-Jährige studiert Landschaftsentwicklung an der FH Osnabrück und beteiligt sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit am Monitoring-Projekt. „Dafür war ich im März und April vor allem am späten Abend und nachts im Strönfeld und im Tütenvenn unterwegs“, schildert die Ochtruperin ihre einsamen Streifzüge durch die finsteren Naturschutzgebiete. Die Rufe der Nachtvögel halfen, eine Kartierung des vermuteten Vorkommens zu erstellen. Der Check der Nisthilfen trägt nun dazu bei, zum einen das Steinkaufvorkommen zu bestätigen und außerdm den Erfolg des Projekts zu verifizieren.

15 Jungvögel in der Liste

Fünf junge Steinkäuze – das ist auf jeden Fall ein sehr guter Anfang. „Die Alttiere haben die Nisthilfe aber sicher auch mit Bedacht gewählt“, blickt Robert Tüllinghoff auf die Weidefläche mit Obstgehölz gleich neben der Erle, in der die Steinkauzröhre hängt. Im niedrigen Gras sind Mäuse für die kleinen Eulenvögel gut auszumachen und im Notfall geben sich die Käuze auch mit Regenwürmern zufrieden.

Am nächsten Standort dann ein ganz anderes Bild. Schon von unten macht die Röhre einen maroden Eindruck. Als der Naturschützer hinaufklettert bestätigt sich sein Verdacht. „Die hängt schon lange hier. Der Baum hat sie zwischen den Ästen einfach zerdrückt“, erläutert Tüllinghoff und wirft die Reste der Röhre hinunter. Gut möglich, dass hier demnächst – aber mit mehr Vor­aussicht – eine neue Nisthilfe aufgehängt wird.

Das wird im nächsten Objekt der Tour nicht nötig sein. Die Röhre ist in einen alten Feldschuppen integriert, der mit Mitteln der Naturschutzstiftung des Kreises Steinfurt vor Jahren saniert wurde. Bis direkt unter den First muss Robert Tüllinghoff hinaufklettern, um einen Blick zu riskieren. Auch hier sind die Käuze fleißig. „Ich habe mindestens drei Jungvögel identifizieren können“, sagt der Naturschützer, der mit der Taschenlampe minutenlang das flaumige Knäuel beobachtete. Wieder ein Bruterfolg also. Am Ende der Tour werden es mehr als 15 Jungvögel sein, die Julia Schultealbert in ihrer Liste notiert hat.

Unterstützung

Wer das Steinkauz-Projekt der Biologischen Station des Kreises Steinfurt unterstützen, und beispielsweise die Niströhren betreuen möchte, sollte sich an Thomas Starkmann (Telefon 05482/929112; E-Mail thomas.starkmann@biologische-station-steinfurt.de) wenden.

Startseite