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Aktionsbündnis für Demokratie hat die Erinnerungskultur im Blick

Gedenktag darf nicht verloren gehen

Altenberge

Das Aktionsbündnis für Demokratie Altenberge gedenkt seit dem 10. Mai, der „Bücherverbrennung“ im nationalsozialistischen Deutschland, die 1933 an diesem unseligen Datum in die Geschichte einging.

Rainer Nix

Die Tonaufnahmen fanden im Bürgerhaus statt (v.l.): Einer der Vorleser ist Heinrich Bahlburg, daneben Franziska Mahlmann, Familienbündnis-Praktikantin Svenja Rüdenburg und Rainer Mockewitz. Foto: mas

Plakate stechen auf der Kirchstraße ins Auge, die gegen das Vergessen gerichtet sind. Das Aktionsbündnis für Demokratie Altenberge gedenkt damit seit dem vergangenen Montag, dem 10. Mai, der „Bücherverbrennung“ im nationalsozialistischen Deutschland, die 1933 an diesem unseligen Datum in die Geschichte einging. Werke von 131 Autorinnen und Autoren wurden damals ein Raub der Flammen, weil sie angeblich „undeutschen Geist“ verbreiteten. Was folgte waren Zensur, Verfolgung und Terror.

Joachim Ringelnatz

Initiator ist Aktionsbündnismitglied Rainer Mockewitz, unterstützt wird die Aktion von der Gemeinde, die Plakate gestaltete Ingrid Weide. Aufgedruckt sind Passagen aus den Werken verfemter Schriftsteller, dazu ein QR-Code, der zur Internetseite mit den Tonspuren der eingelesenen Texte führt. Erreicht wird diese Seite über die Homepage des Familienbündnisses. In der Gegenwart sind die Bücher der Autoren bekannt und geschätzt. Darunter finden sich Namen wie Erich Kästner, Ernest Hemingway, Kurt Tucholsky, Lion Feuchtwanger oder Joachim Ringelnatz. „Im Moment sind 15 Audiospuren online“, sagt die Kulturbeauftragte Franziska Mahlmann. Manche der Vorleser haben auch über ihre persönliche Motivation gesprochen, bei der Aktion mitzuwirken.

Ernest Hemingway

„Heute, am 10. Mai, war eine öffentliche Lesung auf dem Kirchplatz geplant“, sagte Mahlmann. Ein Aufruf in den Westfälischen Nachrichten Anfang des Jahres, als Vorleser mitzuwirken, zeigte überwältigende Resonanz. Viele, die sich meldeten, begrüßten die Idee, in Altenberge der NS-Bücherverbrennung zu gedenken. „Das Vergessen der Verfolgung ist Teil der Verfolgung selber“, so Mockewitz in seinen Geleitworten zu den Lesungen. Es ist wichtig, dass der 10. Mai als Gedenktag nicht verloren geht. „Die Anregung habe ich aus Hamburg und Kassel mitgebracht“, so Mockewitz. Doch warum sollte nicht auch in Altenberge auf die Bücherverbrennung im NS-Unrechtsstaat aufmerksam gemacht werden? „Die Plakate könnten wir an Initiativen und Gruppen verleihen, möglicherweise wird daraus ja eine kleine Wanderausstellung“, kann sich Mockewitz vorstellen. Vielleicht entsteht eine Zusammenarbeit mit Schulen. „Es gab tatsächlich bereits eine erste Anfrage“, so die Kulturbeauftragte. Deutlich wird, dass sich viele Menschen Gedanken machen und signalisieren, dass ihnen das gegenwärtige Ausmaß der Erinnerungskultur noch nicht reicht. Mit der Demokratie ist es auch heute noch nicht überall gut bestellt. „Man merkt, die Menschen machen sich Sorgen und wollen etwas tun“, so Mahlmann. Die Plakate sollen 30 Tage lang zu sehen sein.

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